Yuri (re) und Fukaba sitzen am weihnachtlich gedeckten Küchentisch.

Wie feiert ihr eigentlich Weihnachten? Mit Futaba & Yuri der Düsseldorfer Symphoniker

|

Zwischen drei Kulturen: Das Orchesterpaar der Düsseldorfer Symphoniker

Die Düsseldorfer Symphoniker spielen in der Tonhalle und in der Deutschen Oper am Rhein. Futaba Sakaguchi aus Tokyo ist seit 2005 Teil der Düsseldorfer Symphoniker und spielt dort Geige. Ihr Ehemann Yuri Bondarev stammt aus Sankt Petersburg, lebt seit 2001 in Deutschland und spielt seit 16 Jahren Bratsche im Orchester. Außerdem unterrichtet er an der Rubinstein Akademie. Kennengelernt hat sich das Paar zwischen Orchestergraben und Bühne der Tonhalle. Wir haben die beiden Musiker*innen zu Hause besucht und über deutsch-russisch-japanische Weihnachtstraditionen, das Leben als Orchesterfamilie mit zwei Kindern und ihre liebsten Restaurants in Düsseldorf gesprochen.

Düsseldorfer Symphoniker: Zuhause bei der Geigerin und dem Bratschisten. Man sieht einen Ausschnitt aus dem Tannenbaum mit einem Schneemannhängerchen.

Futaba und Yuri, wie feiert ihr als russisch-japanisches Paar mit zwei Kindern Weihnachten?
Futaba: Eigentlich feiern wir wie andere Familien auch, ganz klassisch deutsch. Den Christbaum haben wir auch schon aufgestellt. Der Unterschied zu anderen Familien ist, dass wir nicht in die Kirche gehen, sondern dort spielen. Bevor ich Kinder bekam, habe ich jedes Jahr an Heiligabend Gottesdienste musikalisch begleitet. Wir spielen nach wie vor fast jedes Jahr beide oder eine*r von uns in der Maxkirche. Zu Hause verbringen wir Weihnachten auf deutsche Art. Heiligabend sind wir als Familie zusammen. Es ist übrigens einer der beiden Tage im Jahr, an dem das Orchester komplett frei hat. Der zweite Tag ist am 1. Mai.

In Russland und Japan wird Weihnachten aber ganz anders gefeiert, oder?
Yuri: In Russland ist Weihnachten tatsächlich erst zwei Wochen später und auch nicht so zentral wie in Deutschland. In Russland ist Neujahr das wichtigste Fest. Dann wird auch der Baum aufgestellt. Weihnachten ist weniger kirchlich geprägt. Es ist eher eine Zeit für Familie und Geschenke. Ich habe früher zu Chanukka Geld von meiner Oma bekommen. Aber ich muss sagen, ich bin mittlerweile sehr gerne zu Weihnachten in Düsseldorf.
Futaba: In Japan orientiert man sich eher an den amerikanischen Weihnachtstraditionen. Weihnachten ist kein offizieller Feiertag, sondern ein Fest für Kinder und Jugendliche. Die Geschenke gibt es am Morgen des 25. Dezembers und nicht an Heiligabend. Bei mir zu Hause stand zwar immer ein Weihnachtsbaum, aber in der Schule lernt man nicht, warum man Weihnachten feiert. Es geht hauptsächlich um Geschenke, Essen und Kuchen.

Ein Ausschnitt des gedeckten Kaffeetisches des Ehepaars der Düsseldorfer Symphoniker.

Was gibt es bei euch an Weihnachten zu essen ?
Futaba: Wir suchen uns immer etwas Besonderes aus. In den letzten Jahren gab es bei uns meistens Fisch statt Fleisch. Natürlich muss es auch kindgerecht sein, schließlich essen unsere beiden Kinder mit. Manchmal kaufen wir guten Fisch auf dem Carlsplatz und servieren passende Beilagen. Für die Kinder sind aber sowieso die Geschenke das Wichtigste, und die müssen rechtzeitig besorgt werden. Damit das Christkind gut vorbereitet ist. Wobei ich sagen muss, dass wir etwas unentschieden sind, ob bei uns das Christkind oder der Weihnachtsmann kommt.

Wie war euer erstes Weihnachten in Deutschland?
Futaba: Ich war in meinem ersten Jahr in Deutschland an Weihnachten alleine. Ich habe mich gewundert, dass alle weg sind und alle Geschäfte und Restaurants geschlossen. Was sollte ich machen? Ich konnte nicht einmal einkaufen gehen. Das war schon sehr komisch. Aber man gewöhnt sich daran. Man findet eine Beschäftigung. Ich wurde dann während meines Studiums in Würzburg von meinem Professor an Weihnachten eingeladen.
Yuri: Man ist einfach nicht darauf vorbereitet. Plötzlich ist man zu Hause, alles ist geschlossen. Keine Kneipen, keine Restaurants, nichts. Das ist schon eine große Umstellung, wenn man das nicht kennt.

Wie sieht euer Arbeitsalltag als Teil der Düsseldorfer Symphoniker über die Feiertage aus?
Yuri: Die Weihnachtszeit ist für uns immer sehr intensiv. Am 25. und 26. Dezember geben wir Abendvorstellungen an der Oper oder Konzerte. Bis zum 29. Dezember gibt es jeden Tag Vorstellungen. Und vormittags finden Proben der Düsseldorfer Symphoniker für das neue Konzert in der Tonhalle statt. Seit Corona spielen wir am Neujahrstag sogar zwei Konzerte, eines um 15 Uhr und eines um 19 Uhr. Beide sind immer komplett ausverkauft. Die Düsseldorfer Symphoniker sind das ganze Jahr über gut ausgelastet, aber die Weihnachtszeit ist besonders strikt durchgetaktet. Wir gehören wirklich zu den wenigen, die über die Feiertage durcharbeiten müssen.

Fukaba & Yuri sind Teil der Düsseldorfer Symphoniker.

Das Leben als Orchesterfamilie mit zwei kleinen Kindern, wie organisiert ihr das?
Yuri: Für uns ist das zur Normalität geworden. Die Kinder sind damit aufgewachsen, dass Mama und Papa Musik machen und abends arbeiten. Natürlich braucht man eine gute Organisation, besonders wenn wir beide gleichzeitig Dienst haben. Aber wir haben unsere Routinen gefunden, und es funktioniert. Man arrangiert sich mit der Situation.

Kommen eure Familien über Weihnachten zu Besuch?
Futaba: Mein Vater kommt manchmal zu Besuch, aber immer vor Weihnachten. Er verbringt dann Zeit mit uns und den Kindern, fährt aber wieder vor Weihnachten.
Yuri: Meine Eltern leben noch in Sankt Petersburg. Sie kommen zu Weihnachten eher selten, weil wir beide ohnehin arbeiten müssen und uns gar nicht richtig um sie kümmern können. Dieses Jahr waren sie mehrmals zu Besuch, meine Mutter zweimal, aber eben nicht zu Weihnachten.

Man sieht Clemens Henle (re) mit Fukaba und Yurie am Küchentisch mit Adventsgesteck und in weihnachtlicher Atmosphäre im Interview.

Futaba, als Japanerin in Düsseldorf, wo gehst du gerne essen?
Futaba: Mein absoluter Favorit für japanische Küche ist Soba-An. Für Sushi gehe ich zu Yabase, das ist für mich das beste Sushi-Restaurant in Düsseldorf, das noch bezahlbar ist. Mittags sind die Preise dort wirklich in Ordnung.

Habt ihr weitere Tipps? Wo geht ihr nach den Probem gerne hin?
Yuri: Wir sind mittlerweile große Fans von Ghorban. Das liegt in der Nähe der Oper. Man bekommt einen guten Kaffee oder fantastisches Gebäck, ohne lange warten zu müssen. Die Ciabattas und belegten Brote sind auf sehr hohem Niveau. In der Stadt gehe ich gerne zu Laura’s Deli. Die machen ausgezeichnete Salate, Quiche und andere warme Gerichte. Besonders gefreut habe ich mich neulich über einen neuen russischen Stand am Carslplatz. Dort gibt es frische Pelmeni und Vareniki vor Ort. Das ist für mich als Russen eine schöne Entdeckung.
Futaba: Pure Pastry ist auch fantastisch, allerdings kann man sich dort nur gelegentlich ein paar Stücke leisten, es ist nicht gerade günstig. Und dann gibt es noch Aux Merveilleux, eine französische Bäckerei an der Kasernenstraße. Die machen Croissants wie in Paris. Eine sehr nette Frau betreibt das. Ich hole mir dort meistens Croissants oder Rosinenschnecken.

Text: Clemens Henle
Fotos: Eugen Shkolnikov

Jetzt zum Newsletter anmelden und keine Neuigkeiten mehr verpassen