
In Full Bloom – Zu Besuch bei Victor Breuer, Floristmeister
„Der beste Start in den Tag ist ein einfacher schwarzer Kaffee auf dem Großmarkt. Je nach Saison zwischen 4 und 5 Uhr morgens, im Sommer auch mal später.“
Victor Breuer zählt zu den gefragtesten Florist*innen Düsseldorfs. In seinem Laden in Pempelfort entstehen Sträuße und florale Installationen, die weit mehr sind als Dekoration – atmosphärische Inszenierungen aus Farben, Formen und saisonalen Blüten. Seine Arrangements reisen zu Kund*innen nach London oder Miami und schmücken große Events wie die Art of Beauty & Health. Von herausragender Schönheit sind auch seine Blumenwelten im Rahmen der Ausstellung Palastblühen im Kunstpalast. Wir haben Victor Breuer in seinem Geschäft besucht und er hat uns verraten, warum Blumen für ihn pure Emotion sind, was ihn inspiriert und welche Orte in Düsseldorf er besonders liebt.

Victor, du bist einer der bekanntesten Florist*innen der Stadt. Was bedeuten Blumen für dich – nicht nur beruflich, sondern auch persönlich?
Blumen sind für mich pure Emotion. Sie sind Leidenschaft und sie stehen für Leben. Es gibt kaum etwas Schöneres, als einer Blume beim Aufblühen zuzusehen. Gleichzeitig tragen Blumen alle Gefühle in sich – die schönen, aber auch die traurigen. Sie begleiten uns bei großen Momenten im Leben: bei Feiern, bei Neuanfängen, aber auch beim Abschied. Und trotzdem bleibt am Ende immer etwas Positives, weil Blumen einfach so viel Schönheit ausstrahlen. Selbst wenn man sich irgendwann von dem schönsten Strauß verabschieden muss.
Du arbeitest sehr modern. Wie würdest du deine Handschrift beschreiben?
Sauber gebunden und fachlich gut, aber ansonsten: ein wildes Durcheinander schöner Blüten. Von allem etwas, was fürs Gefühl gut zusammenpasst. Jede Blüte bekommt ihren Raum, um zu wirken. Es darf unkonventionell sein, es darf Drama haben.




Welche Blumensorten magst du aktuell liebsten?
Das ist komplett saisonal. Im Augenblick freue ich mich über Narzissen, Schachbrettblumen, Muskari, besondere Tulpen, Ranunkeln, Wicken – die wirken so erfrischend. Im Frühling wären es Pfingstrosen. Im Herbst Dahlien, Hortensien, Amaranthus, Zinnien. Im Winter spinnenartige Amaryllis und Zweige. Ich versuche aber nicht, alles zu jeder Zeit künstlich verfügbar zu machen – dieses Wechselspiel der Blumen ist ja das Schöne. Und ich mag Kontraste: Wenn zwischen Frühlingsblüten plötzlich eine exotische Orchidee auftaucht – pflanzensoziologisch passt das vielleicht nicht ‚perfekt‘, aber es macht das Arrangement spannend.
Du wolltest ursprünglich Architektur und visuelle Gestaltung studieren. Wie bist du zur Floristik gekommen?
Meine Tante hat in Oberhausen zwei Hotels und dort die Floristik selbst gemacht. Als Teenager habe ich ihr oft geholfen und irgendwann die Arrangements praktisch übernommen. Ursprünglich wollte ich Architektur oder Innenarchitektur studieren und habe davor ein Praktikum in einem Blumenladen gemacht. Und plötzlich war ich mittendrin. Ich habe direkt Sträuße gebunden und verkauft und schnell gemerkt, dass mir die Arbeit unglaublich liegt. Für mich war bereits damals klar: Wenn ich Floristik mache, dann größtmöglich. Also mit Meistertitel und eigenem Laden. Mein Chef, der mich ausgebildet hat, war sehr ambitioniert und hat mich zu allen möglichen Wettbewerben mitgenommen – national wie international. Das war eine intensive Zeit und gleichzeitig eine wahnsinnig wertvolle Erfahrung.

Kunstpalast, Palastblühen 2025: Blumenarrangement Gradient von Victor Breuer; Ulrich Erben: Ohne Titel von 1977 (Foto: Anne Orthen)
Im Rahmen der Ausstellung Palastblühen im Düsseldorfer Kunstpalast treten Blumen in einen Dialog mit Kunstwerken. Was reizt dich als einer der teilnehmenden Florist*innen an dieser Verbindung?
Für den Berufsstand ist es eine riesige Chance zu zeigen, was Blumen können – jenseits von Strauß und Gesteck. Bei Palastblühen können Menschen von nebenan für wenige Tage in ein Blütenmeer eintauchen, das sie sonst nie erleben würden. Es kommen unfassbar viele Besucher*innen wegen der Blumen, viele wären sonst vielleicht nie in den Kunstpalast gegangen. Das ist besonders.
Wie beeinflussen Räume und ihre Architektur deine Arbeit mit Blumen?
Mich inspirieren Räume unglaublich – Proportion, Blickachsen, Wandfarben, wie etwas architektonisch gelöst ist. Bei Palastblühen zum Beispiel waren es nicht nur einzelne Kunstwerke, sondern manchmal eine Treppe oder der Moment, wie sich ein Raum öffnet, die meine Arbeit beeinflusst haben. Dieses ‚Dramatische‘, dieses gezielte Darauf zulaufen – das ist etwas, was ich sehr liebe und in Floristik übersetze.

Welche Themen inspirieren dich jenseits der Floristik?
Natürlich spielen Mode und Interior Design eine große Rolle, beispielsweise fahren wir nach Paris auf Messen. Es sind aber oft alltägliche Dinge, die mich inspirieren. Wenn ich durch die Stadt laufe, fallen mir Farben oder Formen ins Auge, manchmal ist es Musik oder eine gewisse Stimmung. Auch Food inspiriert mich total – Texturen, Oberflächen, Farben. Manchmal reicht ein besonderes Gemüse, und im Kopf entsteht unmittelbar ein Arrangement. Atmosphäre ist für mich dabei entscheidend. Blumen geben ein Gefühl wieder: mal mystisch, mal sehr fein und elegant. Genau diese Stimmungen versuchen wir einzufangen.

The Art of Beauty & Health 2026 mit einem raumfüllenden Blumenarrangement von Victor Breuer. (Foto: Andreas Wiese)
Gibt es ein Projekt oder ein Blütenmeer, auf das du besonders stolz bist?
Es gibt einige Projekte, die mir im Kopf geblieben sind. Eine Hochzeit in Forte dei Marmi am Ligurischen Meer war sowohl logistisch als auch wetterbedingt eine enorme Herausforderung: erst monsunartiger Regen, dann 36 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit und parallel mussten wir 120 Topfpflanzen jonglieren sowie zwei Abende mit unterschiedlichen Konzepten. Was ich sehr liebe, sind lange Dinner-Installationen, etwa große Tafeln an außergewöhnlichen Locations wie der Langen Foundation. Ein Projekt, auf das ich sehr stolz bin, ist außerdem die The Art of Beauty & Health. Dort haben wir nicht nur dekoriert, sondern die gesamte Messewelt mitgestaltet und in einem Glasfoyer eine individuelle Atmosphäre geschaffen. Solche Projekte gehen weit über klassische Floristik hinaus.
Welche Momente deiner Arbeit berühren dich besonders?
Emotional sind es die Themen Geburt, Hochzeit und Trauer. Gerade Trauerfloristik ist mehreren Ebenen herausfordernd, weil man den Menschen den tröstenden Teil, der etwas Schönes hat, mitgeben kann. Denn selbst beim Abschied werden Menschen von Blumen durch einen Moment getragen, sie geben Halt – auch weil man sich an der Schönheit festhalten kann.

Das Ladenlokal von Victor Breuer an der Prinz-Georg-Straße in Pempelfort.
Was würdest du jemandem empfehlen, der Blumen liebt und mehr über Gestaltung und Atmosphäre lernen möchte?
Geh in ein gutes Fachgeschäft und sprich mit fachlich guten Florist*innen. Das Wissen ist da – und es ist oft keine Wissenschaft. Es geht um Umgang, Pflege, Proportionen. Ein Beispiel: Islandmohn ist wunderschön, aber heikel. Wenn du nicht weißt, wie man ihn anschneidet (nur in einem bestimmten Bereich, lauwarmes Wasser, richtig behandeln), ist er am nächsten Tag tot. Wenn man es richtig macht, kann er ewig halten. Dieses Know-how bekommst du im Gespräch mit guten Floristinnen.
Floristik wird oft romantisiert. Was braucht es wirklich, um Floristmeister*in zu sein?
Kraft, starke Nerven, Geduld – und Liebe. Es ist nass, es ist feucht, es ist zu kalt, es ist zu warm. Es ist schwere, körperliche Arbeit. Es kostet viel Zeit und Energie, es kostet viele Nerven. Du schleppst Container, hältst 50 Tulpen oder 60 Rosen im Arm, arbeitest gegen die Endgegnerin ‚Haltbarkeit‘ – und manchmal auch gegen den Endgegner ‚Mensch‘. Man braucht feine Hände, aber auch viel Oberarmmuskulatur. (Lacht.)



Für wen würdest du am liebsten einmal einen Blumenstrauß gestalten?
Am liebsten würde ich einen Strauß für meine Großmutter binden. Sie ist leider nicht mehr da und hat das alles nicht miterleben können. Aber sie hat Blumen über alles geliebt – und ich glaube, sie wäre unglaublich stolz gewesen.
Hast du ein tägliches Ritual?
Der beste Start in den Tag ist ein einfacher schwarzer Kaffee auf dem Großmarkt. Je nach Saison zwischen 4 und 5 Uhr morgens, im Sommer auch mal später. Dann geht es in den Laden, Ware ausladen, anschneiden, Sträuße vorbereiten und ausliefern.
An welchen Orten genießt du Düsseldorf?
Am Ende ist die Zeit mit Freund*innen das Wertvollste, weil sie so begrenzt ist. Ich gehe sonntags gerne ins Velvet, einen Apfelpfannkuchen essen, dazu frisch gepressten Saft und einen schwarzen Kaffee. Ich mag die Bar Olio und das Em Brass, und ein- bis zweimal im Jahr gehe ich im Yoshi’s by Nagaya essen, weil es außergewöhnlich ist und ich die Menschen dort mag. Ich probiere Neues, lande aber auch oft wieder beim Bewährten. Wichtig sind mir Stimmung und natürlich gute Gesellschaft.
Was ist TheArt of Beauty & Health?
The Art of Beauty & Health ist ein B2C-Event, das Anfang März 2026 zum zweiten Mal auf Messe Düsseldorf stattgefunden hat. Es werden Talks und Masterclasses angeboten, darüber hinaus stellen Beauty Brands von Weleda über La Prairie bis Rituals aus. Die Speaker*innen sind durchaus hochkarätig und man ist thematisch breit aufgestellt. 2026 waren beispielsweise Lena Gercke, Dr. med. Sheila de Liz (Autorin von Women on fire), Robert Müller-Grünow (Kurator der Kunstpalast-Ausstellung Die geheime Macht der Düfte), Dr. Mertcan Usluer, Diana zur Löwen und Dr. Emi Arpa zu Gast.
The Art of Beauty & Health findet bisher kurz vor der Fachmesse Beauty Düsseldorf statt.
Weitere Informationen unter art.beauty.de.
Text: Karolina Landowski
Fotos: Eugen Shkonlikov (Weitere Fotos siehe Credit)



