
Repair Rebels – Gründerin Monika Hauck im Gespräch über Mode & Nachhaltigkeit
„Ich liebe Mode und schöne Kleidung, aber als Mutter und Feministin musste ich meinen Modekonsum radikal hinterfragen.“
Repair Rebels, so heißt die digitale Plattform für Reparaturen, die Monika Hauck 2022 gegründet hat. Die Gründerin lebt seit 18 Jahren in Düsseldorf. In Litauen geboren und aufgewachsen, begann Monika Hauck mit 15 Jahren zu modeln und um die Welt zu reisen. Mit Anfang 20 entschloss sie sich BWL zu studieren, promovierte, arbeitete in der Finanzbranche und später an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Düsseldorf, wo sie das Entrepreneurship Center leitete. Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch markierte für Monika eine Zäsur und sie beschloss sich bei Fashion Revolution zu engagieren. Wir haben mit ihr über Mode, Nachhaltigkeit und die Gründung ihres Unternehmens Repair Rebels gesprochen.

Monika, du hast als Teenager gemodelt, dich dann aber entschlossen BWL zu studieren und zunächst keine Berührungspunkte mehr mit Mode gehabt. Was hat dazu geführt, dass du dich mit Nachhaltigkeit in der Modeindustrie beschäftigt hast?
Ich war dabei im Bereich Open and Collaborative Innovation zu promovieren, als ich zum ersten Mal von Fashion Revolution gehört habe. Ich erinnere mich daran, als sei es gestern gewesen. Ich war im Auto unterwegs, meine Tochter war noch so klein, dass sie hinten im Kindersitz saß. Der Beitrag im Radio hat mich mitgenommen. Es ging um den Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza und um die Bewegung Fashion Revolution. Ich liebe Mode und schöne Kleidung, aber als Mutter und Feministin musste ich meinen Modekonsum radikal hinterfragen.
Ja, das war 2013 als in Bangladesch die Textilfabrik einstürzte und über 1.100 Menschen, vor allem Textilarbeiterinnen, starben. Ein Jahr darauf gab es am 24. April, dem Jahrestag des Einsturzes, zum ersten Mal den Fashion Revolution Day.
Genau. Das Thema hat mich schockiert. Dass so viele Menschen gestorben sind. Im Rahmen meiner Promotion habe ich mich dann entschieden, auch die Modeindustrie zu analysieren. Mir wurde schnell klar, dass die Modeindustrie gar nicht so innovativ ist. Kreativ? Ja. Aber in Innovationen wurde nicht investiert. Und es ist auch keine besonders kollaborative Branche, im Sinne von Knowledge Sharing. Darüber habe ich mich ausgiebig mit meiner Freundin Anja Gräf, mittlerweile Global Head of Impact Investments bei der HSBC Bank, unterhalten. Wir waren uns schnell einig, dass es eigenartig ist, dass in einer wohlhabenden Stadt wie Düsseldorf mit starkem Modebezug niemand über Nachhaltigkeit spricht. Niemand schien sich dafür zu interessieren, woher unsere Kleidungsstücke kommen und wie sie hergestellt werden. Fashion Revolution war in Düsseldorf ebenfalls noch nicht vertreten, das war 2017. Anja und ich haben daraufhin Fashion Revolution kontaktiert und sind City Ambassadors für Düsseldorf geworden.

Fashion Revolution hatte damals den sehr markanten Slogan „Who made my clothes?“. Ich kann mich erinnern, dass Social Media geflutet wurde mit Fotos von Menschen, die Pappschilder mit dem Slogan hielten. Und es gab weltweit sehr viele Demos, Aktionen und Events. Wie seid ihr vorgegangen?
Wir haben 2018 das erste Event an der WHU Düsseldorf organisiert, wo ich damals gearbeitet habe. Zu den ersten Redner*innen gehörten Heiko Wunder von dem Düsseldorf Eco & Fair Fashion Label Wunderwerk, Lukas Pünder und Philipp Mayer von Retraced, dem digitalen Data-Tool aus Düsseldorf und Daniela Perak, Inhaberin des Concept Stores Roberta. Die Resonanz war durchweg positiv und die Events waren sofort ausverkauft. Unser Anliegen war immer Menschen zu vernetzen, Innovatorinnen eine Bühne zu geben und nach Lösungen für die Modeindustrie Ausschau zu halten. Gleichzeitig war es uns ein wichtiges Anliegen, die Veranstaltung für alle zugänglich zu machen. Denn Mode ist eine Form von Kunst – und wie Kunst sollte sie alle Menschen einbeziehen. Und tatsächlich hatten wir ein sehr gemischtes Publikum: von Studierenden über Banker*innen bis hin zu Fashion-Blogger*innen und Rentner*innen.
Mit deinem jüngsten Projekt Repair Rebels sind du und dein Team zu Titelträger*innen 2023/24 der Initiative Kreativpilot*innen gekürt worden. Du hast das Unternehmen 2022 gegründet und bietest einen Reparaturservice an, der als digitale Plattform konzipiert ist. Warum hast du dich entschieden, einen digitalen Reparaturservice aufzubauen?
Ich dachte, um etwas zu verändern, sollte ich ein Unternehmen gründen. Aber es sollte auf keinen Fall noch eine Modemarke sein. Die Welt braucht keine weitere Fashion Brand – auch nicht von mir. Reparaturen waren bereits vor ein paar Jahren ein Thema bei der Fashion Revolution Bewegung. Im Grunde ist reparieren der nachhaltigste Weg, um Mode lange zu genießen. Und es ist eine Branche, die sich in den letzten 100 Jahren kaum verändert hat. Meine Idee war, eine digitale Plattform zu kreieren, die es möglich macht, Reparaturdienste genauso einfach zu buchen, wie man neue Mode online kaufen kann. Außerdem sollte man alles reparieren können – von den alten Sandalen deines Opas bis hin zur Luxustasche.


Wie wurde Repair Rebels angenommen? Hat schon einmal jemand die alten Sandalen von Opa eingeschickt?
Erst letzte Woche haben wir einen 50 Jahre alten Bademantel, der tatsächlich dem Opa des Kunden gehörte, Instand gesetzt. Der Kunde hing sehr an dem Bademantel und war äußerst dankbar, dass wir ihm helfen konnten. Parallel haben wir zwei Hermès-Taschen restauriert. Wir arbeiten mit unabhängigen Handwerkskünstler*innen zusammen. Und ich nenne sie so, weil es mittlerweile viel schwieriger ist, etwas zu reparieren als etwas neu herzustellen. Es ist eine Kunst, denn man muss nicht nur handwerklich begabt sein, sondern gleichzeitig sehr kreativ. Leider sind wir dabei, diese Fähigkeiten in Deutschland zu verlieren. Es ist ein zentraler Bestandteil der Repair-Rebels-Idee, mit unserer Plattform auch lokale Handwerkskünstler*innen zu unterstützen.
Das Außergewöhnliche an Repair Rebels sind aber nicht nur die Handwerkskünstler*innen, sondern auch der Auftritt als digitale Plattform. Macht sich das an euren Kund*innen bemerkbar?
Wir haben unsere Kund*innen statistisch ausgewertet und rund 40 Prozent unserer Nutzer*innen sind Männer. Interessant, oder? Und ich muss auch sagen, wir reparieren sehr gerne für unsere männlichen Kunden, die beschweren sich viel seltener und sind weniger pingelig. (Lacht.) Ich glaube, der Anteil männlicher Kunden ist unter anderem so hoch, weil sie nicht gerne einkaufen gehen. Deshalb lassen sie ihre alte Lederjacke, Jeans und andere Sachen lieber reparieren, als neu zu kaufen. Wir haben außerdem viele Kundi*nnen, die nicht in der Stadt wohnen. Man findet außerhalb von Städten kaum noch beispielsweise Änderungsschneidereien oder Schuhmacher*innen. Darüber hinaus haben wir herausgefunden, dass rund 30 Prozent noch nie etwas haben reparieren lassen. Die kommen zu uns, weil wir das Thema modern und online präsentieren. Repair Rebels mag nicht für alle etwas sein, aber gewisse Gruppen wie jüngere Menschen holen wir sehr gut ab.

Ihr bietet mit Repair Rebels ein Rund-um-sorglos-Paket an und übernehmt die gesamte Kommunikation und Beratung, findet die passenden Handwerkskünstler*innen, kümmert euch um den Versand und alles, was anfällt. Ist es kostspielig euren Service zu beanspruchen?
Der Preis ist tatsächlich der Elefant im Raum beim Thema Reparatur. Ich denke, wir müssen an der Stelle unser Mindset ändern und verstehen, dass Reparatur ein moderner Luxus ist. Der eben genannte Bademantel des Großvaters war natürlich teuer in der Reparatur, denn der Änderungsschneider hat ein paar Stunden daran gesessen, ihn wieder herzustellen. Man darf nicht vergessen, dass Textilien oder andere Produkte, die in Asien hergestellt werden, zu einem sehr günstigen Lohn produziert werden. Eine Arbeitsstunde kostet in Deutschland viel mehr. Dementsprechend teuer sind Reparaturen. Wir überlegen, unseren Service auszuweiten und beispielsweise Schuhmacher*innen, die nicht ausgelastet sind, aufzunehmen. Dadurch könnten sich die Reparaturkosten für unsere Kund*innen verringern. Nichtsdestotrotz sind wir ein Premium Repair Service. Neben hochwertiger Reparaturarbeit bieten wir auch kompetente Beratung und Kund*innenservice. Wir bewahren nicht nur den wirtschaftlichen Wert von Lieblingsstücken, sondern gleichzeitig Erinnerungen und Familiengeschichten. Es ist im Grunde genommen eine Investition in sich selbst.
Mode und Styling bleibt allen Bedenken zum Trotz ein großes Vergnügen und sind für viele auch Ausdruck von Kreativität und Persönlichkeit. Kannst du uns Tipps geben, wo man in Düsseldorf guten Gewissens shoppen kann?
Second Hand ist nachhaltig und ich kaufe es gerne. In der Altstadt gehe manchmal zu The Mintage. Außerdem mag ich Wunderwerk, das Label von Heiko Wunder. Dort finde ich auch schöne Geschenke, zum Beispiel für meinen Mann, aber auch für Freund*innen.

Was war das letzte Teil, das du dir gekauft hast?
Bei Hessnatur am Carlsplatz habe ich mir im Winter einen Norwegerpullover gekauft. Ich gehe dort häufig hin. Hessnatur produzieren in meinem Heimatland Litauen, das verbindet und ich habe den Eindruck meine Heimat zu unterstützen. Die Brand hat sich gut entwickelt und macht Kollaborationen mit Designer*innen wie zum Beispiel Wolfgang Joop. Und Hessnatur hat sehr schöne, moderne Strickwaren und ich liebe Wolle. Es ist komisch, früher als Kind hat Wolle immer schrecklich gekratzt. Wenn ich jetzt ein kratziges Gefühl habe, während ich Wolle trage, versetzt mich das in meine Kindheit. Obwohl es kratzt, habe ich trotzdem Glücksgefühle. (Lacht.)
Was ist dein Highlight in Düsseldorf?
Ich liebe den Rundgang der Kunstakademie. Ich finde es toll, dass die Menschen sich dafür in die oft sehr lange Schlange stellen und bereit sind zu warten, um reinzukommen. Es ist jedes Mal ein Highlight, das mich sehr inspiriert. Aus meiner Sicht haben Mode und Kunst einiges gemeinsam. Der Mut, die Internationalität und Kreativität der Künstler*innen ist etwas, das ich mir für die Modebranche in Düsseldorf wünsche.
Info
Vom 22. bis 27. April findet weltweit die Fashion Revolution Week statt. Alle, die sich für Nachhaltigkeit in der Modebranche interessieren, sind aufgerufen mitzumachen.
In Düsseldorf findet am 25. April das DFD Community-Meet-up im Theatermuseum statt. Anlässlich der Fashion Revolution Week wird in Kooperation mit dem Fashion Aware Club, der Stadt Düsseldorf und Visit Düsseldorf die neue Cosh!-Map präsentiert. Weitere Programmpunkte sind ein Workshop und ein Clothes Swap.
Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Informationen unter cosh.eco.
Text: Cynthia Blasberg
Aufmacherfoto: Sandra Kühnapfel
Fotos: Archiv Monika Hauck/Repair Rebels & s. Credits



