
Altus Bräu – Das Bio-Altbier von Anthony Boniteau und Tim Kasparek
Made in Düsseldorf
„Wir haben hier in der Kneipe in sehr jungen Jahren unsere ersten Altstadt-Erfahrungen gemacht und unser erstes gezapftes Altbier getrunken.“
Altus Bräu ist das erste Bio-Altbier in und um Düsseldorf. Für Anthony Boniteau und Tim Kasparek eine klare Sache, denn sie fühlen sich Traditionen ebenso verpflichtet wie der Nachhaltigkeit. Während der Lockdowns entsteht die Idee, Düsseldorfs erstes Bio-Altbier zu brauen und damit den Grundstein für ihr Unternehmen Altus zu legen. Fünf Jahre später treffen wir Anthony und Tim auf der Baustelle ihres zukünftigen Stammhauses in den Räumlichkeiten der Traditionskneipe Kneipe an der Liefergasse. Ein Interview mit Anthony auf der Baustelle über Altus Bräu, milde Biersorten und den Wert von Kronkorken.

Anthony, wir stehen in der ehemaligen Kneipe an der Liefergasse, ein Düsseldorfer Traditionslokal, das jetzt noch ein Rohbau ist. Ihr renoviert und saniert den Laden und wollt ihn zu eurem Stammhaus machen. Warum ausgerechnet die Kneipe?
Die Kneipe ist ein sehr nostalgischer Ort, für uns wie für viele andere Düsseldorfer*innen. Wir haben hier in sehr jungen Jahren unsere ersten Altstadt-Erfahrungen gemacht und unser erstes gezapftes Altbier getrunken.
Als geborene Düsseldorfer fühlt ihr euch beide dem Altbier also sehr verbunden. Habt ihr deshalb angefangen, es selbst zu brauen?
Die Idee, unser eigenes Bier zu brauen, bekamen wir während der Lockdowns – als Studenten hatten wir damals eine Menge Zeit. Weil wir generell sehr auf das Thema Nachhaltigkeit achten, haben wir uns gedacht: Hey, lass uns doch einfach ein Bio-Altbier brauen. Wir hatten gesehen, dass es auf dem Markt noch keins gab, was uns sehr verwundert hat, da der Trend seit Jahren in diese Richtung geht. Zunächst haben wir mit Selbstbrausets jeweils 20 Liter gebraut. Unterstützung haben wir von einem Freund bekommen, der Brauer ist und uns bei den ersten Brauvorgängen begleitet hat.
Es war also zunächst ein Zeitvertreib. Wie kam es denn zu der Idee, das Hobby zum Beruf zu machen und Altus Bräu zu gründen? Was ist euer Konzept?
Wie gesagt: Wir brauen das erste Düsseldorfer Bio-Altbier überhaupt. Entsprechend ist klar, womit wir uns primär von anderen Brauereien absetzen möchten. Wir sind aber nicht nur bio, sondern unterscheiden uns von den anderen Düsseldorfer Hausbrauereien auch im Markenauftritt, angefangen bei unseren Flaschen, die ein minimalistisches Design und eine modernere Form haben. Und wir unterscheiden uns geschmacklich. Altbier ordnet man als ein etwas herberes Bier ein, Altus ist auf der Altbierskala aber mit Sicherheit das mildeste.

Warum habt ihr euch für einen milderen Geschmack entschieden?
Tim und ich haben kein Problem mit bitteren Bieren, weil wir Alt seit unserer Jugend trinken und finden, dass es zu Düsseldorf gehört. Der Trend geht aber weg vom Alt, hin zu milderen Biersorten – bei jungen Leuten funktioniert besonders Helles sehr gut. Wir wollten unbedingt ein Alt brauen, das auch Menschen schmeckt, die nicht so Altbier-affin sind. Deshalb verfolgen wir die Idee, mit einem milderen Geschmack möglichst viele Leute von Altus zu überzeugen.
Wie gelingt euch das? Habt ihr eine spezielle Art zu brauen?
Wir haben natürlich unser eigenes Rezept, an dem wir lange getüftelt haben. Zwischen dem ersten Brauversuch von 2021 und unserem Markeneintritt lagen zwei Jahre. Dabei war die Unterstützung des bereits erwähnten Brauers aus unserem Freundeskreis extrem wichtig. Letztendlich wollten wir ein klassisches, aber eher süffiges und mildes Altbier brauen, das gut bekömmlich ist und trotzdem seinen ganz speziellen Charakter hat.
Wo wird Altus gebraut?
Angefangen haben wir in Gerresheim mit einer relativ kleinen Anlage, wir sind allerdings ziemlich schnell gewachsen und mussten uns etwas Größeres suchen. Derzeit sind wir noch zu jung und zu klein für eine eigene Produktion – die Investitionskosten sind zu hoch. Daher lassen wir derzeit Lohnbrauen, was in der Branche durchaus üblich ist: Eine andere Brauerei braut für uns das Bier nach unserem Standard und Rezept. Es ist aber unser ultimatives Ziel, irgendwann unsere eigene Brauerei zu haben …

… die dann die erste Biobrauerei in Düsseldorf wäre. Warum ist euch das Thema so wichtig?
Der Nachhaltigkeitsaspekt und ein kontrolliert ökologischer Anbau ohne Gentechnik und Pestizide sind für uns und vor allem für die Umwelt sehr wichtig. Natürlich sind konventionell gebraute Biere nicht schlecht, aber wir möchten ein paar Dinge anders machen – und das fängt bei den Biozutaten an, die wir ausschließlich aus deutscher und ökologisch zertifizierter Landwirtschaft beziehen.
Nachhaltigkeit bedeutet für euch aber nicht nur, Bio-Altbier zu brauen. Was kommt noch dazu?
Nachhaltigkeit definiert sicherlich jede*r individuell. Wir denken dabei auch an soziales Engagement. Derzeit sind wir noch eine kleine Firma und haben dementsprechend nicht allzu große Mittel, aber helfen gerne mit dem, was uns zur Verfügung steht. Dazu gehört, Kulturveranstaltungen von jungen Künstler*innen durch Sponsoring, aber auch, die Initiative Kein Alt für Nazis zu unterstützen, mit deren Zielen wir uns sofort identifizieren konnten.
Außerdem sammelt ihr Krönchen für die Caritas und verkauft sogenannte Spendenkisten. Was steckt hinter diesen Projekten?
Kronkorken sind ein Wertstoff, den man in großen Mengen zu Geld machen kann. Wir sammeln sie daher für die Caritas. Unsere Spendenkisten werden immer wieder als Teil der Bestellungen von Privatkund*innen und Gastronomien mitgeliefert. Die Einnahmen vom Verkauf dieser Kisten werden gespendet wie Zum Beispiel an Fiftyfifty, das Projekt für Wohnungslose.

Neben dem Nachhaltigkeitskonzept: Wie positioniert ihr eure Marke und funktioniert Altus Bräu auch außerhalb von Düsseldorf?
Momentan konzentrieren wir uns hauptsächlich auf Düsseldorf und wollen uns hier etablieren, auch wenn immer mehr Kund*innen aus den Nachbarstädten Neuss, Krefeld oder Mönchengladbach auf uns zukommen. Ein Produkt wird immer assoziiert mit dem Ort, an dem es konsumiert wird. Sprich: Ist die Location cool, assoziiert man sofort auch ein cooles Produkt. Daher haben wir die Gastronomien, mit denen wir arbeiten, sehr gut ausgewählt. Altus wird also in Läden ausgeschenkt, die wir selbst gut finden, um einen gewissen Brandfit herzustellen und die Marke aufzubauen.
Welche sind das?
Man bekommt Altus im Velvet an der Stresemannstraße, im Bistro und der Weinbar von Bulle oder im Giselle, eine sehr coole, relativ neue Bar an der Oststraße. Im Handel sind wir in einigen Edekas, in allen Düsseldorfer Superbiomarkt-Filialen, aber auch an einigen Büdchen vertreten. Es gibt noch viele andere Partner wie das Forum an der Lorettostraße, übrigens der einzige Laden, in dem es Altus vom Fass gibt.
Wie haben die alteingesessenen Düsseldorfer Brauhäuser auf euch reagiert? Gibt es Konkurrenzdenken?
Wir wollen auf keinen Fall mit den anderen Altbierbrauereien in Konkurrenz treten, ganz im Gegenteil. Bisher haben wir uns aber noch nicht konkret ausgetauscht – das hat sich einfach noch nicht ergeben. Wir alle wollen eine Tradition bewahren, die in Düsseldorf leider immer weniger wichtig geworden ist. Dementsprechend ist ein Altbier mehr sicherlich gut für die Stadt.

Bald werdet ihr in den geschichtsträchtigen Räumlichkeiten der Kneipe euer Stammhaus eröffnen. Gibt es dafür schon einen konkreten Termin?
Du siehst selbst, wie es aktuell noch aussieht. Ein konkretes Datum für die Eröffnung können wir daher derzeit leider noch nicht nennen, wollen aber noch vor dem Sommer eröffnen. Die Kneipe befindet auf einer der ältesten Straßen Düsseldorfs, von 1288, im Untergeschoss findet sich angeblich der älteste Bierkeller Düsseldorfs. Das Haus ist denkmalgeschützt und aus dem 18. Jahrhundert, dementsprechend steckt viel Geschichte drin. Wir fühlen uns verpflichtet diese Geschichte wieder sichtbar zu machen.
Ihr setzt beim Umbau ebenfalls auf Nachhaltigkeit. Worauf achtet ihr?
Wir versuchen, möglichst viele im Haus verbaute Materialen wiederzuverwenden: alte Ziegel, Steine, die Stufen und vieles mehr. Wie die Kneipe am Ende aussehen wird, soll eine Überraschung bleiben, allerdings wollen wir den ursprünglichen Charme des Hauses wieder sichtbar machen – zuvor waren die Räume komplett verkleidet.
Wir sind sehr gespannt – und freuen uns auf eure Eröffnung. Jetzt steht aber erst einmal Karneval vor der Tür. Wo feiert ihr die tollen Tage? Und gibt es vielleicht auch ein Altus-Event?
Da unser Stammhaus noch nicht fertig sein wird, werden wir in dieser Session noch keine eigene Karnevalsparty machen können. Wir feiern aber vielleicht trotzdem hier, im privaten Kreis mit unseren Freund*innen – und ziehen später bestimmt noch in die Altstadt.
Text: Katja Vaders
Fotos: Eugen Shkolinkov



