
Architektur in Düsseldorf: Ein Spaziergang mit Klaus Englert
„Düsseldorf hat sehr an Qualität gewonnen.“
Ein Experte für Architektur in Düsseldorf: Klaus Englert hat die Düsseldorfer Moderne in einem übersichtlich gestalteten Architekturführer verpackt. Der Journalist und Autor studierte in Düsseldorf Philosophie und Germanistik, schrieb Architekturkritiken für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, arbeitete als freier Journalist für den Rundfunk und die taz und lehrte Philosophie an der Düsseldorfer Kunstakademie, bevor er sich in den Pandemiejahren 2021 und 2022 intensiv mit der Düsseldorfer Architektur auseinandersetzte. Bei einem Spaziergang zwischen dem MedienHafen und dem Mannesmann-Hochhaus erklärt Englert, was an der Architektur in Düsseldorf so besonders ist.

Du bist Autor eines Führers über Architektur in Düsseldorf. Wie kam es dazu?
Der Verleger des Berliner Verlags DOM Publishers trat mit der Idee an mich heran. Ich hatte bei DOM einen Architekturführer über Barcelona veröffentlicht, der sich gut verkaufte, und wir beschlossen, einen zweiten Guide über Düsseldorf herauszubringen. Es sollte ein Architekturführer werden, der eher feuilletonistisch ist und nicht unbedingt auf Vollständigkeit pocht. Ein Buch für den normalsterblichen Kulturinteressierten und nicht nur für das Fachpublikum. Ich wollte aufzeigen, was Architektur in Düsseldorf ausmacht und wie die Moderne hier Einzug gehalten hat.
Worin schlägt sich der Charakter deines Buchs Architekturführer Düsseldorf nieder?
Das Buch ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern thematisch. Besondere Aufmerksamkeit habe ich den Kulturbauten gewidmet. Ich wollte wissen, was die Museen der Stadt auszeichnet und welche Bedeutung öffentlichen Plätzen zukommt. Am Rheinufer beispielsweise verlief früher eine Verkehrsschneise, die die Stadt vom Rhein getrennt hat. Heute verbindet die Rheinuferpromenade Wasser und Stadt und ist zu einer sehr beliebten Flaniermeile geworden ist. Wichtig waren mir auch Konversionsflächen wie der Hafen, der von einem für die Bewohner*innen unzugänglichen Ort zu einem beliebten Promenierzentrum geworden ist, mit einer Vielfalt an Gastronomie. Spannend war, der Frage nachzugehen, was im MedienHafen von der alten Bestandsarchitektur übriggeblieben ist. Gebäude wie das ehemalige E-Werk sind ja erhalten geblieben. Bei der Plange Mühle, dem neuen Ingenhoven-Gebäude, hat man die Kubatur gelassen, aber die Fassade erneuert. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass noch mehr vom alten Charakter, der alten Atmosphäre, die den Hafen geprägt hat, bewahrt geblieben wäre. Aber darüber kann man streiten.

Wie bist du vorgegangen, um Düsseldorfs Besonderheiten aufzuzeigen?
Ich habe zunächst einen Brückenschlag von der Stadt des Kurfürsten, sprich dem Benrather Schloss und dem Jägerhof – errichtet im Auftrag von Karl Theodor von der Pfalz − bis zur Gegenwart gewagt. Doch den eigentlichen Anfang meiner Darstellungen bildet das Jahr 1900, als wichtige Architekten von außerhalb nach Düsseldorf kamen und neue Einflüsse mitbrachten. Das war die Zeit von Wilhelm Kreis, der das Wilhelm-Marx-Haus gebaut hat, von Peter Behrens, der die Mannesmann-Hauptverwaltung entwarf, und Paul Bonatz, dem Erbauer des Neuen Stahlhofs. Behrens und Kreis kamen aus Berlin, Bonatz aus Stuttgart. Sie alle waren bedeutende Persönlichkeiten, die für Düsseldorfs architektonische Entwicklung entscheidend waren und das Fundament der modernen Architektur gelegt haben. Joseph Maria Olbrich als Vierter im Bunde war ebenfalls sehr maßgebend für den Übergang vom Jungendstil zur Moderne und damit für deren Definition mit verantwortlich.

Führung
MedienHafen-Führung
Düsseldorf hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Das sieht man nicht zuletzt an der Architektur im MedienHafen. Kaum vorstellbar, dass in den achtziger Jahren vor allem Lagerhäuser im heutigen MedienHafen standen. Entdecke Ikonen der Architektur von Gehry bis Maki Solitaire.
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Welches sind in deinen Augen die fünf bedeutendsten Gebäude der Stadt? Und warum findest du sie so wegweisend?
Da sehe ich zunächst die beiden Mannesmannhäuser: den Verwaltungsbau von Peter Behrens am KIT und daneben das frühste Hochhaus Düsseldorfs von Paul Schneider-Esleben. Das Dreischeibenhaus von Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg gehört für mich ebenfalls dazu. Die Architekten hatten sich von SOM, von Louis Skidmore, Nathaniel Owings and John Merrill aus den USA beraten lassen. Das frühere Warenhaus Tietz (heute Galeria an der Heinrich-Heine-Allee) von Joseph Maria Olbrich sehe ich als herausragendes Beispiel für die Reformarchitektur. Bei den jüngeren Bauwerken möchte ich gerne auf das Gebäude Maki Solitaire von Fumihiko Maki verweisen, dessen Glas-und-Stahl-Bürogebäude im Hafen in einer sehr interessanten Spannung mit der Klinkerfassade der benachbarten Alten Mälzerei steht.

Welche zeitgenössischen Architekten findest du für Düsseldorf besonders wichtig?
Christoph Ingenhoven hat die Stadt sehr geprägt, nicht allein durch den Kö-Bogen II, sondern auch durch seine stadtplanerischen Einflüsse. Wichtig finde ich auch Andreas Knapp, der interessante Bestandsgebäude aufkauft und sich überlegt, welcher Nutzung er die Gebäude zuführen könnte. Er macht das nicht nur für private Rendite, sondern auch um neuen Stadtraum zu gewinnen, so wie beispielsweise beim Bilker Bunker, in dem interessante Kulturveranstaltungen stattfinden.
Was sind deine architektonischen Lieblingsprojekte?
Das K21 ist eines meiner Lieblingsprojekte. Ich finde es toll, dass dieses als Stände-Parlament errichtete Gründerzeitgebäude, das nach dem Krieg von Hans Schwippert renoviert und in den Landtag verwandelt wurde, später sehr gelungen zu einem Museum umgebaut wurde. Meine Highlights dort sind das Café von Jorge Pardo, die Glasfront zum Kaiserteich im Untergeschoss und der Skulpturenraum in der gläsernen Dachkuppel.

Wie bewertest du kommenden Bauvorhaben in der Stadt?
Die stadtbauliche Entwicklung finde ich sehr gut, zum Beispiel die Umwandlung der Gelände und Gebäude der früheren Ulanen-Kasernen und des Areals der Reitzenstein-Kasernen. Dort soll ja überall neuer Wohnraum entstehen. Sehr gespannt bin ich auch auf Pier One, den schwimmenden Pavillon vor der Plange Mühle. Mich persönlich interessiert zudem, wie es mit dem grün-blauen Ring weitergeht, der Düsseldorf in eine fußgängerfreundliche Stadt verwandeln soll.
Was zeigst du Freund*innen, wenn sie zu Besuch kommen?
Ich gehe mit Freunden und Freundinnen sehr gerne ins KIT, in die Gastronomie über dem unterirdischen Ausstellungsraum. Auf der Terrasse kann man sehr gut sehen, wie Düsseldorf sich verändert und wie sehr die Stadt in den letzten zwanzig Jahren an Charme und urbaner Qualität gewonnen hat. Sehr gerne fahren wir auch zur tollen Museumsinsel Hombroich und zur benachbarten Raketenstation mit den wunderbaren Museen von Tadao Ando und Alvaro Siza.

Wohin gehst du, wenn du abschalten möchtest?
Am Schwanenmarkt gibt es einen rekultivierten Abschnitt der Düssel. Ich gehe gerne durch den kleinen privat bewirtschafteten Park und genieße die Ruhe. Dort findet sich auch eine Brücke mit Blick auf das K21, die ist sehr schön und verborgen. Viele Düsseldorfer*innen kennen das gar nicht!
Das Interview fand im KIT-Café statt. Alle Ausstellungen und mehr unter kunst-im-tunnel.de.
Text: Ilona Marx
Fotos: Uwe Kraft



