Außenansicht des Hetjens Museum. Man sieht ein historisches Backsteingebäude, den Eingang und davor eine große Fahne, auf der Hetjens - Deutsches Keramikmuseum steht.

Hetjens Museum – Dr. Daniela Antonin Aeberli über Meissener Porzellan, Laurenz Heinrich Hetjens & mehr

|

„Wir freuen uns, bald Kaffeegenuss aus feinem Porzellan sowie Bier aus Steinzeug anbieten zu können, so wie Laurenz Heinrich Hetjens es einst schätzte.“

Das Hetjens – Deutsches Keramikmuseum Düsseldorf liegt zentral am Rheinufer und gilt als eine der bedeutendsten Keramiksammlungen weltweit. 8.000 Jahre Kulturgeschichte von der Jungsteinzeit bis zur Gegenwart kann man im Hetjens Museum entdecken. Zu den Highlights der Sammlung gehören frühe Meissener Porzellane, rheinisches Steinzeug, aber auch Plastiken aus Porzellan von weltweit gefeierten Künstler*innen wie zum Beispiel Emile Gallé oder Thomas Schütte. Wir haben mit Direktorin Dr. Daniela Antonin Aeberli über die faszinierende Welt des Porzellans, den Museumsgründer Laurenz Heinrich Hetjens und ihre Pläne für das neue Museumscafé gesprochen.

Dr. Daniela Antonin Aeberli, Leiterin des Hetjens Museum, steht mit einer Porzellantasse vor einer Vitrine, in der ein gedeckter Tisch mit wertvollem Porzellan "Copenhagen Royal" gedeckt ist.

Frau Dr. Antonin Aeberli, Sie leiten das Hetjens Museum seit 2017. Wie wurden Sie zur Porzellanexpertin?
Mir war früh klar, dass das Thema Porzellan mit seinen spannenden historischen, gesellschaftspolitischen wie auch technologischen Hintergründen unterschätzt wird. Ich habe Kunstgeschichte in Bonn und Amsterdam studiert. Die großen Leuchttürme dort waren die italienische Renaissance und der niederländische Barock – … und dann kam ich mit den Porzellantässchen. Das war eine Nische. Ich wurde dafür oftmals belächelt. Aber genau diese Nische eröffnete mir Möglichkeiten.

Wie meinen Sie das?
Ich war schon während meines Studiums und verschiedener Praktika als teilnehmende Beobachterin in der High Society unterwegs. Das hatte ich der hochkarätigen Sammler*innenschaft von Meissener Porzellan zu verdanken. Durch Glück und Zufall wurde ich zudem Assistentin bei Top-Veranstaltungen mit den bedeutendsten Händler*innen und Sammler*innen aus dem In- und Ausland. Ein Auftraggeber spendierte mir sogar mal ein Galakleid, damit ich zu einer Ausstellungseröffnung gehen konnte. Damals konnte ich mir aber kein Taxi leisten. Ich bin also im Galakleid mit dem Fahrrad durch München zum Event geradelt.

Ausstellungsansicht im Hetjens Museum, man sieht einen Raum mit vielen Vitrinen, in denen Porzellanfiguren stehen.

Hetjens Museum: Abteilung Europäisches Porzellan (Foto: Hajo Drees)

Was fasziniert Sie an Porzellan?
Mich interessiert insbesondere, wem die Porzellane gehörten. Wie wurde ihre Verwendung zelebriert? Aus welchem Anlass wurde das Porzellan verschenkt? Oder wurde die höfische Tafel damit gedeckt? Hinter zahlreichen unserer Exponate verbergen sich fantastische Geschichten. Deshalb gebe ich auch sehr gerne Führungen, ich möchte diese Geschichten unseren Besucher*innen nahebringen. Noch bis zum 31. Mai 2026 läuft unsere Ausstellung Happy Birthday, Royal Copenhagen!. Damit feiern wir 250 Jahre königliches Porzellan aus Dänemark. Mein Stellvertreter Dr. Wilko Beckmann hat drei Kopenhagen-Tische mit historischen Services inszeniert.

Das Hetjens Museum ist nach seinem Gründer benannt: Laurenz Heinrich Hetjens. Was können Sie uns über ihn erzählen?
Laurenz Heinrich Hetjens war ein Düsseldorfer Jong mit einem ungewöhnlichen Werdegang. Während seiner Ausbildung zum Sattlergesellen, nahm er Zeichenunterricht an der Kunstakademie. Das verhalf ihm zu seiner späteren Karriere als technischer Zeichner. In Aachen lernte er seine Ehefrau Marie Catharina Regnier kennen, die sehr wohlhabend war. Das Vermögen seiner Frau ermöglichte ihm, früh aus dem Berufsleben auszusteigen und sich seiner Leidenschaft, der Keramik, zu widmen. Hetjens sammelte Keramiken aus dem Rheinland und Belgien, auch Gemälde, Kupferstiche, Gläser, Teppiche, Münzen und Grafiken.

Wie kam seine Sammlung von Aachen nach Düsseldorf?
Er vermachte seiner Geburtsstadt Düsseldorf seine Keramiksammlung und tausend Goldtaler. Aber Hetjens knüpfte eine Bedingung daran: Die Stadt verpflichtete sich, innerhalb eines Jahres ein Museum für die Sammlung zu bauen. Sollte Düsseldorf das Erbe nicht annehmen, bekämen Köln, Aachen oder Brüssel die Sammlung. Das hatte Hetjens schlau formuliert und Düsseldorf nahm an. Das erste Hetjens Museum befand sich neben dem Kunstpalast. Noch vor dem Abriss des Gebäudes zog das Hetjens Museum 1969 ins Palais Nesselrode an der Schulstraße um.

Blick in die Ausstellung „Happy Birthday, Royal Copenhagen!“ im Hetjens Museum.

Blick in die aktuelle Ausstellung Happy Birthday, Royal Copenhagen! (Foto: Andreas Lange)

Das Museum ist seit bald 50 Jahren im Palais Nesselrode. Können Sie uns erläutern, wie eine Sammlung weiterwächst?
Dazu gibt es sehr viele Geschichten, die ich Ihnen erzählen könnte. Ich habe beispielsweise über einen ehemaligen Vorsitzenden des Freundeskreises des Hetjens Museum ein reizendes Ehepaar kennengelernt. Der Ehemann hatte eine ausgesprochen feine Sammlung Meissener Porzellan, die wir geerbt haben. Darüber hinaus vermachte er dem Museum eine bemerkenswert hohe Geldsumme. Diese diente uns als Startkapital für drei wunderbare Projekte: die Renovierung des Festsaals, den Auszug und die Einrichtung der neuen Töpferwerkstatt sowie die Gründung eines Museumscafés.

Mit dem Museumscafé erfüllt sich das Hetjens Museum einen lang gehegten Traum.
Ende Sommer geht es los. Aus der ehemaligen Töpferwerkstatt wird ein Museumscafé. Im Ostflügel, wo bisher getöpfert wurde, entsteht das Café mit großer Terrasse im Kastanienhof. Wir freuen uns, bald Kaffeegenuss aus feinem Porzellan sowie Bier aus Steinzeug anbieten zu können, so wie Laurenz Heinrich Hetjens es einst schätzte. Denn während Glas sich im Sommer bei Sonnenschein erwärmt, hält Steinzeug Getränke kühl.

Wohin ist die Töpferwerkstatt gezogen?
Die Töpferwerkstatt liegt nun an der Ecke gegenüber und wird sehr gut angenommen. Man kann Dinge formen, bemalen und an der Töpferscheibe drehen. Auch die Kintsugi-Kurse sind sehr beliebt. Kintsugi ist das japanische Goldlötungsverfahren, mit dem man zerbrochene Keramiken reparieren kann.

Ein weiterer Blick in einen Ausstellungsraum des Hetjens Museum.

Hetjens Museum: Abteilung Europäisches Porzellan (Foto: Hajo Drees)

Im Hetjens Museum zeigen Sie auch zeitgenössische Kunst aus Keramik. Wie beispielsweise vor ein paar Jahren die Ausstellung mit Arbeiten von Thomas Schütte.
Die Thomas Schütte-Ausstellung war großartig. Inzwischen hat auch das Museum of Modern Art in New York Thomas Schütte eine Retrospektive gewidmet. Ein Werk der Künstlerin Anke Eilergerhard steht draußen am Alten Hafen: Between Heaven & Earth. Die Sahnehaube auf der Himmelspforte ist eine Hommage an Düsseldorf und seine Naschkultur, also quasi ein Café Heinemann- und Bäckerei Hinkel-Denkmal. Unsere Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Kunstakademie möchten wir ebenfalls ausbauen.

Am 13. und 14. Juni findet zum ersten Mal das Art:walk Festival statt. Haben Sie etwas Besonderes geplant?
Wir sind räumlich etwas gehandicapt wegen des Umbaus. Aber mein Team wollte unbedingt etwas zum Art:walk Festival machen. Wir veranstalten daher eine Under-Construction-Party mit Blauhelmen und Blaumännern. Es wird also – wie immer – für beste Stimmung gesorgt sein.

Dr. Daniela Antonin Aeberli in der Ausstellung Happy Birthday, Royal Copenhagen!
Vase aus Sévres mit dem Porträt von Königin Marie Antoinette (rechts, Foto: Horst Kolberg).

Was ist Ihr persönliches Lieblingsstück im Museum?
Mein Lieblingsstück betrifft eine Vase aus Sèvres mit dem Porträt von Königin Marie Antoinette von Frankreich. Dieses Porzellan gibt es nur bei uns im Hetjens Museum. Das Pendant mit dem Porträt ihres Ehemannes Ludwig XV. besitzen wir ebenfalls. Die Vasen sind aus der Zeit der Galanterie. Das Porträt zeigt die elegant gekleidete und reich mit Juwelen geschmückte junge Regentin. Dreht man die Vasen um, sieht man duftig gestaltete, große Blumensträuße in leuchtenden Farben. Im Unterschied zum Meissener Hartporzellan, leuchten die Farben beim französischen Weichporzellan sehr stark. Auch Gold wurde großzügig verarbeitet. Das Portrait zeigt eine unbeschwert lächelnde Marie Antoinette, nichts weist auf den dramatischen Tod der französischen Königin hin.

Weitere Informationen unter duesseldorf.de/hetjens.

Text: Clemens Henle
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung des Hetjens Museum
Aufmacherfoto: Isabella Hodgson

Jetzt zum Newsletter anmelden und keine Neuigkeiten mehr verpassen