Italien – ewiges Sehnsuchtsland von Goethes Zitronen bis zur 90er-Jahre-SPD? Oder hat das Dolce Vita doch einen leichten Braunschleier angesetzt? Der Proto-Allgäuer Maxi Schafroth fühlt dem Mythos mit seiner unnachahmlichen bajuwarischen Bodenständigkeit auf den Zahn.
Würde er seinen Allgäuer Bauernhof wirklich gegen toskanische Biozwiebeln tauschen? Während die exzellenten Chaarts Chamber Artists und der Geiger Jonian Ilias Kadesha musikalische Italien-Sehnsüchte von Vivaldi bis Strawinsky (der sich neben Vivaldi begraben ließ) heraufbeschwören und Hugo Wolfs rettende „Italienische Serenade“ erklingt, bohrt Schafroth genüsslich Löcher in die Vierte Wand. Bekannt dafür, Schmerzgrenzen wahrzunehmen und mit Grundgüte zu überschreiten, nimmt er Klischees aufs Korn und hinterfragt die Sehnsucht nach dem Süden.
Erleben Sie einen Abend zwischen Presto und Prusten, der Ihren Gefühlsapparat zielsicher durch Wogen der Rührung (bei Vivaldis Klängen) und Stürme der Heiterkeit (bei Schafroths Betrachtungen) lenkt. Am Ende überwiegt garantiert die gute Laune – auch wenn Italien vielleicht nicht mehr ganz das ist, was es mal war.
Chaarts Chamber Artists; Jonian Ilias Kadesha, Violine; Maxi Schafroth, Moderation
Antonio Vivaldi: Concerto D-Dur RV 208 für Violine, Streicher und Basso continuo «Grosso Mogul»; Hugo Wolf: Italienische Serenade G-Dur (Bearbeitung für Orchester); Igor Strawinsky: Suite italienne (Fassung für Violine und Streicher); Giovanni Sollima: Konzert für Violine, Streicher, Laute und Perkussion »Tyche« (Quelle: Tonhalle Düsseldorf)