Maxi Hoffmann im orangenen Overall in ihren Kunsthandwerk Studio

Kunsthandwerk deluxe – Maxi Hoffmann & ihr Keramiklabel Hap Ceramics

|

„Seitdem ich in Düsseldorf wohne, kann ich leider an keinem anderen Ort als im japanischen Viertel Ramen oder Sushi essen.“

Maxi Hoffmann verhilft dem Begriff des Kunsthandwerks zu einem neuen Ausdruck. Bei ihrem Keramiklabel Hap Ceramics hat der Zufall die Hände mit im Spiel. Die gebürtige Chemnitzerin, die bereits in Christchurch, Graz, Amsterdam und London lebte, fertigt in ihrem Atelier in den Ando Future Studios Keramikobjekte, die Sehgewohnheiten aufbrechen. Ihre Vasen wirken deformiert, ihre Teller sind zerbrochen, die Kerzenleuchter haben Oberflächen wie Mondkrater. Das gibt ihr die Freiheit, sich jenseits des Mainstreams zu bewegen. Welchen Einfluss die Düsseldorfer Kunstszene auf ihr Leben hat und warum sie von Little Tokyo nicht mehr loskommt, verrät die Kosmopolitin anlässlich unseres Besuchs an ihrer Töpferscheibe.

Keramikarbeiten von Maxi Hoffmann in einem weißen Regal angeordnet.

Deine Mutter führte als gelernte Keramikerin eine Töpferei in deiner Heimat Chemnitz. Hast du durch sie deine Liebe zum Kunsthandwerk Töpfern entdeckt?
Meine Mutter hatte ihre Keramikwerkstatt zwischenzeitlich aufgegeben und töpferte nicht mehr, als ich anfing. Ich habe 2017 einen Töpferkurs bei Ulrich Schmitz in der Liesegang-Fabrik in Bilk gemacht und mich sofort in die Technik verliebt. Bald wurde er mein Mentor und ich durfte die Werkstatt selbstständig nutzen. Meine Mutter war anfangs etwas skeptisch. Sie meinte, der Weg zur Keramik führe nur über eine langjährige Ausbildung. Nachdem sie meine Arbeiten gesehen hatte, hat sie jedoch auch wieder angefangen zu töpfern – und erst diese Woche ist sie mit ihrer eigenen Werkstatt nach Tirol gezogen. Inzwischen tauschen wir uns viel aus.

Woher kommt der Name Hap Ceramics?
Hap ist Englisch und heißt Zufall.

Genau der soll dir oft ein willkommener Gast und Mitgestalter sein.
Stimmt. Meine „Broken Plates“ sind zum Beispiel aus einem Fehler entstanden. Die runden Teller hatten Risse, weil sie zu schnell und ungleichmäßig getrocknet sind. Ich habe die Teller dann genau an diesen Stellen entzweigebrochen. Die Formen, die entstehen, wenn ich dies tue, kann ich kaum beeinflussen. Das finde ich sehr spannend. Auch eine meiner Vasenformen entstand durch einen Zufall. Die Vase war zu dünn und sank auf der Töpferscheibe in sich zusammen, war somit deformiert. Das Ergebnis gefiel mir aber so gut, dass diese Vasenform jetzt fester Bestandteil meiner Linie ist. Auch bei den Glasuren spielt der Zufall immer wieder mit. Ich experimentiere viel und manchmal führen Zufälle oder eben Unfälle zu ganz neuen und spannenden Ergebnissen.

Hast du Vorbilder aus der Welt der Keramik?
Ich lasse mich eher von Kunst als von Keramikarbeiten inspirieren, andernfalls würde mich das vielleicht zu sehr beschränken oder beeinflussen. Ich gehe viel in Ausstellungen, viele meiner Freundinnen sind Künstlerinnen an den Akademien in Düsseldorf und in Berlin. Auch meine Großmutter ist Künstlerin und Kunstlehrerin, mein Cousin hat in Dresden Kunst studiert – ich war und bin also umgeben von Kunst.

Was hat dich veranlasst, dich 2017 mit Hap Ceramics selbstständig zu machen? Hattest du davor einen anderen Berufswunsch?
Ich konnte mich nie richtig entscheiden. Du musst wissen: Gerade, weil ich aus einer sehr künstlerischen Familie komme, wurde mir ans Herz gelegt, bloß nichts Künstlerisches zu machen. Es kann schon schwierig sein. Deshalb habe ich zunächst in Graz und in Amsterdam BWL studiert, um die Berufsentscheidung später treffen zu können. Nach meinem Masterstudium habe ich im Marketing gearbeitet. Ich habe jedoch schnell gemerkt, dass mir die selbstbestimmte künstlerische Arbeit sehr viel mehr gibt und dass ich dort meine Energie hineinstecken möchte. Auch wenn ich mit der Entscheidung, BWL zu studieren, zunächst nicht glücklich war – im Endeffekt hat sich alles perfekt gefügt: Im Studium habe ich mich auf Produktdesign spezialisiert. Somit konnte ich mich mit der Disziplin auch aus einer wirtschaftlichen Perspektive beschäftigen. Und nun gibt mir ein Marketing-Teilzeitjob, der mir Spaß macht, sehr viel Freiheit in meiner kreativen Arbeit. Durch die finanzielle Sicherheit kann ich mich auf Projekte konzentrieren, hinter denen ich stehe, und Objekte fertigen, die ich spannend finde.

Maxi Hoffmann, unscharf im Hintergrund, hält eine Vase mit sehr poröser Oberfläche, scharf im Vordergrund, in der rechten Hand.

Du bist viel herumgekommen, hast als Jugendliche in Christchurch, Neuseeland, gelebt.
Schon damals war ich ein sehr freiheitsliebender Mensch. Daher fand ich die Vorstellung sehr aufregend, am anderen Ende der Welt zu sein – weiter weg von der Heimat geht es ja schließlich nicht. Ich habe dann als 16-Jährige ein Jahr in einer Gastfamilie gelebt.

Was hat dich nach deinen vielen Auslandsaufenthalten bewogen, nach Düsseldorf zu ziehen?
Ich habe ein Praktikum in der Produktdesignagentur Squareone gemacht und dort meinen heutigen Ex-Freund kennengelernt. Inzwischen bin ich seit zehn Jahren in Düsseldorf.

Was schätzt du an der Stadt? Was macht sie besonders lebenswert?
Die Kunstszene und insbesondere die Kunstakademie, an der so viele Talente studieren. Es gibt sehr viel kreative und interessante Menschen in Düsseldorf – und es gibt die Menschen, die sich die Kunst leisten können. Das zusammen ergibt ein sehr gutes Klima für eine lebendige Szene. Hinzu kommen die Galerien, Off-Spaces und Museen. Neben der Kunstszene schätze ich aber auch sehr den Austausch mit anderen Designer*innen. Die Stadt ist eben überschaubar und man kommt schnell zusammen und tauscht sich aus. 2021 haben wir den ersten Blow Shop in Düsseldorf organisiert. Mittlerweile hat sich daraus eine unabhängige Plattform entwickelt, die verschiedene kreative Disziplinen zusammenbringt. Das Ergebnis ist ein kuratiertes, temporäres Store-Konzept, dass zwei, drei Mal im Jahr in verschiedenen Städten stattfindet. Neben Düsseldorf waren wir bisher in Köln, Berlin und zuletzt in Antwerpen. All das sind Gründe, die mich hier in Düsseldorf halten.

Werkzeug auf einer Metalloberfläche (silbern), im Hintergrund das weiße Regal mit Arbeiten.

Du bist mit deinem Atelier in den Ando Future Studios zu Hause. Was ist besonders an diesem Ort?
Ich teile mir den Raum, der uns ja zur Zwischennutzung zur Verfügung steht, mit drei weiteren Künstler*innen und es hat sich schnell eine schöne Gemeinschaft ergeben. Die alte Werkstatt bietet sehr viel Raum für verschiedenste Dinge und es ist immer etwas los. Wir tauschen uns viel aus und arbeiten auch zusammen. So haben wir zum Galerientag der DC Open eine Gruppenausstellung und im letzten Juni gemeinsam einen Tag des offenen Ateliers organisiert.

Welches sind deine Lieblingsorte in Düsseldorf?
Der Radschlägermarkt, der legendäre Flohmarkt auf dem Gelände des Blumengroßmarktes, die private Stiftung Langen Foundation und das Museum Insel Hombroich in Neuss.

Wie findest du das kulinarische Angebot der Stadt?
Oh, man kann in Düsseldorf sehr gut essen gehen. Ich gehe am liebsten in die Bar Olio und ins japanische Viertel. Hier kriegt man das beste japanische Essen. Seitdem ich in Düsseldorf wohne, kann ich leider an keinem anderen Ort mehr Ramen oder Sushi essen. Mein Favorit: das Nagomi. In Japan selbst war ich noch nie. Das steht allerdings auf der Liste, insbesondere wegen der Keramik, die dort eine lange Tradition hat.

hap-ceramics.com

Interview: Ilona Marx
Fotos: Markus Luigs

Tipp: Am 2. und 3. Dezember 2023 veranstaltet ein Maxi Hoffmann ein Adventskaffee mit Cello und Geigen-Konzerten. Sie sagt: „Ich plane wie im letzten Jahr eine magische Szenerie in der Werkstatt entstehen zu lassen. Und man kann natürlich auch einen Blick in mein Atelier und auf meine Objekte werfen.“

Jetzt zum Newsletter anmelden und keine Neuigkeiten mehr verpassen