Alain Bieber, der die Pop-up Galerie Balla Balla eröffnet hat, sitzt in einem rosafarbenen T-Shirt auf einer Tischtennisplatte. Im Hintergrund sieht man eine schwarze Wand, auf der in Weiß Street Art zu sehen ist.

Balla Balla mit Alain Bieber – Der Pingpong Pop-up zwischen Kunst & Kö

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„Dieses Projekt hier macht mir richtig Spaß, weil es viel bodenständiger zugeht und nicht so elitär gelabert wird.“
Alain Bieber

Balla Balla heißt das aktuelle Projekt von Alain Bieber. Eine Pop-up Gallery im Düwell, die Kunst für kleine Mark und große Euro anbietet. Tack-tack-tack hallt es durch den Raum. Es ist das rhythmische Klick-Klacken der Tischtennisbälle, dass einen beim Eintreten begrüßt, ein Bällebad für Erwachsene. Bei Balla Balla geht es um Pingpong als gemeinschaftliches Erlebnis in einer kreativ-künstlerischen Atmosphäre. Der richtig geile Scheiß hängt an Wänden oder ist auf Tischen platziert, gemeint sind die Grafiken, Bilder, T-Shirts, Objekte und weitere Arbeiten aus der Düsseldorfer Kunst- und Kreativszene. Aus dem hinteren Teil der Pop-up Gallery dringt das Klick-Klack ins Ohr und führt unweigerlich zu den Tischtennisplatten.

Man sieht in der Balla Balla Galerie eine in Schwarz und Weiß aufgeteilte Wand, an der Bilder hängen und darüber in Gelb "Richtig geiler Scheiß" gesprüht ist.

Erfinder dieses ungewöhnlichen Kulturspielplatzes ist Alain Bieber. Pünktlich zum Eröffnungstag hat er nach zehn Jahren als künstlerischer Leiter des NRW-Forums seinen Ausstand dort gefeiert. „Balla Balla ist jetzt meine Zukunft“, sagt Bieber stolz. Während seiner Amtszeit verjüngte er das NRW-Forum, brachte neue Zielgruppen in das Ausstellungshaus und provozierte den etablierten Kulturbetrieb immer wieder mit seinen plakativen und poppigen Ausstellungen rund um Themen wie Sex, Sneakers, Spielzeug, Kunst von Stars, Superhelden und Street Art.

„Dieses Projekt hier macht mir richtig Spaß, weil es viel bodenständiger zugeht und nicht so elitär gelabert wird“, erklärt Alain Bieber, während er leere Bierflaschen in Kisten sortiert. Vom Ausstellungschef zum anpackenden Neuunternehmer, Bieber fühlt sich wohl in seiner neuen Rolle, bei der er freie Hand hat. Nicht umsonst heißt die Ausstellung mit Bildern von Künstler*innen wie Holger Kurt Jäger, Roman Klonek oder Tim Berresheim *Richtig geiler Scheiß!. Der Titel ist rotzig auf die Wand gesprüht, die Bildbeschreibungen hat Bieber persönlich handschriftlich daruntergesetzt. Bereits für 30 Euro bekommt man einen Print mit erheiternden Wortspielen von Michelle Tophinke. Teurer sind die Arbeiten von Roman Klonek, dessen aufwendige Holzdrucke zwischen 400 und 1.500 Euro kosten. Originalbilder des Düsseldorfer Künstlers Holger Kurt Jäger, der für seine ironisch-konzeptuelle Malerei und ungewöhnliche Objektkunst bekannt ist, sind ab 1.100 Euro zu haben.

Man sieht einen Bilderrahmen mit zwei comichaften Enten. Unter einer steht: Abituriente. Unter der anderen: Herr der Elemente.

Überhaupt setzt der Pingpong Pop-up einen Kontrapunkt im Düwell, das vielen noch als Stilwerk in Erinnerung ist. Die Gallery-Mall ist nur 100 Meter von der Kö entfernt an der Grünstraße. Während im Erdgeschoß und in der ersten Etage etablierte Einrichtungs- und Küchenmarken aus dem Premiumsegment zu finden sind, werden in den oberen Stockwerken neue Pfade beschritten. Neben Balla Balla findet sich unter anderem ein Co-Working-Space. Mit diesem Mixed-Use-Konzept soll das 25 Jahre alte Bauwerk zukunftsfähig werden – mit flexiblen Nutzungsmöglichkeiten, kurzen Wegen und Eventflächen für neue Ideen.

Wie lange der Pop-up bleibt, sei noch nicht klar, sagt Alain Bieber, bis Ende des Jahres aber auf jeden Fall. Er würde gerne im Düwell weitermachen und Balla Balla zu einem Franchise ausbauen. „Social Sport ist gerade ein großes Trendthema, es gibt Sachen wie den Sunday Running Club, der total boomt“, so Bieber. Bei Balla Balla kann man folgerichtig die Tischtennisplatten als Gruppe mieten, Bewegung mit sozialem Mehrwert, spontanen Treffen oder sogar Dates vereinen. Und das Ganze ohne starre Vereinsstrukturen oder monatliche Abos, dafür aber mit viel Spaß in einem neuen Raum, der sich irgendwo zwischen Galerie, Concept Store und Pingpong-Location bewegt. „Am Ende soll es sich, wie in einem Wohnzimmer anfühlen. Ich will mit Balla Balla die Community verbinden“, erklärt Bieber.

Und weiter: „Tischtennis hat eine soziale Komponente, man kommt mit vielen Menschen in Kontakt.“ Alain Bieber hat selbst viel auf dem Schulhof gespielt. Und dass er das nicht ganz verlernt hat, zeigt er mit harten Schmetterbällen und schnellen Abwehrschlägen selbst an der Platte. In der Hand hält er dabei einen ungewöhnlichen, sechseckigen Schläger. „Der ist von unserem Partner Stiga, einer schwedischen Tischtennismarke, die auch die Platten stellt“, erklärt Bieber.

Das Foto zeigt einen Pyramiden-artigen Aufbau von Tischtennisbällen. Das Foto wird zu den Rändern hin immer unschärfer.

In einer Ecke des rund 700 Quadratmeter großen Raumes türmt sich vor der Bar eine Pyramide aus Tischtennisbällen. Denn Bälle sind das Thema der Bar, darum sind alle Snacks rund. Zu trinken bietet Bieber ausgewählte Biersorten, Limonade und Sekko Soziale (pro verkauften Liter spenden die Winzer*innen einen Euro an das Naziaussteigerprogramm Exit Deutschland). Das Angebot möchte Alain Bieber weiter ausbauen: „Ich würde gerne frittierte Snacks anbieten, dafür fehlt mir aber noch die Genehmigung und vor allem ein Fettabscheider. Richtige Drinks würde ich auch gerne dazu anbieten.“

Man spürt mit welcher Überzeugung und mit wie viel Elan Alain Bieber an seine neue Aufgabe herangeht, und dass eine gewisse Last abgefallen ist. „Das Schönste für mich war in den letzten Tagen vor der Eröffnung, mit den Handwerkern durch Baumärkte zu laufen“, erzählt Bieber, der wieder hinter seiner Theke steht und Kühlschränke mit frischen Getränken befüllt. Im Hintergrund hallt das Klackern von Tischtennisbällen durch den Raum, unterbrochen von angeheiterten Unterhaltungen. Soviel steht fest, mit Balla Balla hat Alain Bieber einen Nerv getroffen.

Info

Was kostet es, bei Balla Balla Tischtennis zu spielen?
Die Preise für eine Stunde starten bei 19 Euro, für den abgetrennten VIP-Raum mit leuchtender Tischtennisplatte muss man zwischen 24 und 34 Euro bezahlen.
Wo gibt es Tischtennisschläger?
Du bekommst alles vor Ort, inklusive des neuen sechseckigen Schlägers von Stiga.
Gibt es weitere Events?
Ja, es gibt klassische Rundlauf-Partys: Am 13. Dezember legt beispielsweise Lucas Croon Platten auf, während an den anderen Platten gespielt werden kann. Weitere Termine unter ballaballa.fun.

Text: Clemens Henle
Fotos: Eugen Shkolnikov

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