Der Designer Cornelius Ewest vom Modelabel Goutez im Portrait.

Goutez – Ein Gespräch mit Cornelius Ewest über das nachhaltige Modelabel

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„Wir greifen auf das zurück, was es schon gibt.“

Ein nachhaltiges Modelabel aus der Taufe zu heben, das beschlossen die zwei Brüder Cornelius und Florentin Ewest. Cornelius’ Modeerfahrung und das künstlerische Können von Florentin ergänzen sich geradezu kongenial, zum ähnlichen modischen Anspruch kommen hohe ethische Grundsätze hinzu – die Brüder sind auf einem Demeterhof, Gut Marienhof in Hattingen, aufgewachsen. Schon vor der Gründung ihres Labels Goutez im Jahr 2023 hatten Cornelius und Florentin erfolgreich zusammengearbeitet – etwa bei der Eröffnung der Café-Bar Velvet an der Stresemannstraße. Und auch der zweite Plan ging auf: Anstelle von Kollektionen lancieren die Ewest-Brüder für Goutez saisonunabhängige Drops, fertigen dafür genderübergreifende Hosen und Hemden aus sogenanntem Dead Stock, sprich: Produktionsüberhängen von hochwertigen Stoffen aus Deutschland, Österreich und Italien. Zwei Drops wurden schon lanciert, für den dritten wird mit einer verdoppelten Stückzahl geplant. Wir sprachen mit Cornelius Ewest über ihre Vision einer nachhaltigen Modemarke.

Von oben fotografiert, sieht man die Autorin und den Cornelius an einem langen Holztisch sitzen. Licht fällt durch ein großes Fenster und wirft Schatten auf den Boden.

Cornelius, du bist Inhaber der Café-Bar Velvet an der Stresemannstraße, dein Bruder Florentin hat in Kassel Kunst studiert. Was hat euch motiviert, darüber hinaus ein Modelabel zu gründen?
Ich komme selbst aus der Modebranche, habe eine Ausbildung im Bereich Bekleidungstechnik gemacht. Danach arbeitete ich im Vertrieb für verschiedene Marken und war viel unterwegs – für meinen Geschmack zu viel. Als sich dann die Möglichkeit ergab, übernahm ich die freie Gastronomie-fäche neben Beyond Studios an der Stresemannstraße und habe das Velvet eröffnet. Florentin und ich lernten im Laufe der Zeit zwei Aufkäufer von „Dead Stock“ kennen und waren sehr begeistert von der Idee, aus hochwertigen Produktionsüberhängen eine zeitgemäße und nachhaltige Kollektion zu entwickeln.

Was bedeutet für euch ein nachhaltiges Modelabel?
Nachhaltigkeit in unserem Sinne bedeutet, dass für uns keine Stoffe hergestellt werden. Wir greifen auf das zurück, was es schon gibt. Dann achten wir auf möglichst kurze Produktionswege. Die Hosen produzieren wir in Deutschland, eine halbe Autostunde von Düsseldorf entfernt. Die Hemden lassen wir in einer Manufaktur in Apulien nähen. Dort haben wir ein Unternehmen gefunden, das auf Maßhemden spezialisiert ist und fantastische Qualität liefert.

Wie würdest du den Look von eurem Modelabel beschreiben?
Zeitlos und elegant, aber auch cool und dandyhaft. Die Goutez-Kollektion funktioniert clean, kann aber auch mit Statement Pieces oder Lieblingsteilen gebrochen werden.

Man sieht links eine Kleiderstange voller Hemden von dem Modelabel Goutez.

Eure Teile sind durchnummeriert und werden in kleinen Auflagen produziert. Wie viele Teile sind das pro Stoff?
Wir haben mit einer Auflage von 15 Stück je Material bei unserem ersten Drop angefangen, dann aber sehr schnell gemerkt, dass es viel zu wenig war. Bei unserem nächsten, dem dritten Drop, möchten wir 50 Stück in verschiedenen Größen aus jedem Material fertigen lassen.

Ist Düsseldorf ein guter Standort für ein Modelabel?
Düsseldorf hat einen Ruf als Modestadt, daher schon. Und die Nähe zu den Modeschulen und Akademien spielt uns auch in die Karten, weil es hier junge und modeinteressierte Menschen gibt. Außerdem hilft es natürlich, dass wir mit Beyond Studios direkt neben dem Velvet eine Verkaufsstelle für Goutez haben.

Im Vordergrund die Kleiderstange mit Hemden, im Hintergrund unscharf Autorin und Designer.

Fotografiert ihr eure Teile in Düsseldorf?
Meistens ja. Ein Freund von uns hat ein Fotostudio in einem alten Henkel-Gebäude in Reisholz. Dort gibt es Räume mit so einem 90er-Jahre-Charme. Der Kontrast zur Mode hat uns sehr gut gefallen. Außerdem nutzen wir unser Studio am Fürstenplatz. Ardelle Schneider, eine Freundin von uns, war bisher für die Fotos und die Bildsprache verantwortlich.

Welche Dekaden inspirieren euch generell?
Die späten 1980er und die 1990er, als der Stil minimalistischer, schlichter und gerader wurde. Wenn wir etwas lauter und auffälliger sind, dann am ehesten über die Stoffe. Wir hatten zum Beispiel eine Ware mit einem Lurexfaden, die dezent geschimmert hat. Die war sofort ausverkauft.

Wohin gehst du aus, wenn du Freunde von auswärts zu Besuch hast?
Ich mag das Yabase und das Naniwa in Little Tokyo. Und das Sannin an der Kölner Straße. Außerdem gehe ich gerne in die Destille oder in die Brauerei Schumacher an der Oststraße. Anschließen in die Ellington Bar oder den Salon des Amateurs.

Und wohin zieht es euch, wenn ihr abschalten möchtet?
In den Volksgarten. Oder wir fahren zu unseren Eltern in die Elfringhauser Schweiz auf den Marienhof, wo wir aufgewachsen sind.

goutez.eu

Text: Ilona Marx
Fotos: Uwe Kraft

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