
Cheers! Vor Ort in der Holy Craft Beer Bar mit Sebastian Knepper
Holy Craft Beer Bar – Ein Hot Spot für Bier aus aller Welt
Die Holy Craft Beer Bar in der Altstadt ist ein kleines El Dorado für alle, die jenseits des deutschen Reinheitsgebots Biergenuss suchen. Umso erstaunlicher, dass Mitinhaber Sebastian Knepper ursprünglich überzeugter Weintrinker war – bis er sich auf einer Westküstentour in den USA in eine Craft Beer Bar verirrte. Ein ausgiebiges Tasting erweckte seine Leidenschaft für die Produkte und Konzepte kleiner Hausbrauereien. Zurück in Deutschland tat er sich mit seinem Freund Thorsten Kulmann zusammen. Die beiden gelernten Gastronomen gründeten Holy Craft, Düsseldorfs ersten Craftbeer-Store, und feierten im letzten Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Was hinter dem Konzept der Holy Craft Beer Bar steht und warum Craftbeer mindestens so faszinierend ist wie guter Wein, haben wir von Sebastian Knepper erfahren.

Treffpunkt Holy Craft Beer Bar: Es ist ein ruhiger Donnerstagvormittag in der Altstadt, als uns Sebastian Knepper, einer der Gründer und Geschäftsführer von Holy Craft, über einen Seiteneingang in seine Bar einlässt. Die Fassade des Hauses in der Liefergasse nahe der Düssel verspricht einen wunderschön sanierten Altbau. Tatsächlich empfängt uns innen ein modernes, liebevoll kuratiertes Interieur, in dem helles Holz mit Vintage-Möbeln im Shabby Chic kombiniert wurde. Über der Bar ist eine Weltkarte angebracht, die mit zahlreichen Stecknadelfähnchen auf allen Kontinenten markiert ist. Die Fähnchen zeigen, woher das internationale Publikum stammt, das bei Holy Craft häufig zu Gast ist. „Wenn wir bemerken, dass einer unserer Gäste einen Wohnort hat, der ein bisschen weiter von Düsseldorf entfernt ist, bitten wir die Person, ihn auf der Karte zu markieren“, erklärt Sebastian.

Gegründet hat er das Holy Craft im Jahr 2015 zusammen mit seinem Freund Thomas Kulmann. Die beiden hatten vor vielen Jahren im gleichen Gastronomieunternehmen gearbeitet, in dem Sebastian bereits seine Ausbildung zum Systemgastronomen absolvierte, verloren sich aber anschließend zeitweise aus den Augen. „Als wir uns wiedertrafen, war ich im Umbruch, hatte eine Beziehung beendet und gerade keinen Job. Witzigerweise ging es Thorsten seinerzeit genauso – und so beschlossen wir kurzerhand, uns zusammen selbstständig zu machen.“ Die Geschäftsidee hatte Sebastian aus seinem letzten USA-Urlaub mitgebracht. „Eigentlich wollte ich die klassischen Weinanbaugebiete im Sonoma Valley besuchen, die Weingüter waren aber weniger attraktiv als gedacht. Stattdessen fand ich eine Craft Beer Bar, in der ich vor 25 Zapfhähnen stand.“ Er verbrachte einen ganzen Abend damit, sich durch alle Bierstile der Welt zu trinken. „Danach war ich total angefixt von dem Thema, das in Deutschland seinerzeit noch wenig bekannt war. Thorsten war relativ kurz vor mir in den Staaten gewesen und hatte dort auch Craftbeer kennengelernt. Uns war klar, dass wir das Konzept Craft Beer Bar nach Deutschland bringen wollten.“

Die beiden suchten also ein Ladenlokal sowie internationale Brauereien und Importeure und eröffneten den ersten Holy Craft-Store an der Friedrichsstraße nahe dem Kirchplatz. Und wie war die Resonanz auf den Store? „Deutsches Bier steht zwar für Qualität und Vielfalt, hierzulande sind aber viele auf ihren regionalen Bierstil fixiert und daher wenig offen für Neues. Die Amerikaner*innen sind komplett anders. Während der Prohibition Anfang des 20. Jahrhunderts schlossen viele große Brauereien. Anschließend fing man in den USA an, im kleinen Rahmen wieder Bier zu brauen. Bis heute gibt es neben den zwei, drei großen Brauereien, viele kleine, unabhängige Brauereien, die sehr kreativ arbeiten“, so Sebastian.

Auch wenn der Laden an der Friedrichstraße für Sebastian und Thorsten die Möglichkeit eröffnete, ihre Marke Holy Craft zu entwickeln, war er von Anfang an nur als Übergang geplant und die Suche nach einer passenden Location für eine Bar ging weiter – bis man in der Altstadt fündig wurde. Die heutige Holy Craft Beer Bar, in dem früher die Düsseldorfer Traditionskneipe Pille residierte, eröffnete im Jahr 2017 und ist vor allem Gastronomie; Craftbeer-Fans können aber auch Sixpacks für zuhause kaufen. Neben zwölf ständig wechselnden Fassbieren gibt es über 60 Dosen- und Flaschenbiere im Sortiment. Eine kompetente Beratung gehört dementsprechend zum Service.

Diese Biere kommen aus kleinen, handwerklichen Brauereien, die vor allem in den USA, Skandinavien, Belgien oder den Niederlanden sitzen. „Wir haben aber auch abgefahrene Biere aus der ganzen Welt und Craftbeer fernab der großen ‚0815‘-Brauereien“, so Sebastian. Dass die ausgeschenkten Sorten ständig wechseln, liegt an der enormen Kreativität der Craftbeer-Brauereien. „Die meisten haben lediglich zwei oder drei feste Biere im Programm. Hingegen wird 80 Prozent der Produktion nach dem Abverkauf nicht noch einmal gebraut. Dabei sind es nur wenige Zutaten, die variieren: die Härte des Wassers, die Art des Hopfens, der Hefe und des Malzes, was unfassbar viele Konstellationen ermöglicht. Das Natürlichkeitsgebot ist für die Craftbeer-Bewegung bei aller Kreativität ein wichtiges Kriterium.“

Auf der Suche nach passenden Lieferanten und Brauereien fährt Sebastian oft in die Niederlande, wo es Unternehmen gibt, die Bier aus der ganzen Welt importieren. Fündig wird er aber auch in einer Bier-App, in der kleine, internationale Brauereien ihre Produkte anbieten. „Manchmal ist das ein Blindkauf, bei dem man sich auf Bewertungen und Kommentare der anderen User*innen verlassen muss. Unsere Gäste erwarten ein ständig wachsendes Sortiment, daher müssen wir beim Einkauf auch schon mal etwas riskieren“, lacht Sebastian.


Die Gäste der Craft Beer Bar sind im Durchschnitt zwischen 30 und 51 Jahre alt, ein Drittel davon sind Frauen, aber alle sind sehr experimentierfreudig. Dementsprechend bietet man in der Liefergasse alle Sorten auch in 0,1-Gläsern an, um das Risiko zu minimieren, dass eine Bestellung nicht dem eigenen Geschmack entspricht. „Obwohl es dieses Risiko bei unseren Gästen eigentlich nicht gibt. Je ungewöhnlicher die Biere, umso besser“, erklärt Sebastian. So gab es bei Holy Craft auch Craftbeer, das mit Fruchtpüree oder Milchzucker und -säurebakterien versetzt war, ein Slush Beer der Brauerei Omnipollo aus Schweden, das im Sommer reißenden Absatz fand, aber auch Biersorten aus spannenden Kollaborationen wie zwischen der Traditionsbrauerei Uerige und dem dänischen Craftbeer-Experten Mikkel Borg Bergsjø, die das Bier Gnavne Gamle Men herausgebracht haben. Der Name bedeutet so viel wie „griesgrämiger alter Mann“, eventuell eine Anspielung auf die Köbesse im Uerige. Neben all diesen wilden Bierkreationen schenkt man in der Holy Craft Beer Bar auch Altbier und Helles aus. „Wir sind zwar sehr spitz in unserem Sortiment, aber auch Normaltrinker bekommen bei uns ein Bier.“

Das Konzept wissen die Gäste offenbar zu schätzen. Sebastian und Thorsten haben inzwischen neun Mitarbeitende, von der studentischen Aushilfe bis zur Vollzeitkraft. Und das in Zeiten, in denen der Bierkonsum zurückgeht, weshalb sich die Düsseldorfer Traditionsbrauereien vermehrt öffnen und in den letzten Jahren mehr auf Innovationen setzen. Eine direkte Konkurrenz mit ihnen sieht Sebastian nicht. „Wir ziehen ein sehr spezielles, überregionales und internationales Publikum an, das ganz gezielt zu uns kommt.“ Holy Craft ist daher auch Teil einer Stadtführung von Visit Düsseldorf (siehe unten). „Bei uns gibt es eine kurze Einführung zu den verschiedenen Bierstilen, man kann unterschiedliche Sorten probieren und bekommt eine Art Schulung in Sensorik: Wir zeigen nämlich, wie sich die Beschaffenheit eines Glases auf den Geschmack von und seine Aromen auswirkt“, erklärt Sebastian. Ähnlich laufen die angebotenen Tasting Events ab, die stattfinden. Wer spontan Lust auf ein Tasting hat, dem seien die kuratiereten Tasting-Flights mit fünf Biersorten empfohlen.

Führung
Düsseldorfs Altbier- & Craftbeer-Tour
Düsseldorfer Altbier hat Craftbeer in seiner DNA. Wir bringen dich backstage, zeigen dir die Zutaten und stellen echte Bierexpert*innen vor – ein hopfiger Blick hinter die Kulissen. On top servieren wir Streetfood von dem legendären Altstadt-Imbiss Ham Ham.
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Nach zehn Jahren Holy Craft ziehen Sebastian und Thorsten ein positives Resümee ziehen. Obwohl die letzten Jahre sehr bewegt waren. Im Jahr 2020 eröffneten die beiden einen Standort in Essen, den sie im letzten November schließen mussten. Den Store an der Friedrichstraße gibt es bereits seit Ende 2023 nicht mehr. Die Gründe, sich zu verkleinern, waren vor allem persönlich. „Wir haben zu viel gearbeitet. Die Zeit während Corona war sehr herausfordernd und irgendwann hatten wir das Gefühl, mehr Zeit für uns und für die Familie zu brauchen.“ Langsam kommt Sebastian wieder zur Ruhe, dabei helfen ihm ausgiebige Spaziergänge mit seinem Hund am Rhein.

Auf die anstehenden Karnevalstage schaut er gelassen – die Holy Craft Beer Bar läge außerhalb des Radius, in dem hart gefeiert werde, daher verirrten sich nur selten Karnevalist*innen in die Bar. Man könne während der tollen Tage bei Holy Craft sogar in Ruhe ein Bier genießen. Ganz im Gegensatz zum Sommer, in dem man in der Liefergasse einen Biergarten mit bis zu 200 Plätzen zu bieten hat. Egal zu welcher Jahreszeit: Ein Besuch im Holy Craft sollten alle Bierliebhaberinnen auf einer Altstadt-Tour auf dem Zettel haben.
Text: Katja Vaders
Fotos: Eugen Shkolnikov



