
Japan-Tag – Die Koto-Damen spielen das traditionelle Saiteninstrument
„Ein Mal im Monat kommt eine Mitspielerin extra aus Italien zu unseren Proben angereist.“
Heutzutage ist der Japan-Tag ein riesiges Fest der japanischen Kultur mit vielen hunderttausend Besucher*innen, Massen an bunt verkleideten Manga-Fans und zahlreichen Food-Stände für Feinschmecker*innen. Auf der Bühne am Burgplatz entpuppt sich der Japan-Tag noch als das ursprünglich kleine Fest der japanischen Community, aus der das Kulturevent entstanden ist. Im Laufe des Tages treten Kindergruppen des japanischen Kindergartens auf, Taiko-Trommler*innen, der Japanische Chor oder auch die Koto-Gruppe des Japanischen Clubs. Wir durften einige Musiker*innen während der Proben aufsuchen und mit der Leiterin Tomoko Schmidt über das Saiteninstrument Koto und japanische Traditionen sprechen.

Traditionell und angenehm unaufgeregt ist die Koto-Gruppe des Japanischen Clubs. Im Vergleich zum trubeligen, lauten und manchmal schrillen Treiben während des Japan-Tags, wirken die Frauen mit ihren Instrumenten geradezu erdend und ausgleichend. Die Koto-Gruppe das sind acht Damen gekleidet in farbenprächtigen Yukatas – so heißen die leichten Sommer-Kimonos – und sie spielen luftige Melodien auf dem Koto. Die japanische Zither ist allein durch ihre Ausmaße ein beeindruckendes Instrument. „Das Koto ist 1,80 Meter lang, hat 13 Saiten und wiegt etwa fünf Kilo“, erklärt Tomoko Schmidt, Leiterin der Gruppe. Seit 2004 tritt die gebürtige Japanerin mit dem sehr deutschen Nachnamen auf dem Japan-Tag auf. „Damals war alles noch viel kleiner und überschaubarer, es ist im Laufe der Jahre so viel Neues dazugekommen“, so Frau Schmidt. Aber genau diese Mischung aus Neuem und Traditionellem sei ja schließlich ein Sinnbild für die moderne japanische Kultur.

Aus vollkommen anderen Zeiten stammt das Instrument, das Frau Schmidt bereits seit ihrem achten Lebensjahr spielt. „Das Koto ist ein chinesisches Instrument, das im achten Jahrhundert nach Japan gekommen ist“, sagt die Koto-Obermeisterin. Lange Zeit war es ein höfisches Instrument, das vor allem von blinden Musikern gespielt wurde. Erst während der Herrschaft von Kaiser Meiji (1867 – 1912), der Japan von einem Feudalstaat zu einer modernen imperialen Großmacht verwandelte, wurde das Instrument von allen gesellschaftlichen Schichten des Landes gespielt. „Es gibt zwei große Koto-Schulen, die Ikuta- und die Yamada-Schule“, erklärt Frau Schmidt. Diese unterscheiden sich erstens in der Benutzung unterschiedlich geformter Plektren – kleine Blättchen an den Fingern zum Zupfen der Saiten – und zweitens in der Notation. „Wir benutzen nämlich keine westliche Notation mit Dur und Moll, sondern eine Zahlennotation, die anzeigt, wie lang und welche Saite gezupft wird“, sagt Frau Schmidt. Und doch hat das Koto-Spiel seinen Weg in die westliche Popmusik geschafft. Rock-Idole wie David Bowie, Rolling Stones, Queen oder Genesis haben es wegen seines Klanges in ihre Musik einfließen lassen. Und ein Koto-Sample ist weltberühmt: Der sehr ohrwurmige Riff von Dr. Dre und Snoop Dogg in „Still D.R.E.“ aus dem Jahr 2001 stammt von einem Koto!

Während die Beschaffung von Noten oder Hörbeispielen heutzutage digital ganz einfach ist, erfolgt die Wartung des Koto noch analog. Dazu kommt ein Koto-Bauer alle zwei Jahre eigens nach Europa geflogen. Er pflegt die Instrumente aus feinem Paulowina-Holz, besaitet sie neu und stimmt sie. „Der Koto-Bauer besucht alle Koto-Gruppen in Europa und macht natürlich auch bei uns in Düsseldorf halt“, erzählt Frau Schmidt. Besonders stolz ist die Koto-Lehrerin, dass sich auch Jugendliche der Japanische Schule, wo sie unterrichtet, für das Koto begeistern: „Auch in Japan wird nicht mehr so viel Koto gespielt, daher ist es toll, dass wir in Düsseldorf Nachwuchs haben.“ Wöchentlich kommen rund zehn Personen zur Probe in den Japanischen Club, von jung bis alt. „Ein Mal im Monat kommt eine Mitspielerin extra aus Italien zu unseren Proben angereist.“, sagt Tomoko Schmidt sichtlich stolz.

Von Düsseldorf, dem Japan-Tag und der guten japanischen Gemeinschaft ist auch die Mitspielerin Sachko Miyzawa begeistert: „Ich wohne seit 20 Jahren in Düsseldorf, hier gibt es einfach alles, was man braucht.“ Besonders bei Besuchen des EKŌ-Hauses in Niederkassel bekommt Frau Miyzawa Heimatgefühle. „Das EKŌ-Haus sollten alle mal besuchen, zum Beispiel zum Gartenfest im September. Da gibt es echte japanische Kultur“, so Frau Miyzawa. Und in welches japanische Restaurant gehen die Beiden am liebsten? „Ich gehe am liebsten in einem der Supermärkte einkaufen und koche zu Hause“, sagt Frau Schmidt. Und einen Joker hat sie dabei auch noch im Ärmel: „Manchmal bestelle ich mir einfach einen japanischen Koch nach Hause, denn da ist es am schönsten.“
Sakura am Japan-Tag
Für den Auftritt am Japan-Tag haben die Frauen der Koto-Gruppe rund um ihre Leiterin ausgiebig geübt. „Das Spiel in der Gruppe macht richtig Freude“, erklärt Frau Miyzawa, die die traditionelle Kultur ihrer Heimat sehr gerne auf dem Japan-Tag präsentiert. Passenderweise unter anderem mit dem Jahrhunderte altem Lied Sakura über die japanische Kirschblüte.
Weitere Informationen zu den japanischen Chören unter Japanischer Club Düsseldorf.
Info
Am 24. Mai ist Japan-Tag. Am Burgplatz, Johannes-Rau-Platz, an der Immermannstraße und weiteren Orten findet ein abwechslungsreiches Programm rund um die japanische Kultur statt – von traditionellen Kampfkünsten über Musik- und Tanzaufführungen bis hin zu kulinarischen Erlebnissen und Mitmachaktionen.
Alle Informationen findet ihr unter Japan-Tag Düsseldorf/NRW.
Text: Clemens Henle
Fotos: Uwe Kraft



