
Zu Besuch bei Max Fiedler im Studio Rabotti
Net Working City mit Max Fiedler
Max Fiedler, in der Grafikdesignszene auch als Mexer bekannt, ist Illustrator und Gründungsmitglied der Flingeraner Ateliergemeinschaft Studio Rabotti. Sein verspielter Blick auf die Welt prädestiniert ihn, Kinderbücher zu illustrieren und Computerspiele zu entwickeln. Düsseldorf kommt dabei nicht nur eine Nebenrolle zu: Die Stadt liefert Motive und Momente, die sich in seinen Zeichnungen wiederfinden. Im Gespräch mit Max Fiedler geht es um das Leben zwischen Bildschirm und Skizzenblock, den Wert der Heimat als Inspirationsquelle – und warum man Düsseldorf erst richtig schätzen lernt, wenn man bleibt.

Du hattest am Büdchentag ein komplett gezeichnetes Pappbüdchen an der Ackerstraße installiert. Wie kam diese Idee zustande? Und wie lange hast du daran gearbeitet?
Das sogenannte Papp-up Büdchen ist auf Initiative von meinem Freund Mike Drießen entstanden. Mike betreibt die Siebdruckerei One-of-them. Er hat das ehemalige Schuhgeschäft an der Ackerstraße gemietet und veranstaltet dort Ausstellungen. Du kennst ihn vielleicht noch als Organisator der Eventreihe Captain Flingern. Wir wollten eine Hommage an Büdchen kreieren. Dazu wurde der gesamte Raum mit Pappe ausgekleidet, es gab einen Pappkühlschrank, Pappregale, Pappbierflaschen, Pappzigarettenschachteln et cetera. Ich war ungefähr eine Woche lang damit beschäftigt, das gesamte Interieur zu illustrieren. Am Büdchentag selbst hatten wir dann einen befreundeten DJ zu Gast und haben auch eine kleine T-Shirt Kollektion verkauft. Ein großer Spaß!
Du hast auch ein Zeichen- und Lernbuch über Düsseldorf illustriert – ein Herzensprojekt?
Der Verlag kam damals mit der Idee auf mich zu und ich war sofort begeistert. Wir haben es Mein großes Kritzelbuch Düsseldorf genannt und die Kinder lernen spielerisch beim Zeichnen. Sowohl über die Geschichte der Stadt als auch über die Orte, die Düsseldorf prägen: So kommen beispielsweise die Kö darin vor, der Aquazoo und der Flughafen. Es gibt Kapitel über die Rheinschifffahrt, Jan Wellem, die Kunstakademie und über die Fortuna.



Max Fiedler at work. Im Studio entstehen Arbeiten wie das große Kritzelbuch.
Du scheinst alle Facetten der Stadt gut zu kennen. Bist du Düsseldorf geboren?
Ich bin in Derendorf aufgewachsen, in Pempelfort aufs Gymnasium gegangen und habe an der HSD, der Hochschule Düsseldorf, Kommunikationsdesign studiert. Nach dem Abi hatte ich damit geliebäugelt, nach Hamburg zu gehen, aber dann bekam ich meinen Studienplatz und habe im Studium meine Frau kennengelernt. Jetzt haben wir Kinder, wohnen am Rande des Grafenberger Waldes und fühlen uns sehr wohl.

Führung
Urban Art Walk
Sieh die Stadt mit neuen Augen! Klaus Rosskothen, Leiter der Galerie Pretty Portal, nimmt dich mit auf eine Entdeckungsreise durch Düsseldorf – zu Orten, die voller Kunst stecken. Erlebe Werke von Künstler*innen wie Jana&JS, FinDAC, Pixelpancho und L.E.T., die Fassaden, Unterführungen und Hauseingänge kreativ gestalten.
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Wie prägt die Stadt deine Arbeit?
Das gute Netzwerk, das ich in Düsseldorf habe, ist für mich ausschlaggebend. Im direkten Anschluss an mein Diplom habe ich acht Jahre lang als Lehrbeauftragter für Interaktive Medien und Hypermedia an der Fachhochschule Düsseldorf (heute HSD) gearbeitet – es ging dabei um digitale Illustration und Game Design. In der Zeit habe ich viele Kontakte geknüpft, die mich noch immer begleiten. Nicht alle sind in Düsseldorf geblieben, aber dennoch laufen hier viele Fäden zusammen. Aber nicht nur die Kontakte sind wichtig, auch die kurzen Wege machen mir das Leben einfacher als in einer Stadt wie Hamburg oder Berlin.

Du arbeitest mit neun weiteren Illustrator*innen in eurem gemeinsam gegründeten Studio Rabotti. Welche Rolle spielt dieser Ort für dich?
Auch im Atelier ist ein gutes Netzwerk entstanden. Zum einen kann man sich austauschen, was ich sehr schätze, zum anderen können wir gemeinsam auf Anfragen reagieren, da wir eine gemeinschaftliche Mailadresse haben. Wenn der oder die eine gerade keine Zeit hat, einen Job zu übernehmen, springt jemand anderes aus dem Studio ein. Wenn zwei gleichermaßen an einem Job interessiert sind, schicken wir eben beide Portfolios raus. Es gab noch nie Spannungen deswegen.
Könntest du genauso in jeder anderen Stadt leben und arbeiten?
Theoretisch schon, praktisch aber nicht. Es würde mir zu viel fehlen. Inzwischen gehen die Kinder alle auf die gleiche Schule und wir fühlen uns sehr verwurzelt.

Was magst du an Düsseldorf besonders?
Ich bin ein großer Japanfreund und habe in der Oberstufe Japanisch gelernt. Diese Facette der Stadt mag ich besonders.
Gehst du oft in Museen oder besuchst Galerien?
Wir lieben die Langen Foundation und die Raketenstation. Wir gehen aber auch oft ins K21 und ins K20. Gerne besuchen wir auch die Galerie Ruttkowski68 am Grabbeplatz. Sie hat ein tolles Portfolio an zeitgenössischen Künstler*innen.

Wohin gehst du, wenn Freund*innen zu Besuch sind?
Dann gehen wir im Café Rika an der Grafenberger Allee japanisch essen. Das ist ein Restaurant fernab von Little Tokyo, das zwar längst kein Geheimtipp mehr ist, wo man aber immer super isst. In der Innenstadt gehen wir gern ins Naniwa Sushi an der Oststraße – ebenfalls ein Favorit meiner Kinder. Wenn ich allein mit Freund*innen unterwegs bin, zeige ich ihnen das Finanzämtche. Es war früher eine traditionelle Düsseldorfer Kneipe und sieht auch noch genauso aus. Heute bekommt man aber zur Düsseldorfer Bier koreanisches Essen.
(Die Außenbeschriftung der gutbürgerlichen Kneipe ist geblieben, obwohl das koreanische Restaurant eigentlich Pozangmatcha heißt. //Anm. d. Red.)
Und wo kannst du besonders gut abschalten?
Ich sitze gern genau hier im Studio in der Küche und zeichne, dabei kann ich gut abschalten. Ansonsten liebe ich den Grafenberger Wald und den Rheinstrand unterhalb des Löricker Freibads.
Mehr Informationen zu Max Fiedler und seiner Arbeit findet ihr unter mexer.pigsell.com.
Text: Ilona Marx
Fotos: Eugen Shkolnikov

Info
Was macht Studio Rabotti?
Studio Rabotti ist ein Atelier in Flingern, in dem zehn Illustrator*innen selbstständig arbeiten. Die Illustratorinnen sind: Rumi Benecke, Moritz Blumentritt, Jennifer Daniel, Max Fiedler, Janko Grode, Nora Kaska, Stephan Lomp, Brian Storm, Lisa Taniyama und Viviane Vollack. Von den meisten habt ihr wahrscheinlich schon einmal Illustrationen in Magazinen wie Brand Eins oder Vivid gesehen. Oder ihr kennt eines der Wimmelbücher von Stephan Lomp. Oder vielleicht seid ihr auch Lisa Taniyama auf einem Fashion Event in Düsseldorf begegnet und habt euch von ihr zeichnen lassen.
Weitere Informationen unter studiorabotti.de.



