
Another Cotton Lab – Oder: Wie man mit T-Shirt & Hoodie eine Erfolgsgeschichte schreibt
You‘ll never run alone
Das Label Another Cotton Lab wird vor etwas mehr als zwei Jahren gegründet. Zwei Bestseller stechen schnell hervor: ein T-Shirt und ein Hoodie mit dem Aufdruck Sunday Running Club. Was liegt also näher, als einen sonntäglichen Laufclub ins Leben zu rufen? Gesagt, getan. Die Idee klingt einfach und erweist sich als genial: Am Sonntagmorgen des 1. Juni 2024 treffen sich zunächst rund ein Dutzend Sportbegeisterte und markieren den Beginn einer Erfolgsgeschichte. Inzwischen gilt der Sunday Running Club als der größte in Europa, gemessen an der Zahl aktiver Teilnehmer*innen. Der Umsatz von Another Cotton Lab, der 2023 bei einer Million Euro liegt, verzehnfacht sich 2024. Maßgeblich am Erfolg beteiligt sind die vier Macher*innen von Another Cotton Lab: David und Franzi Ebisch, Felix Adams und Niklas Janik. Sie standen uns in ihrem ersten und (bisher) einzigen Flagshipstore in der Düsseldorfer Carlstadt Rede und Antwort.

Wie ist die Idee zu Another Cotton Lab entstanden? Gab es einen konkreten Moment, in dem klar war: Wir machen das jetzt?
David: Wir haben Yarn Studios, die Firma hinter Another Cotton Lab, vor neun Jahren gegründet – meine Frau Franzi und ich sind tatsächlich schon seit 2012 im Business. Davor hatten wir verschiedene Eigenmarken ins Leben gerufen und auch für andere Labels gearbeitet. 2023 beschlossen wir, eine neue Eigenmarke zu starten und alles auf eine Karte zu setzen. Auf der Suche nach einem Namen kristallisierte sich Another Cotton Lab heraus. Der Name ist etwas selbstironisch, beschreibt aber genau, was wir tun. Wir sind lange genug im Business, um zu wissen: Es gibt alles da draußen. Wir machen „just another one“. So denken wir auch: Von Event zu Event, von Projekt zu Projekt.
David, wie bist du ins Modebusiness gekommen?
David: Ich habe als Model gearbeitet und nach dem Abitur International Business studiert. Bei einem Workshop von Levi’s auf der Berlin Fashion Week bin ich auf die Technik des Siebdruckens aufmerksam geworden – und war sofort begeistert. Danach habe ich Siebdruck von Grund auf gelernt und schließlich die Firma gegründet.

Ihr seid zu viert im Team. Wer übernimmt welchen Part – kreativ, strategisch, organisatorisch?
David: Es überschneidet sich alles ein bisschen. Ich würde es eher ein kreatives Chaos nennen (lacht). Niklas ist für alles Kreative zuständig. Zusammen kümmern wir uns um alles, was mit Textilien zu tun hat.
Franzi: Felix und ich entwickeln Konzepte, organisieren Shootings und produzieren Lookbooks für unsere B2B-Kunden wie Breuninger, P&C, Ansons und Snipes, die viermal im Jahr erscheinen. Für Endverbraucher*innen müssen wir die Kollektionen wiederum anders aufbereiten – da geht es dann um Anzeigenmotive, Social Media, Newsletter und unseren YouTube-Channel.
Felix: Wir vermarkten das, was David und Niklas sich ausdenken, und bringen es auf die Straße. Wir fragen uns: Wie soll die Kollektion von einer/einem unserer Instagram-User wahrgenommen werden? Wie wirkt sie auf die Person, die sonntags zum Laufen kommt?
Ihr habt mit dem Sunday Running Club eine große Community aufgebaut. Wie ist euch das gelungen?
Felix: Innerhalb kürzester Zeit sind wir zum größten Running Club Europas geworden, gemessen an den aktiven Teilnehmer*innen.
Franzi: Wir wollten eine Marke sein, die Menschen verbindet und nicht nur zum Konsum anregt. Als Felix zu uns kam, wurde die Idee des Sunday Running Club konkret. Wir hatten bereits den entsprechenden Hoodie und das T-Shirt – beides Bestseller – aber es gab noch keinen Club. Felix ist Triathlet und hat den entscheidenden sportlichen Anstoß gegeben.



Felix: Letzte Woche kam Strava auf uns zu, die weltweit wichtigste Sport-Media-Plattform mit 250 Millionen Nutzer*innen. Sie sagten uns, Düsseldorf habe dank unseres Sunday Running Club die höchste Anmeldedichte und die größte Laufclubdichte Deutschlands. Seit dem 1. Juni 2024 laufen wir jeden Sonntag zehn Kilometer. Einmal im Monat gibt es Special-Events mit 350 bis 500 Teilnehmenden, in der Spitze bis zu 2.000. Im Sommer sind es bei den Sonntagsläufen 200 bis 250 Teilnehmende, im Winter 100 bis 150. Treffpunkt ist jeden Sonntag um 8:45 Uhr vor dem Laden. Wer nur fünf Kilometer laufen möchte, startet um 9:30 Uhr, läuft dann die Strecke über die Oberkassler Brücke und die Rheinkniebrücke mit. Danach gibt es Kaffee bei uns.
Franzi: Als wir im Herbst unsere neue Kollektion in New York geshootet haben, haben wir dort ebenfalls einen Sunday Running Club veranstaltet – eine Woche vor dem New York Marathon, mit 500 Teilnehmer*innen. Das war fantastisch.
Felix: Nicht zu vergessen: Unser Night-Run-Format, das bereits zweimal zusammen mit der Stadt Düsseldorf organisiert wurde. Dabei werden die Straßen gesperrt und wir laufen mit Blaulichtbegleitung über die Kö, die Oberkassler und die Rheinkniebrücke.

Welche Rolle spielen diese Treffen für die Identität der Marke?
Franzi: Eine sehr große! Wir lieben Sport, Kaffee, Musik und Mode. Das haben wir einfach zusammengebracht. Die T-Shirts und Getränke bei den Events sind kostenlos. Wer an den Party-Läufen teilnimmt, bekommt anschließend im Club ein Bier umsonst.
Felix: Wir verstehen uns als internationale Marke, sind aber fest in Düsseldorf verwurzelt. Das zeigt auch unser Format Local Legend. Wir haben nicht nur den Lauftreff neu erfunden und mit Mode verbunden, sondern arbeiten auch gern mit lokalen Größen wie der Brauerei Schumacher oder der Bäckerei Hinkel zusammen.
Wie kommuniziert ihr die Events?
David: Über Strava, Social Media und unsere Newsletter, mit 250.000 Abonnent*innen.
Ein zentrales Thema in der Mode ist Transparenz. Wo produziert ihr eure Kollektionen – und nach welchen Kriterien wählt ihr eure Produktionspartner aus?
David: Wir produzieren ausschließlich in China und arbeiten mit einem Produzenten, den wir seit Jahren kennen. Alle drei Monate besuchen wir die Fabriken vor Ort.
Niklas: Auf unserem YouTube-Kanal gibt es eine Dokumentation, die Einblicke in die Produktion gibt – wir sind also sehr transparent.
David: Der Druck findet in Hilden statt. Viele unserer Waren sind unbedruckte Blancos, die wir selbst veredeln. So sichern wir Arbeitsplätze in einem Handwerk, das auszusterben droht. Es gibt keine Überschussproduktion – wir bedrucken nur, was bestellt wurde.

Euren ersten Flagshipstore habt ihr in der Düsseldorfer Carlstadt eröffnet. Was macht diesen Standort besonders?
David: Wir haben den Store am 26. April 2025 eröffnet. Unser Laufclub startete vorher bereits vom Cøffe am Carlsplatz, daher war die Carlstadt für uns ein naheliegender Standort. Für uns ist sie das Soho Düsseldorfs.
Franzi: Ja, die Carlstadt ist individuell, es gibt keine Filialen großer Ketten, dafür schöne Traditionsgeschäfte, viele noch familiengeführt.
Wenn ihr euren Stil in wenigen Sätzen beschreiben müsstet: Welche ästhetischen Leitideen prägen Another Cotton Lab?
David: Wir besetzen eine Nische zwischen Lifestyle und Sport. Wir sind nicht 100 Prozent Sport, aber auch nicht 100 Prozent Fashion. Man könnte uns vielleicht mit Ralph Lauren oder Tommy Hilfiger vergleichen – aber eigentlich gibt es das, was wir machen, noch nicht.
Franzi: Vor einer Woche haben wir unsere dritte und bislang größte Performance Collection gelauncht: Über 60 Teile, die es ermöglichen, sich von Kopf bis Fuß einzukleiden. Es ist ein Hybrid aus praktischen Performance-Teilen und Fashion.
Niklas: Die Materialien sind maximal performativ.

Wenn Freund*innen die Stadt besuchen: Wo führt ihr sie in Düsseldorf aus?
Franzi: Erstmal auf einen Kaffee hierhin.
David: Mittags gern auf ein Schnitzel ins Münstermann Kontor. Am Wochenende ist die Brasserie Hülsmann mein Favorit – am besten Samstagmittags.
Franzi: Bei schönem Wetter sind wir samstags gern auf dem Carlsplatz.
David: Abends gehen wir am liebsten ins Prinzinger und danach ins Hotel-Hotel zu Walid El Sheik.
Text: Ilona Marx
Fotos: Eugen Shkolnikov



