Fiene Scharp und Paul Heimbach: Serial Cut, The Quiet Logic Of Deviation
Die „stille Logik der Abweichung“ bildet den gemeinsamen Bezugspunkt zweier künstlerischer Positionen, in denen Struktur nicht als Abschluss, sondern als offener Prozess erscheint.
In den Arbeiten von Fiene Scharp und Paul Heimbach begegnen sich zwei eigenständige Denk- und Arbeitsweisen, die Ordnung nicht als Ziel, sondern als Voraussetzung begreifen — als ein System, das erst durch minimale Verschiebungen, Unterbrechungen und Abweichungen sichtbar wird.
Die Berlinerin Fiene Scharp (geboren 1984) arbeitet mit Papier, Schnitt, Linie und Raum. Ihre Werke entstehen aus präzisen Setzungen, aus Wiederholung und Raster, die jedoch nie geschlossen bleiben. Der Eingriff — der Schnitt, die Öffnung, die Auslassung — erzeugt ein Spannungsfeld, in dem Struktur fragil wird und Wahrnehmung sich neu organisiert. Abweichung erscheint hier nicht als Störung, sondern als notwendige Bedingung von Form.
Paul Heimbach (1946–2013) entwickelte sein Werk aus seriellen, systematischen Verfahren heraus. Farbe, Form und Abfolge folgen klar definierten Regeln, die sich im Prozess ihrer Umsetzung selbst befragen. Die Serie ist bei Heimbach kein Mittel der Wiederholung, sondern ein Instrument der Erkenntnis: Jede Variation verschiebt das System minimal und macht dadurch dessen innere Logik — und deren Grenzen — sichtbar.
Gerade in dieser Differenz liegt die produktive Spannung der gemeinsamen Präsentation. Während Scharp von der Materialität und dem Eingriff her denkt, arbeitet Heimbach von der Struktur und ihrer konsequenten Durchführung aus. Beide Positionen treffen sich in einer Haltung, die Präzision nicht mit Geschlossenheit verwechselt und Ordnung nicht gegen Offenheit ausspielt.
Die Ausstellung versteht diese Begegnung nicht als Vergleich, sondern als Überlagerung zweier Denkbewegungen. In der stillen Logik der Abweichung wird sichtbar, wie unterschiedlich gesetzte Systeme einander nicht widersprechen, sondern sich wechselseitig schärfen — und wie Abweichung als leises, aber wirksames Prinzip künstlerischer Erkenntnis erfahrbar wird.
Fiene Scharp (*1984, Berlin) studierte Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin (UdK, Klasse Gregor Schneider und Alicja Kwade) sowie Literaturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt und befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Kupferstichkabinetts Berlin, des Kunstmuseums Stuttgart und des Museums für Konkrete Kunst Ingolstadt. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
Paul Heimbach (1946–2013) lebte und arbeitete in Köln. Seit den 1970er Jahren stellte er regelmäßig aus und schuf ein umfangreiches Oeuvre aus Künstlerbüchern, Multiples, Zeichnungen und Editionen. Seine Werke sind unter anderem in den Sammlungen des Centre Pompidou, Paris, des Museum Ludwig, Köln, des MoMA, New York, und der Tate Gallery, London vertreten. (Quelle: boa-basedonart)
Ausstellungslaufzeit: 24. Januar bis 14. März 2026.