Rosemarie Dohmen, Keramikerin, im Portrait.

Hotspot Lorettostraße – Zu Besuch in der Keramikwerkstatt von Rosemarie Dohmen

Made in Düsseldorf

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„Viele Menschen arbeiten heute ausschließlich am Computer und haben das Bedürfnis, wieder etwas mit den Händen zu machen.“

In einem Hinterhof der Lorettostraße liegt die Keramikwerkstatt von Rosemarie Dohmen. Betritt man die Räume kitzelt der kalkige Geruch von Ton die Nase. Ein feiner weißer Staub bedeckt feinpudrig Werkzeuge und Böden und hüllt den Raum in zarte Pastelltöne. Zeichnungen stapeln sich auf Arbeitstischen, während Gefäße in unterschiedlichen Stadien des Trocknens die Regale füllen. Seit mehr als 35 Jahren arbeitet die diplomierte Keramikdesignerin Rosemarie Dohmen in ihrem Atelier an der Lorettostraße mit Ton – formt Gefäße, Schalen und Skulpturen, gibt Kurse und bewahrt ein Handwerk, das zu den ältesten der Menschheit zählt. Ihre Arbeiten sind geprägt von Geduld, Präzision und einer tiefen Verbundenheit zum Material. Wir haben sie in ihrer Werkstatt besucht und mit ihr über Keramik als Berufung, japanische Einflüsse und ihre persönlichen Kraftorte gesprochen.

Ein Teeservice in naturweiß und anthrazit aus der Keramikwerkstatt an der Lorettostraße.

Frau Dohmen, Sie arbeiten seit Jahrzehnten mit Ton. Was fasziniert Sie an dem Material?
Ton ist für mich etwas sehr Ursprüngliches. Er ist haptisch, formbar und unglaublich vielseitig. Man kann auf der Drehscheibe aus einem Klumpen Ton die feinsten Schalen drehen oder mit grobem Material große, skulpturale Formen aufbauen. Was ich auch spannend finde, ist die Natürlichkeit des Materials und seine Tradition. Keramik verändert sich ständig und bleibt dadurch lebendig. Dieses weite Feld hat mich nie losgelassen. Gleichzeitig ist Ton ein anspruchsvolles Material – man braucht Geduld, technisches Verständnis und ein Gefühl für den richtigen Moment.

Sie sind Keramikdesignerin, stellen eigne Objekte aus und geben das Handwerk an viele Menschen weiter. Wie haben Sie zu Ihrer Passion gefunden?
Ich habe zunächst im sozialen Bereich gearbeitet und erst später Design mit Schwerpunkt Keramik an der Fachhochschule in Krefeld studiert. Während des Studiums habe ich mein Geld unter anderem mit Ziselieren (Eine Technik der Metallbearbeitung, bei der Oberflächen mit Hammer und Punzen plastisch gestaltet werden. //Anm. d. Red.) bei einer Bildhauerin verdient. Diese Arbeit hat mein Formgefühl und mein plastisches Verständnis sehr geprägt. Vor rund 35 Jahren habe ich dann meine Werkstatt im Hinterhof an der Lorettostraße in Unterbilk eröffnet und gebe seitdem auch Kurse.

Keramik liegt im Moment stark im Trend – gefühlt wollen gerade alle töpfern lernen. Was macht das Arbeiten mit Ton heute so attraktiv?
Ich glaube, das hat mit unserer digitalen Welt zu tun. Viele Menschen arbeiten heute ausschließlich am Computer und haben das Bedürfnis, wieder etwas mit den Händen zu machen. In meinen Kursen sitzen unter anderem Architekt*innen, Grafiker*innen, Designer*innen – sie alle haben das Bedürfnis nach einem haptischen Ausgleich, danach, etwas Plastisches zu kreieren.

Sie lassen sich stark von japanischer Keramik inspirieren. Was fasziniert Sie daran?
Mich beeindruckt der sinnliche Zugang zu Objekten: Wie liegt eine Teeschale in der Hand, wie fühlt sie sich am Mund an? Diese Wertschätzung des Alltäglichen hat meine Formsprache sehr geprägt. Auch die Ästhetik des Unperfekten, des Nicht-Seelenlosen, spielt dabei eine große Rolle. Düsseldorf mit seiner japanischen Community ist dafür ein schöner Resonanzraum und ich habe immer wieder japanische Kursteilnehmer*innen, die mich inspirieren.

Ihre Kurse und Werke eröffnen Menschen den Zugang zum Material Ton. Mit welchen Techniken arbeiten Sie?
Neben der Drehscheibe nutze ich die Plattentechnik, baue Gefäße oder Skulpturen und arbeite mit unterschiedlichen Tonarten – von Porzellan bis zu sehr grobem Ton. Lange Zeit habe ich auch viel mit der japanischen Raku-Technik gearbeitet. Dabei entstehen durch starke Hitze und Rauch einzigartige Rissbildungen und Oberflächen. Es ist ein aufwendiger und körperlich anstrengender Prozess, aber die Ergebnisse haben eine besondere Tiefe.

Keramik entsteht langsam, mit vielen Zwischenschritten. Welche Phase im Entstehungsprozess lieben Sie am meisten – und welche fordert Sie heraus?
Am liebsten arbeite ich an Oberflächen. Das Aufritzen, Zeichnen, Einfärben mit Oxiden, das ist fast wie abstraktes Malen. Herausfordernd finde ich das Glasieren. Gerade bei neuen Glasuren bleibt eine Unsicherheit: Das Zusammenspiel von Temperatur, Schmelzverhalten und Farbe lässt sich nie vollständig vorhersagen. Trotz aller Erfahrung ist das oft frustrierend – aber genau das gehört auch dazu.

Fotos: Natasha auf’m Kamp

Ihre Werkstatt liegt in einem sehr idyllischen Hinterhof an der Lorettostraße und ist ein Ort der Stille inmitten der Stadt. Gibt es Rituale, mit denen Sie ihren Arbeitstag im Atelier beginnen?
Ja. Ich koche mir morgens einen Espresso mit aufgeschäumter Milch, aber nur einen. Dann öffne ich die langsam die Werkstatt. Ich mag den Geruch, den Blick auf meine Blumen, wenn ich durchs Tor komme. Ist es warm draußen, sitze ich vor dem Eingang, genieße die Stille und zeichne. Für mich ist es ein Kraftort, auch wenn während der Kurse natürlich viel Leben hereinkommt.

Wo an der Lorettostraße gönnen Sie sich eine Pause – etwa wenn der Ton Zeit zum Trocknen braucht?
Am liebsten genieße ich meine Pausen bei einer heißen dunklen Schokolade bei Bittersüß & Edelweiß oder zwischen hervorragendem Käse und charmantem französischen Flair in der Fromagerie.

Fotos: Natasha auf’m Kamp

Wo finden Sie außerhalb der Werkstatt Inspiration oder Ruhe?
Ich liebe den Rosengarten am Stadtmuseum und einen ausgiebigen Spaziergang durch die Carlstadt oder einen Besuch im Malkasten mit seiner tollen Gastronomie und dem wunderschönen Park. Auch der Rhein – etwa an der Kniebrücke oder gegenüber vom Nordpark – ist abends wunderschön. Im Sommer dort zu sitzen und bei einem Fläschchen Wein den Sonnenuntergang anzuschauen, fühlt sich fast wie Urlaub an.

Wenn Düsseldorf ein Gefäß aus Ton wäre… Wie sähe es aus?
Es wäre eine ausladende, leicht rundliche blaue Dose. Ein Gefäß, um all die Dönekes zu sammeln – die kleinen rheinischen Anekdoten, Geschichten und Gespräche.

Welche Kurse bietet Rosemarie Dohmen an? Und wo kann ich mich informieren?

Du möchtest selbst mit Ton arbeiten? Du träumst davon kreativ zu sein und mit eigenen Händen etwas zu kreieren? Dann bist du bei Rosemarie Dohmen richtig. Neben fortlaufenden Töpferkursen, bietet sie zweitägige Workshops an. Beispielsweise zu folgenden Themen: Schnupperworkshop für Anfänger*innen oder Sushi & Co., wo man kleine Schalen und Schälchen, Sushi-Brettchen und Stäbchenhalter aus Keramik herstellt. Erfahrung an der Drehscheibe ist bei diesem Workshop erwünscht.

Weitere Informationen unter daumenschale.de.

Text: Karolina Landowski
Fotos: Natasha auf’m Kamp

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