
Schifffahrtmuseum Düsseldorf – Ein Interview mit Markus Todoric
„Ich habe schon während meines Studiums im Schifffahrtmuseum Düsseldorf gearbeitet.“
Das Schifffahrtmuseum Düsseldorf liegt mitten in der Altstadt am Burgplatz. Im obersten Stock des Schlossturms befindet sich das Café, wo wir Markus Todoric getroffen haben. Von dem Café aus überblickt man den Rhein, schaut den vorbeiziehenden Schiffen hinterher und sieht das charakteristische Rheinknie. Es ist mit seiner 90-Grad-Kurve die stärkste Biegung im gesamten Rheinverlauf. Der Ausblick ist spektakulär. Markus Todoric ist seit Juli 2025 Leiter im Schifffahrtmuseum Düsseldorf. Er hat mit uns über die Geschichte der Rheinschifffahrt, seine Lieblingsorte und außergewöhnliche Ausstellungsstücke gesprochen.

Herr Todoric, wir befinden uns oben im alten Schlossturm und genießen den Ausblick auf den Rhein. Was macht den Charme dieses Ortes aus?
Man findet beim Blick aus dem Fenster fast alle Themen aus der Ausstellung wieder: die Brücken, die Schifffahrt, die Hafenanlagen, den Pegelstand des Rheins, Hoch- sowie Niedrigwasser. Von hier oben erkennt man auch die Stadtentwicklung rund um die Altstadt. Außerdem ist das Café einfach ein guter Ort und für alle Besucher*innen offen – ohne Verzehrzwang. Man befindet sich knapp über den Dächern der Altstadt, mittendrin und trotzdem etwas erhaben. Eine tolle Atmosphäre!
Die Boot startet am Wochenende und wird viele Wassersportler*innen nach Düsseldorf bringen. Ist das Museum auf der Boot vertreten?
Wir sind mit Exponaten am Stand der Deutschen Gesellschaft für Schifffahrt und Marinegeschichte vertreten. Ich halte auf dem Classic Forum zwei Vorträge zur Binnenschifffahrt. Das ist ein Thema, das auf der Messe nicht häufig vorkommt. Wir machen Botschaftsarbeit für die historische und aktuelle Binnenschifffahrt.

Sie sind als gebürtiger Düsseldorfer mit dem Rhein aufgewachsen. Wie sind Sie zur Rheinschifffahrt gekommen?
Ich habe Geschichte und Germanistik in Düsseldorf studiert und schon während meines Studiums im Schifffahrtmuseum gearbeitet. Nach Führungen, studentischer Hilfskraft und Volontariat bin ich in diesem Haus geblieben. So beschäftigte ich mich früh mit Wirtschafts-, Regionalgeschichte und der Geschichte der Rheinschifffahrt und habe letztlich zur Rheinschifffahrt promoviert.
Was war das Thema Ihrer Promotion?
Meine Promotion behandelt Nachen auf dem Rhein, Nachen sind einfache Holzboote. Anlass war der Fund eines 17 Meter langen Nachens im Jahr 2009 in Kaiserswerth. Ich untersuchte die wirtschaftliche Bedeutung dieser Boote. Der Personenverkehr lief jahrhundertelang fast ausschließlich über diese offenen Boote, auch ein großer Teil des Warenverkehrs.


Modell eines Floßes in holländischer Bauart wie im 18. bis 19. Jahrhundert üblich. (Foto: Petra Warrass)
Was fasziniert Sie so an der Rheinschifffahrt?
Verkehr ist nicht nur aus wirtschaftshistorischer, sondern auch aus sozialhistorischer Sicht das, was Menschen verbunden hat. Der Rhein mit seinen Nebenflüssen bietet seit Jahrhunderten eines der am besten ausgefeilten Verkehrssysteme in Europa. Über einen langen Zeitraum diente der Rhein als Transportweg, um Material wie auch Informationen über die Alpen in Richtung Mittelmeer zu bringen.
Besonders spannend finde ich, dass in früheren Zeiten Informationen genauso schnell vorankamen wie Menschen. Dementsprechend waren Reiserouten gleichzeitig Kommunikationsrouten. Flüsse und Meere sind geografisch und politisch oftmals Trennlinien und Grenzen, aber eigentlich haben insbesondere Flüsse etwas Verbindendes. Sie verbinden Kulturlandschaften, Menschen und Kulturen miteinander. Das kann man bis zum heutigen Tag im Rheinland beobachten und nachhalten, denn diese offene rheinische Art ist nicht zuletzt dadurch entstanden, dass Einflüsse aus der ganzen Welt über den Rhein in der Region ankommen sind. Das finde ich faszinierend.

Modell der Staatenyacht von Jan Wellem. Die Bauart stammt circa aus 1711. (Foto: Petra Warrass)
Sie kennen das Haus seit langer Zeit. Was ist Ihr liebstes Ausstellungsstück?
Sich als Museumsmensch auf ein Stück beschränken zu müssen, ist fast gemein! Im Keller ist zum einen das Modell eines Floßes, das in eindrucksvoller Weise den Warentransport zeigt. Dieses Floß war mehrere Hundert Meter lang. Diese Dimensionen kann mach sich heute kaum noch vorstellen. Darüber hinaus ist die Leibyacht von Jan Wellem für mich ein sehr spannendes Exponat. Sie verbindet unseren Ausstellungsort, den Schlossturm, mit seinem ehemaligen Bewohner und der Rheinschifffahrt. Jan Wellem hatte mehrere solcher Staatenyachten nach niederländischem Vorbild. Er bekam sogar ein Werftmodell, um sich die Yacht anzuschauen. Dieses Modell ist im Amsterdamer Schifffahrtmuseum zu sehen und unser Modell ist diesem Vorbild nachgebaut. Es ist unser größtes Schiffsmodell und kombiniert die Geschichte des Rheins und der fürstlichen Reise mit dem Schloss und Düsseldorf. Als Kurfürst fuhr Jan Wellem damit zur Kaiserwahl nach Frankfurt. Aber es wurden auch Feste vor der Schlosskulisse auf dem Rhein auf der Yacht gefeiert.

Vitrine mit Modellen aus 8.000 Jahren Rheinschifffahrt. (Foto: Thomas Belz)
Welche Orte in Düsseldorf zeigen Sie Besuch besonders gerne?
Neben unserem Museum zeige ich gerne das Schloss Benrath mit seiner wunderbaren Anlage mit Park und nah am Rhein. Der Aquazoo ist seit meiner Kindheit ein Favorit und nicht umsonst eines der beliebtesten Museen Düsseldorfs. Die Immermannstraße und Little Tokyo finde ich für Auswärtige besonders sehenswert. Düsseldorf hat einfach viele spannende Ecken.
Wo gehen sie gerne zum Essen hin?
Ich bin gebürtiger Oberbilker und wohne nach wie vor dort. Es ist ein multikulturelles Viertel, in dem es viel zu entdecken gibt. Für eine Mahlzeit zwischendurch kann ich Marny‘s Grünzeug, ein veganes Café an der Kruppstraße, wirklich empfehlen. Abends gehe ich gerne ins Gourmet Haus, einem kleinen chinesischen Restaurant an der Kölner Straße. Oder zu Byblos, einem libanesischen Restaurant an der Markenstraße.
Sie sind seit Juli 2024 Leiter des Schifffahrtmuseum Düsseldorf. Welche Ziele haben Sie für das Museum?
Ich habe den großen Vorteil, dass ich als stellvertretender Leiter bereits in den letzten Jahren in Entscheidungsprozesse eingebunden war. Die ehemalige Leiterin, Frau Dr. Fimpeler, hat mir ein sehr gut funktionierendes Haus und Team hinterlassen. Sie hat das Schifffahrtmuseum Düsseldorf 40 Jahre geführt. Wir möchten derzeit die Barrierefreiheit weiterausbauen. Das ist ein großes Themenfeld – und in einem historischen, denkmalgeschützten Turm nicht leicht. Der Schlossturm und somit das Schifffahrtmuseum ist ein Wahrzeichen der Stadt und uns liegt daran ein Museum für alle zu sein.

Das Schifffahrtmuseum Düsseldorf genießt trotz des Nischenthemas großen Zuspruch. Woran liegt das?
Es ist uns sehr wichtig, Kulturangebote für alle zu schaffen. Auch und gerade junge Besucher*innen sollen merken, dass Museen und Kultur Spaß machen. Wir haben sehr viele Veranstaltungen mit Kindern, Führungen mit Kitas und Schulen, aber auch Kindergeburtstage. Das sind Freizeitveranstaltungen, die nicht in einem kulturellen Kontext stattfinden müssen. Wir haben Familien, die mit mehreren Kindern, manchmal sogar mehrfach mit demselben Kind im Schifffahrtsmuseum Düsseldorf Kindergeburtstage gefeiert haben. Das kommt sehr gut an und hinterlässt eine positive Grundeinstellung zu Museen und Kultur, von der wir gesamtgesellschaftlich profitieren. Es ist heutzutage wichtiger denn je, dass wir breit gefächerte, diverse Kulturangebote im Programm haben und vielen Menschen zeigen, dass sie Teil der Kulturlandschaft sind. Sie sollen sich aktiv beteiligen, damit wir wieder in ein ‚Wir-Denken‘ finden. Das ist auch für demokratische Prozesse entscheidend.
Info
Wo finde ich auf der Boot die Exponate des Schifffahrtmuseum Düsseldorf?
Die Deutsche Gesellschaft für Schifffahrts- und Marinegeschichte e.V. findet ihr in Halle 14, Stand H18. Dort sind einige Exponate aus dem Schifffahrtmuseum Düsseldorf zu sehen. Das Classic Forum befindet sich gleich daneben. Markus Todoric hält im Classic Forum zwei Vorträge zur Binnenschifffahrt.
Weitere Informationen unter Boot – Classic Forum.
Text: Clemens Henle
Aufmacherfoto: Visit Düsseldorf / Eugen Shkolnikov
Weitere Fotos: Schifffahrtmuseum Düsseldorf (s. Credit) & Visit Düsseldorf



