In einer Werkstatt des Coworkingspace Maschinendorf. Markus Lezaun hält eine Schweißermaske vor sein Gesicht.

Coworkingspace Maschinendorf – Ein Ort für Kreative & Handwerker*innen

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Markus Lezaun im Gespräch zu dem innovativen Coworkingspace in Flingern

Ein Coworkingspace für Handwerker*innen, Kreative und Künstler*innen ist das Maschinendorf in Flingern – ein echter Glücksfall für Düsseldorf. Vor anderthalb Jahren eröffnete mit dem Maschinendorf ein 2.500 Quadratmeter großer Coworkingspace mitten in Flingern. Markus Lezaun, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Maschinendorfs, verrät im Interview, welches Potenzial für er die Stadtgesellschaft in den Werkstätten sieht – und was ihn persönlich bei der organisatorischen und konzeptionellen Arbeit motiviert.

Markus Lezaun, Geschäftsführer Maschinendorf, steht auf einer Wendeltreppe im Coworkingspace und schaut nach oben in die Kamera.

Was genau kann man im Maschinendorf machen – welche Angebote und Erlebnisse erwarten die Besucher*innen?
Im Maschinendorf finden Handwerker*innen und Künstler*innen vollständig ausgestattete Metall- und Holzwerkstätten, außerdem eine Siebdruckwerkstatt, Bereiche für 3D-Druck, eine Keramikwerkstatt und eine Textilwerkstatt. Die Räume stehen Menschen zwischen 18 und 83 Jahren offen – und die Projekte, die im Coworkingspace entstehen, sind entsprechend vielfältig. Ein Beispiel: Die Künstlerin Laude Yu von der Kunstakademie baute für den Bergischen Kunstpreis einen Beichtstuhl, der so groß war, dass der Bau zuhause schlicht unmöglich gewesen wäre. Gleichzeitig fand sie bei uns Menschen, mit denen sie sich über ihr Projekt austauschen konnte. Genau das macht das Maschinendorf aus: Profis, Hobbyhandwerkerinnen und Künstler*innen begegnen sich, um gemeinsam Ideen zu verwirklichen.

Wer kommt typischerweise ins Maschinendorf – handwerkbegeisterte Menschen aus Düsseldorf und Umgebung oder auch Tourist*innen?
Noch rollen keine Busladungen an, doch tatsächlich gibt es zunehmend Anfragen von Reisenden, die Workshops besuchen möchten – vor allem im Bereich Siebdruck, Keramik und Holz. Sehr beliebt ist zudem der Workshop Wine & Clay, eine Weinverkostung, bei der die Teilnehmenden mit Aufbauton eigene Kunstwerke gestalten. Auch Painting Workshops stehen in den Startlöchern; sie sollen ab Februar angeboten werden.

Einblick in die Metallwerkstatt im Maschinendorf.

Wie werden die Workshops organisiert?
Das hängt vom Fachbereich ab. Keramikkurse leiten etwa Absolvent*innen der Kunstakademie. Bei Holzworkshops sind häufig Handwerksmeister*innen im Einsatz – aber nicht ausschließlich. Schließlich braucht man keine Tischlerausbildung, um ein Frühstücksbrettchen zu bauen. Viele Kursleitende sind nicht fest angestellt. So bietet beispielsweise der Betriebsschlosser eines nahegelegenen Hotels den Workshop Schrottschweißen für Ottos an – mit überraschend hoher Frauenquote. Offenbar macht es großen Spaß, mit Metall zu arbeiten. Die Ergebnisse sind oft humorvolle Skulpturen.

Wie viel kostet ein Besuch oder die Teilnahme an Aktivitäten im Coworkingspace?
Die Preise richten sich nach Zielgruppe und Nutzung. Wer als Handwerksteam täglich im Maschinendorf arbeitet, zahlt andere Konditionen als eine Tischler aus Osnabrück, der nur für eine Küchentischplatte anreist – da liegen die Kosten bei rund 35 Euro pro Tag. Künstler*innen zahlen etwas weniger. Zudem bemüht sich das Maschinendorf um Kooperationen mit der Kommune und Stiftungen, damit Kunstschaffende die Werkstätten dauerhaft zu günstigen Konditionen nutzen können. Die meisten Nutzer*innen gehören dem Verein GarageLab an. Der Verein verbindet technikbegeisterte Menschen und fördert gemeinsames Gestalten. Für 19 Euro im Monat erhält man einen Schlüssel und damit uneingeschränkten Zugang zu den Werkstätten, die man als Vereinsmitglied für Hobbyprojekte nutzen kann.

Man sieht in die menschenleere Kantine, rechts und links grüne Bänke und Holztische, an den Wänden hängen Fotografien.

Den Verein GarageLab mit seinen Werkstätten gibt es schon länger, richtig?
Ja. Der Verein existiert seit 15 Jahren und ist in den vergangenen anderthalb Jahren, seit es das Maschinendorf gibt, von 300 auf 600 Mitglieder gewachsen.

Wie ist das Maschinendorf organisatorisch aufgebaut – von der Terminbuchung bis zum Ablauf vor Ort?
Das Team ist telefonisch und per E-Mail erreichbar und koordiniert die Terminvergabe. Für Bestandskund*innen gibt es ein Buchungssystem. Die Anlage umfasst 2.500 Quadratmeter – ausreichend Platz für verschiedenste Vorhaben.

Was motiviert dich persönlich, dieses Coworkingspace-Projekt zu betreiben?
Das Schönste am Maschinendorf ist sein Charakter als eine Art Abenteuerspielplatz. Durch die Arbeit begegnet man vielen überraschenden, spannenden Menschen. Gleichzeitig steckt enorm viel Potenzial in diesem Ort. So könnten beispielsweise Migrant*innen, die bereits handwerkliches Know-how mitbringen, an den speziellen Maschinen geschult und anschließend an lokale Handwerksbetriebe vermittelt werden, die dringend Fachkräfte suchen.

Blick in die Holzwerkstatt.

Welche Maschinen oder Aktivitäten sind bei den Gästen am beliebtesten – und warum?
Besonders gefragt ist die Keramikwerkstatt. Fast jedes zweite Mitglied des GarageLab hat großes Interesse daran. Vieles funktioniert dabei über Selbstorganisation: Einmal im Monat finden etwa Werkstatttage statt, an denen 20 bis 25 Personen ihre Werkstätten gemeinsam auf Vordermann bringen. Auch 3D-Druck wird immer beliebter. Und im Siebdruckbereich ist die Nachfrage so stark, dass wir sie zunächst unterschätzt haben – offenbar ein Angebot, das man nicht überall findet. Das Festangebot wächst kontinuierlich. Neu hinzu kommt zum Beispiel Rahmenbau für Künstler*innen, in Zusammenarbeit mit einem Tischlermeister.

Was kostet ein Kurs?
Für Vereinsmitglieder sind die Kurse des Vereins überwiegend kostenlos. Nichtmitglieder können andere Inhalte und Programme buchen, und zahlen dann zwischen 60 und 180 Euro – für Workshops mit einer Dauer von drei bis acht Stunden.

Wie ist das Maschinendorf organisiert?
Die Maschinendorf gGmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft und mietet und vermarktet die Werkstattflächen. Der Verein GarageLab ist einer der Mieter. Eine weitere Mieterin ist die bekannte Immobilien- und Architekturfirma Küss den Frosch. Sie unterstützte das Projekt maßgeblich beim Start, nutzt mit einem Team die Werkstatt und verfügt im zweiten Untergeschoss über einen eigenen 400 Quadratmeter großen Lagerraum. Dort lagert und nutzt sie den umfangreichen Fundus der ehemaligen Schreinerei. Ohne den Kauf dieses Inventars wäre der Mietvertrag nicht zustande gekommen – ein entscheidender, mutiger Schritt.

Eine Reihe Spinde, die alle Beige sind.

Welche Vision gibt es für die Zukunft des Maschinendorfes?
Die Lage mitten in Flingern bietet großes Potenzial. Die Werkstätten wachsen nach und nach weiter, und das Team sucht aktiv Partner*innen für Kooperationen, neue Formate und auch für die nachhaltige Renovierung und Weiterentwicklung der Immobilie. Während andere Makerspaces oft an Universitäten oder Unternehmen angebunden sind, könnte das Maschinendorf zu einem Ort für die gesamte Stadtgesellschaft werden. Kürzlich trafen sich bei uns zum Beispiel die Architects for Future zur landesweiten Vernetzung. Die Stadt braucht solche Orte – besonders in Zeiten, in denen sich durch KI die Arbeitswelt rasant verändert. Umso wichtiger kann ein Ort werden, an dem Selbstwirksamkeit spürbar ist. Viele Eltern kommen mit ihren Kindern im Teenageralter vorbei und fragen nach Holz- oder 3D-Druck-Workshops. Diese jungen Zielgruppen sollen künftig stärker angesprochen werden. Denkbar ist, das Maschinendorf gemeinsam mit Partner*innen zu einem Ort auszubauen, an dem auch junge Menschen niedrigschwellig Zugang zu Technik erhalten. CNC-Fräsen, Lasercutter, Schweißgeräte – alles steht bereit. Der Leitgedanke lautet: Bitte anmelden, und du kannst loslegen!

Gibt es auch ein konkretes Ziel?
Das kurzfristige Ziel ist ambitioniert und augenzwinkernd formuliert: Das Maschinendorf möchte so viele Kund*innen gewinnen, wie die CDU Düsseldorf Mitglieder hat – rund 5.000. Daran arbeiten wir derzeit mit Hochdruck.

Man sieht ein Fahrrad von der Decke hängen, das in einem Rahmen steckt. Unten im Rahmen steht: Hol die Schätze aus dem Keller und mach was draus!
Info

Wo liegt das Maschinendorf?
Der Coworkingspace Maschinendorf liegt im Hinterhof der Birkenstraße 23 in den weitläufigen Räumlichkeiten der ehemaligen Schreinerei Otto Kunze. Es wird nicht mehr wie in früheren Dekaden nur gesägt, geschweißt, gehobelt und geschraubt, sondern auch getöpfert, gemalt, genäht, gebrannt und gedruckt was das Zeug hält.
Wie kam das Projekt zustande?
Das außergewöhnliche Projekt kam nach der Schließung des ursprünglichen Betriebs zustande. Der Coworkingspace Super7000 und der Verein GarageLab suchte neue Räumlichkeiten, in dem sich die kreativen und handwerksaffinen Mitglieder weiterhin treffen konnten. Das Architekturbüro Küss den Frosch war an einer Werkstatt und am Fundus der Schreinerei interessiert. Man tat sich zusammen, um die Schreinerei anmieten zu können.

Weitere Informationen findet ihr unter maschinendorf.de.

Text: Ilona Marx
Fotos: Kenny Tran / Visit Düsseldorf

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