Man sieht eine Fahne, die in einer grünen Wiese steckt. Auf der Fahne steht Rock gegen Rechts.

Rock gegen Rechts – Umsonst & draußen im Volksgarten Düsseldorf

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„Die Musik ist ein gutes Mittel, um möglichst viele Menschen zusammenzubringen.“

Das Festival Rock gegen Rechts findet seit 2013 jedes Jahr im August auf der Ballonwiese im Düsseldorfer Volksgarten statt. Die Veranstalter*innen präsentieren lokale und überregional bekannte Bands und Musike*rinnen. Darüber hinaus haben Initiativen die Möglichkeit, ihr Engagement gegen Faschismus, Rassismus und rechte Strömungen vorzustellen. Wie es zu der Idee kam, Rock gegen Rechts in Düsseldorf ins Leben zu rufen und welche Highlights die Festivalbesucher*innen in diesem Jahr erwarten, erzählte uns Andy Wahl, einer der Organisator*innen.

Vorbild für Rock gegen Rechts, kurz: RGR, war das Festival Rock against Racism, das erstmalig im Jahr 1978 im Londoner Victoria Park stattfand und wo legendäre britische Bands wie The Clash oder die Buzzcocks auftraten. Die Organisator*innen reagierten seinerzeit auf die zunehmende rassistische Gewalt auf den Straßen Großbritanniens sowie das Erstarken der rechtsextremen Partei British National Front. Ein Jahr später, im Juni 1979, wurde das erste Rock gegen Rechts-Festival in Frankfurt am Main veranstaltet. Damit wollte man Flagge gegen die sogenannten „Deutschlandtreffen“ der NPD zeigen. In Frankfurt trat − neben vielen Bands der linken Szene − Udo Lindenberg auf. 1980 gab es eine zweite Auflage von RGR, im Anschluss fand das Festival nur noch sporadisch an verschiedenen Orten in Deutschland statt.

Im Jahr 2013 entschloss sich eine Gruppe aus dem Umfeld des VNN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes), sowie des Linken Zentrums, ein RGR-Festival in Düsseldorf zu organisieren, um dem Rechtsruck in Deutschland etwas entgegenzusetzen; inzwischen ist Rock gegen Rechts in der Landeshauptstadt zu einer alljährlich stattfindenden Institution geworden. Von den Veranstalter*innen des Debüts sei keiner mehr dabei, erzählt Andy Wahl, das Team habe sich inzwischen komplett erneuert. Er selbst ist seit 2015 Mitorganisator des Festivals. „Ich bin Musiker und mit ins Boot geholt worden, da ich gute Kontakte zu Musikerinnen und Agenturen habe. Das Ziel war, mit Rock gegen Rechts größer zu werden und neben Düsseldorfer Lokalmatadoren auch Bands von auswärts zu gewinnen, die überregional bekannt sind.“

Das aktuelle Festivalteam sei eine bunte Mischung aus Mitarbeitenden aus dem Zakk, Menschen aus der linken Szene und der Antifa. „Wir sind um die 15 Leute und divers gut besetzt: Frauen und Männer aus allen Altersgruppen, und alle leisten ihrenBeitrag. Der Jüngste ist Anfang 20 und kümmert sich um Social Media – ein Thema, das wir früher vernachlässigt haben. Jetzt sind wir froh, dass wir unser Festival auch bei Instagram und TikTok präsentieren können“, freut sich Andy. Das komplette Orga-Team und die meisten der Helfer*innen – ob für Auf- und Abbau oder an den Bier- und Kassenständen – arbeiten ehrenamtlich.

Sehr wichtig ist den Organisator*innen die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Initiativen und Institutionen von Amnesty International, Düsseldorf stellt sich quer und Stay! über die Grüne Jugend oder die Jusos bis zu Verdi und dem DGB, die am Veranstaltungstag mit Infoständen, Ausstellungen oder anderen Beiträgen vertreten sind. „Wir wollen das Festival nutzen, um Initiativen eine Plattform zu bieten, auch für einen Austausch und Diskussionen. Die Musik ist ein gutes Mittel, um möglichst viele Menschen zusammenzubringen. Uns ist zudem wichtig, uns zunehmend breiter aufzustellen, um auch die Mitte der Gesellschaft anzusprechen und sie für das Thema ‚gegen Rechts‘ zu sensibilisieren“, erklärt Andy.

Das RGR-Festival finanziert sich vor allem über Fördergelder, Spenden und den Getränkeverkauf. Kooperationspartner sind die Initiative Musik, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Landeshauptstadt Düsseldorf, aber auch Verdi, Die Linke und der DGB tragen zum Festival bei. „Wir freuen uns, wenn uns möglichst viele Menschen unterstützen. Das gesamte Festival ist für alle Besucher*innen kostenlos und wir möchten, dass das so bleibt. Unsere wichtigste Einnahmequelle ist der Getränkeverkauf – ohne den ginge es nicht“, erzählt Andy.

Rock gegen Rechts kooperiert zudem mit Veranstaltungshäusern wie dem Zakk und dem Tanzhaus NRW, die dem Festival kostenlos Technik zur Verfügung stellen. „Natürlich müssen wir trotzdem das eine oder andere mieten und benötigen mittlerweile eine große Bühne. Hier werden wir von den Unternehmen unterstützt, mit denen wir zusammenarbeiten, indem sie uns einen sehr guten Preis machen.“ Ähnlich laufe es mit den auftretenden Künstler*innen und den Techniker*innen vor Ort. „Wir wollen nicht, dass die Musiker*innen umsonst spielen, auch Nachwuchsbands sollen bezahlt werden. Dennoch verzichten insbesondere die Headliner auf einen Großteil ihrer Gage, und ihre Agenturen zum Teil komplett auf ihr Honorar. Durch meine guten Kontakte kann ich persönlich mit den Leuten sprechen und die meisten kommen uns sofort entgegen, wenn sie unser Anliegen hören“, freut sich Andy.

In den letzten Jahren sind neben lokalen Bands immer mehr überregionale, bekannte Musiker*innen aufgetreten, wie im letzten Jahre die bayrische Punkband Akne Kid Joe, die Berliner Electroclasher*innen Die toten Crackhuren im Kofferraum oder der Rostocker Rapper Pöbel MC. Nach welchen Kriterien werden diese Künstler*innen ausgesucht? „Auch in diesem Bereich wollen wir uns breit aufstellen, daher gibt es musikalisch keine Kriterien. Uns ist vor allem die Einstellung der Bands wichtig. Wir heißen ‚gegen Rechts‘ und dafür sollten auch die Musiker*innen stehen. Umso besser, wenn sie dazu auch noch ein großes Publikum ansprechen – dann sichert ein guter Getränkeumsatz die Veranstaltung im Folgejahr“, so Andy. Ein sehr wichtiges Kriterium für das Booking-Team von RGR sei Diversität − dementsprechend achte man sehr auf eine möglichst ausgewogene Menge an weiblichen Künstler*innen.

„Ich empfehle vor allem Angelic in Jeans – unglaublich, wie diese jungen Frauen rocken.“

Neben den großen Namen möchte man bei RGR aber auch lokalen Nachwuchsbands eine Bühne bieten. In diesem Jahr seien das Angelic in Jeans und Words beyond Borders. „Beide Bands finden wir super, auch wenn sie bisher noch wenig bekannt sind. Angelic in Jeans kommen aus Düsseldorf und bestehen zu einem Großteil aus jungen Frauen; Words beyond Borders ist ein ganz tolles Musikprojekt mit Geflüchteten, die auf Deutsch, Persisch und Arabisch rappen“, so Andy. Einer der Hauptacts in diesem Jahr ist Jaya the Cat, deren Musik eine Mischung aus Roots Reggae, Ska und Punkrock ist und die ursprünglich aus Boston, USA stammen, mittlerweile aber in Amsterdam beheimatet sind.

Und worauf freut sich Andy Wahl am meisten? „Ich empfehle vor allem Angelic in Jeans – unglaublich, wie diese jungen Frauen rocken. Und natürlich The Courettes – eine brasilianisch-dänische Zwei-Menschen-Band, die total viel Gas auf der Bühne geben. Wir sind glücklich, dass sie bei uns auftreten, die Courettes sind nämlich sonst ständig auf der ganzen Welt unterwegs. Insgesamt haben wir schon sehr viel gutes Feedback für das tolle Line-up für diesen August bekommen und hoffen, dass noch mehr Zuschauer*innen kommen als im letzten Jahr.“

Info

Rock gegen Rechts findet am Samstag, 23. August 2025, ab 14 Uhr auf der Ballonwiese im Düsseldorfer Volksgarten statt.

Weitere Infos: rock-gegen-rechts-duesseldorf.de.

Text: Katja Vaders
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung des Festivals Rock gegen Rechts

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