Tagung der Kunstkommission Düsseldorf
Wem gehört der öffentliche Raum? Und wer darf ihn gestalten? Die Tagung öffnet den Diskurs über Bestandskunst, queerfeministischen und kollaborativen Strategien, ökologischer Transformation und digitalen Stadträume.
Der öffentliche Raum stellt ein komplexes Gefüge dar, das stets neu verhandelt wird – sozial, politisch, ästhetisch und symbolisch. Angesichts zunehmender Verdichtung, gesellschaftlicher Fragmentierung und politischer Polarisierung verschärfen sich diese Aushandlungsprozesse. Dies ist auch der Fall, wenn es um die Rolle von Kunst im öffentlichen Raum geht – sei es im Rahmen der Realisierung von neuen Projekten oder im Umgang mit Bestandskunst. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die 2024 in Düsseldorf entbrannte Debatte um die Fassade des ehemaligen Audimax der Hochschule Düsseldorf, gestaltet von Günter Fruhtrunk. Der geplante Abriss des Gebäudes und die damit verbundene mögliche Demontage des Kunstwerks haben eine breite öffentliche und kulturpolitische Diskussion ausgelöst, in der städtebauliche Interessen auf Denkmalschutz und künstlerische Autor*innenschaft treffen. Auch Argumente des “Kulturkampfs” spielen in diesen Debatten eine Rolle, zwischen der Moderne und rechter Raumnahme.
Wer aber entscheidet über den Erhalt öffentlicher Kunstwerke? Welche Interessen und Machtverhältnisse bestimmen diese Entscheidungen? Und wie gestaltet sich das Verhältnis von Deutungshoheit, Zugang und Teilhabe? Die Fachtagung nimmt diese Fragen zum Anlass, um die vielschichtigen Dimensionen des öffentlichen Raums sowie die Rolle der Kunst als Medium gesellschaftlicher Mitgestaltung, Kritik und Transformation zu untersuchen. Neben dem Umgang mit Bestandskunst sollen vor allem künstlerische und kuratorische Strategien verhandelt werden, die bestehende Machtstrukturen sichtbar machen, hinterfragen oder strategisch unterwandern. Dabei liegt der Fokus auf der Praxis von Akteur*innen, die im Stadtraum weniger sichtbar sind – wie queerfeministischen Perspektiven –, ebenso wie auf Praktiken der Kollaboration als Form der Teilhabe. Des Weiteren rücken künstlerische Strategien in den Blick, die die ökologische und soziale Transformation mitgestalten, sowie Kunstprojekte, die den öffentlichen Raum ins Digitale erweitern.
Die Tagung bringt Künstler*innen, Kurator*innen, Wissenschaftler*innen und Akteur*innen der Stadtgesellschaft zusammen, um gemeinsam über die Gestaltungsspielräume und die transformative Kraft von Kunst im öffentlichen Raum zu reflektieren. Neben eingeladenen Keynote-Speaker*innen und Diskussionsteilnehmer*innen wird das Programm durch Beiträge aus einem Call for Papers ergänzt. In insgesamt fünf Panels werden die verschiedenen Dimensionen und Perspektiven von Raum verhandelt.
Organisiert wird die Tagung von der Kunstkommission der Landeshauptstadt Düsseldorf. Seit 2018 beschäftigt sich die Kommission mit Kunst und Bau-Projekten, begleitet interdisziplinäre städtebauliche Vorhaben und richtet temporäre Formate wie den Lantz’scher Skulpturenpark sowie die international ausgeschriebenen stadt.raum.experimente aus.
Die Tagung findet vom 20. bis 21. März 2026 im Künstlerverein Malkasten in Düsseldorf statt. Sie beginnt am Freitag um 13 Uhr und endet am Samstag um 14 Uhr. Der Kulturwissenschaftler Kay von Keitz führt moderierend durch das Programm.
Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, an der Tagung teilzunehmen und sich aktiv einzubringen. (Quelle: Kunstkommission Düsseldorf)