Man sieht einen Bungalow-artigen Bau mit bodentiefen Fenstern. Es ist eine Galerie der Düsseldorfer Kunstszene: The Pool

6 Off-Spaces der Düsseldorfer Kunstszene

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Die Düsseldorfer Kunstszene abseits der großen Museen

Die Off-Spaces der Düsseldorfer Kunstszene zeigen, wie vielfältig, kreativ und lebendig sie ist. Hinterhöfe, Pools, Garagen und Schaufenstervitrinen dienen als Ausstellungsräume. Denn auch außerhalb der großen Museen, etablierten Galerien und bedeutenden Sammlungen ist Kunst in der ganzen Stadt erlebbar. Was Piz Palü, Verbotene Liebe und James Joyce mit den Off-Spaces zu haben, haben wir für euch herausgefunden.

Links: Schneemann von Lilla von Puttkamer
Rechts: Piz Palü Schaufenster mit der Ausstellung Altopiano von Vera Lossau & Lilla von Puttkamer

Piz Palü

Ein sagenumwobener Berg im Engadin ist Namensgeber dieses Kunstraums: der Piz Palü. Das Schaufenster an der Ackerstraße 124 gibt tagein tagaus einen Einblick in die Ausstellung. Passant*innen bleiben stehen, bestaunen kinetische Skulpturen, die monumentalen Flanken des gemalten Piz Palü oder durchstochene Pflanzenbilder, die wie domestizierte Naturansichten wirken. Im Inneren befindet sich ein kleiner Ausstellungsraum, der angenehm weit vom klassischen White Cube entfernt ist – nicht zuletzt liegt das an dem hochflorigen Teppich und den warmen, erdigen Orangetönen des Raums. Kuratiert wird Piz Palü von der ehemaligen Schauspielerin Jeannine Burch, die Anfang der Nuller Jahre als Beatrice von Beyenbach im deutschen Soap-Klassiker Verbotene Liebe mitspielte. Jeannine Burch begleitet die Düsseldorfer Kunstszene seit mehr als 20 Jahren. Dementsprechend sind Ausstellungen kuratiert. Mit Katja Tönnissen, Alexander Föllenz, Silke Albrecht oder Till Bödecker zeigt Piz Palü junge und aufstrebende Künstlerinnen aus dem Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie.

Weitere Informationen unter tigerundburch.de.

Man sieht eine große Vitrine, in der Kunstwerke hängen.

Arbeit von Emmélie Lempert

Nexus (Nails Projectroom e.V.)

Rund um die Uhr ist die große Schauvitrine an der Birkenstraße 44 zugänglich. Gegenüber der Sammlung Philara hat Nexus die Nachfolge des beliebten Nails Projectroom übernommen. Der Fokus des von der Kunsthistorikerin Maren Knapp Voith initiierten Off-Space hat sich nicht grundlegend geändert und auch die Organisation Nail Projectroom e.V. bleibt bestehen. Das Schaufenster bietet Absolvent*innen deutscher Kunsthochschulen die Möglichkeit, ihre Arbeiten in einem jungen, urbanen Umfeld zu präsentieren. Die Nähe zu etablierten Galerien der Düsseldorfer Kunstszene gewährleistet Präsenz und Sichtbarkeit in der Düsseldorfer Kunstszene. Doch nicht nur die Künstler*innen können dank Nexus erste Erfahrungen machen, auch junge Kunsthistoriker*innen der Heinrich-Heine-Universität werden in die Kuratierung der Ausstellungen eingebunden. So trifft junger Elan auf ein etabliertes Umfeld.

nails-room.com

Schwarzweiß Foto eines Off-Spaces der Düsseldorfer Kunstszene. Man sieht einen großen Raum, im Hintergrund ein hohes Regal voller Bücher, davor Menschen die lesen, Musik hören und sich unterhalten.
About Repetition e.V.

Im Hinterhof der Ackerstraße 33 befindet sich ein Ort, dessen Aktionen und Projekte sich allen Schubladen verweigern. Es verschmelzen Klangkunst, Bibliothek, bildende Kunst und Musik von Ambient bis Techno zu einer einzigartigen Melange. Der Kunstverein About Repetition erkundet die Wiederholung als künstlerische Ressource und positioniert sich als Knotenpunkt zwischen Post-Club, elektronischer Avantgarde und Architektur. Der 2022 gegründete Verein verbindet lokale Verwurzelung mit internationalem Austausch. Die Formate reichen von Listening Café über Podcast bis hin zu Live-Performances. Exemplar X ist eine Reihe für Artist Books und Electronic Music. Die Reihe About Modular bietet Live Performances. Wichtige Kooperationen gibt es mit der Stiftung IMAI im Rahmen des Approximation Festival sowie dem Salon des Amateurs, wo About Repetition die Reihe PRAES veranstaltet. 2026 erscheint auf dem vereinseigenen Label das audiovisuelle Projekt exc.directory sowie mehrere Solo-Alben. Stay tuned!

about-repetition.com

The Pool

Hinter dem Golzheimer Terrassenhaus an der Tersteegenstraße 63 führt eine Treppe hinunter in einen außergewöhnlichen Raum. Denn der Name The Pool ist wörtlich zu nehmen, war der Raum doch ehemals das Schwimmbad im dem 1962 von Paul Schneider-Esleben* entworfenen Gebäude. Die Galerie liegt vollständig unterirdisch und wird durch kugelförmige Lichtschächte beleuchtet. Betrieben wird der Raum vom gemeinnützigen Verein The Pool, dessen Macher*innen seit Mitte 2021 Ausstellungen und weitere kulturelle Events veranstalten. Der Name der Galerie bezeichnet aber nicht nur die Räumlichkeiten, sondern versteht sich als zentrales Prinzip: als Pool von Ideen, Künstler*innen, Besucher*innen, Strömungen und Impulsen. So werden Querverbindungen geschaffen und experimentellen, interdisziplinären Ideen Raum gegeben.

the-pool.space

Thomas Schütte – Garage

Der Ausstellungsraum Garage ist einem Zufall geschuldet: Thomas Schütte verpasste seine Bahn, nutzte seine Wartezeit und entdeckte im Hinterhof der Hüttenstraße 90 eine Garage, in der 2025 die erste Ausstellung stattfand. Einmal mehr unterstrich Thomas Schütte seine Heimatverbundenheit. Bereits 2016 hatte Schüttes Stiftung eine Skulpturenhalle in Neuss zwischen der Raketenstation und der Insel Hombroich eröffnet. Nun folgt mit der Garage ein Raum mitten in Düsseldorf. Schüttes Engagement ist umso bemerkenswerter, weil er einer der echten Weltstars der Düsseldorfer Kunstszene ist. Bereits 2005 wurde er mit dem Goldenen Löwen der Biennale in Venedig ausgezeichnet, zu seinem 70. Geburtstag folgte ein weiterer Ritterschlag mit einer Retrospektive im New Yorker MoMA. In der Garage möchte Thomas Schütte Künstler*innen zeigen, die er gut findet und deren Werk mehr Aufmerksamkeit erhalten soll. Nachdem zum Auftakt der 81-jährige Gino Bühlers seine Pflanzenfotos zeigte, stellt nur bis zum 9. August Anna Zimmermann keramische Plastiken aus.

Weitere Informationen bei Instagram unter skulpturenhalle_neuss.

Installationsansicht: Waiting words (2025), eine Ausstellung von und mit Kay Rosen, Elsa Werth & Voebe de Gruyter 2025 (Foto: Tobias Brembeck)

Bloom

Eine steile Rampe führt hinunter in den Ausstellungsraum Bloom. Die ehemalige Tiefgarage liegt an der Birkenstraße 56 zwischen Galerien, einem Sonnenstudio und einer türkischen Bäckerei. 2020 wurde der Off-Space von der Kuratorin Jisue Byun gegründet. Der Galeriename ist Leopold Bloom, dem Protagonisten aus Ulysses von James Joyce entliehen. In den vergangenen sechs Jahren hat sich Byun mit Bloom in der Düsseldorfer Kunstszene etabliert. Abgesehen von der roughen Location und den reizvollen Präsentationen können Kunstinteressierte für kleines Geld, Sondereditionen und Arbeiten erwerben. Zu den ausgestellten Künstler*innen gehören neben vielen Absolvent*innen der Kunstakademie oder jungen Künstler*innen aus den Benelux-Ländern auch Arbeiten von Katharina Fritsch oder Lawrence Weiner.

bloomduesseldorf.de

Kann man die Off-Spaces der Düsseldorfer Kunstszene einfach besuchen?

Im Prinzip schon, allerdings haben die Off-Spaces sehr unterschiedliche Öffnungszeiten. Daher empfehlen wir, dass ihr euch vorab informiert. Einige Off-Spaces bieten Newsletter an, so bleibt man auf dem Laufenden. Die Schauvitrine von Nexus kann man jederzeit anschauen, wie es auch im Text steht.

*) Wer ist Paul Schneider-Esleben?

Paul Schneider-Esleben ist ein Düsseldorfer Architekt. Das Mannesmann-Hochhaus von 1954 stammt aus seiner Feder. Auch die Haniel-Garage stammt von ihm. Sehr außergewöhnlich ist die Rochuskirche in Pempelfort, die Schneider-Esleben, nachdem diese im Krieg zerstört wurde, 1953 baute. Doch der Architekt ist nicht nur für sein eigenes Werk bekannt, sondern ist auch Vater von Florian Schneider-Esleben von Kraftwerk.

Text: Clemens Henle
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der Galerien.
Aufmacherfoto: The Pool

(Wir bemühen uns um Richtigkeit aller Angaben, können aber keine Gewähr übernehmen.)

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