Portrait von Alex Worgitzki, Macher von Lifeisaride, in seinem Nähzimmer.

Lifeisaride – Fahrradtaschen made in Düsseldorf

Made in Düsseldorf

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„Ich habe Mathematik studiert und unterrichte seit 2019. Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen, der Mathelehrer, der nachts bunte Fahrradtaschen für Lifeisaride näht.“

Lifeisaride, so heißt das Label von Alex Worgitzki. Gleichzeitig steht der Name für eine Lebenseinstellung und sein Faible für Fahrräder. Schon als Schüler war Alex immer mit dem Fahrrad unterwegs. Während seines Mathematikstudiums jobbte er nebenbei als Fahrradkurier bei Rotrunner und konnte dabei seiner Fahrradleidenschaft freien Lauf lassen. Mittlerweile unterrichtet er Mathematik in Teilzeit und widmet seine übrige Zeit seinem Label. Für Lifeisaride fertigt er in erster Linie Fahrradtaschen in verschiedener Größe und zu unterschiedlichen Zwecken. Wir haben ihn in seinem Nähzimmer besucht, wo Rennräder an der Wand hängen und sich in Regalen Stoffbahnen und Schnittmuster stapeln. Und haben mit ihm über Lifeisaride, schöne Ausfahrten um Düsseldorf herum und das Düsseldorfer Radrennen Rund um die Kö gesprochen.

Alex, wir sitzen in deinem Nähzimmer zwischen Stoffen und Rennrädern. Was machst du mit deinem Label Lifeisaride?
Ich mache am liebsten Bikepacking-Sachen: Lenkertaschen, Rahmentaschen auf Maß und kleine Satteltaschen fürs Rennrad, in die ein bisschen Werkzeug passt. Aber ich nähe auch große Satteltaschen, die man für Übernachtungen braucht. Hinzukommen Rucksäcke. Bei mir ist alles Custom-made. Das heißt, ich fertige nach den Wünschen meiner Kund*innen. Ich habe sogar Kund*innen, die nicht Rad fahren. Beispielsweise ist ein Anwalt ist über meine Marke gestolpert und hat sich einen Rucksack bestellt.

Wie ist Lifeisaride entstanden?
Die Idee kam 2013. Ich wollte mir etwas nähen und fing an Fahrradmützen zu machen. Gefühlt habe ich alle zwei, drei Tage eine weitere genäht, weil ich einen neuen Stoff oder ein spannendes Motiv hatte. Die Leute fanden das cool und haben nachgefragt. Irgendwann wollte ich konkret etwas fürs Fahrrad machen, also die Taschen. Daraus ist nach und nach eine richtige Marke geworden: Lifeisaride.

Man sieht längliche Fahrradtaschen, auf denen "lifeisaride" steht.

Wie bist du zum Nähen gekommen? Konntest du das bereits oder hast du dir das mit den ersten Mützen selbst beigebracht?
Ich habe es mir selbst beigebracht. Ich spreche gerne von ambitioniertem Basteln mit lustigem Marketing. Am Anfang waren die Sachen ein bisschen krumm und schief. Aber mit der Zeit wurde es besser. Ich habe als Kind schon viel gebastelt, das hat geholfen – und ein paar Videos, die ich mir angeschaut haben.

Was hast du damals hauptberuflich gemacht?
Ich habe Mathematik studiert und unterrichte seit 2019. Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen, der Mathelehrer, der nachts bunte Fahrradtaschen näht. Aber für mich ergänzt sich das gut. Ich habe eine Teilzeitstelle und kann mir die Zeit für die Taschen dementsprechend einteilen. Wenn ich ein Schnittmuster entwickle, geht es die ganze Zeit um Winkel und Maße, damit am Ende überhaupt etwas passt. Die Art zu denken und die Herangehensweise unterscheidet sich nicht so stark von der Mathematik.

Wie vertreibst du deine Produkte? Beschränkt sich der Verkauf auf Düsseldorf?
Vieles läuft über Instagram und wächst organisch. Jemand hat eine Tasche, ein Kumpel fragt danach und bestellt auch eine Tasche. Es gab schon eine Bestellung aus Taiwan und einmal sogar aus Kolumbien, das war am weitesten entfernt von Deutschland. Aber es wird auch regelmäßig aus den USA geordert. Handgemacht in Deutschland, das scheint etwas zu bedeuten. Wer von so weit her bestellt, bekommt von mir eine persönliche Nachricht, weil ich mich darüber wirklich freue.

Wann hat deine Leidenschaft für den Radsport begonnen?
Ich habe keinen Führerschein und habe in Düsseldorf immer alles mit dem Rad gemacht. Während meiner Studienzeit kam der Fixie-Hype*) dazu. 2012 oder 2013 habe ich mir mein erstes, richtiges Rennrad gekauft. Außerdem war ich eine Weile Fahrradkurier bei Rotrunner in Düsseldorf. In einer Achtstundenschicht kommen locker 80 bis 130 Kilometer zusammen. Danach kennt man die Stadt. Davon zehre ich nach wie vor. Wenn ich von einem zum anderen Punkt möchte, sehe ich sofort den schnellsten Weg.

Welche Rennradrunde empfiehlst du, insbesondere Ortsfremden?
Wer eine flache Strecke sucht, dem empfehle ich von Düsseldorf aus in Richtung Meerbusch und Mönchengladbach zu fahren und auf dem Rückweg die Strecke über Korschenbroich und Büttgen zurück. Da kommt man auf 60 bis 70 Kilometer, hat wenig Verkehr, wenig Ampeln und kann angenehm schnell fahren.

Und wo gehst du gerne hin, wenn du nicht auf dem Rad sitzt?
Ich koche gerne selbst und bin ein richtiger Abendbrotmensch. Brot kaufe ich am liebsten bei Hinkel oder der Bäckerei Bulle. In Sachen Rennrad ist Schicke Mütze meine Anlaufstelle. Im Hafen ist Boone Bikes einen Besuch wert.

lifeisaride.de

Info

*) Was ist ein Fixie Bike?
Der Begriff Fixie Bike stammt von Fixed Gear Bicycle. Kennzeichnend für ein Fixie sind vor allem zwei Eigenarten: Es hat keine Gangschaltung und die Hinterradnabe ist mit den Pedalen verbunden. Das bedeutet, man kann das Fahrrad nicht ausrollen lassen, weil sich die Pedale immerfort bewegen, während man fährt. Es gibt keinen Freilauf. Für längere und hügelige Strecken ist das Fixie Bike nicht empfehlenswert.

Interview: Clemens Henle
Fotos: Uwe Kraft

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