
Pommes und Wein – Wie Toni Askitis Streetfood mit Spitzenweinen mixt
Fine Wine, Fast Food, Full Vibe
Wir sind bei Pommes und Wein, es läuft Hip-Hop im Hintergrund, über 750 Weine sind auf der Karte und das Signature Dish heißt Pommes mit Currywurst. Toni Askitis ist Sommelier, Weinexperte, Sohn einer griechischen Gastronomenfamilie und einer, der Wein aus der elitären Ecke geholt hat. Aufgewachsen zwischen Imbiss und Restaurant in Düsseldorf, geprägt von Skate- und Graffiti-Kultur, verbindet er edle Weine mit Street Vibes. Als #asktoni erklärt er auf Instagram Wein, organisiert Pop-ups mit Winzer*innen an besonderen Orten in Düsseldorf – und hat mit Pommes und Wein am Graf-Adolf-Platz seine ganz eigene Homebase geschaffen – wo Blockparty auf Burgund trifft.

Als #asktoni erklärst du Wein auf Instagram – mit Reels, Pairings und viel Klartext. Wie nimmst du Menschen die Schwellenangst vor Wein?
Ich spreche einfach, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich kann natürlich auch Profi-Talk, aber muss das nicht ständig beweisen. Mir geht es darum, eine Sprache zu finden, die Menschen wirklich erreicht. Ich erkläre komplexe Dinge so, dass sie greifbar werden. Nicht vollständig, nicht akademisch, sondern so, dass eine Tür aufgeht. Dahinter ist es ja grenzenlos. Das war auch der Gedanke hinter meinem Buch Wein ist unkompliziert. Es ist keine Enzyklopädie, sondern eine Einladung. Die Leute sollen sagen: „Ich habe keine Ahnung, ich will einfach leckeren Wein.“ Und dann holen wir sie genau da ab.

Du bist in der Gastronomie aufgewachsen – deine Eltern hatten einen griechischen Imbiss und später ein Restaurant in Düsseldorf. Wann war für dich klar, dass Gastronomie und Wein dein Weg werden?
Eigentlich war Gastronomie schon früh gesetzt. Ich musste schließlich immer ran. Meine Mutter meinte: „Wir machen das hier nicht nur für uns, sondern für euch alle.“ Das ist Real Talk. Ich war von klein auf in den Familienbetrieb integriert und habe nach einem Auslandssemester relativ schnell die Betriebsleitung übernommen. Zum Thema Wein erinnere ich mich an eine Szene kurz vor dem Abitur. Meine Mutter sagte: „Vielleicht wirst du ja Sommelier.“ Ich wusste damals nicht mal genau, was das ist. Aber da wurde ein Samen gesetzt.
Du hast BWL studiert und bist dann Sommelier geworden. Warum dieser Weg?
Als Gastronom muss man rechnen können – und Wein und Zahlen sind meine beiden Superpowers. Als ich mit einem Partner mein eigenes Casual Fine Dining Restaurant, das D’Vine hatte, wollte ich einen Sommelier einstellen. Als ich gesehen habe, was die verdienen, dachte ich: Für das Geld lasse ich mich lieber selbst ausbilden. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich bei Food-and-Wine-Pairing an Grenzen stoße. Und das ist die Königsdisziplin. Wenn man Wein ernst nimmt, muss man tiefer eintauchen. Also habe ich die Ausbildung nebenbei gemacht.

Heute betreibst du Pommes und Wein – einen Imbiss mit 750 Weinen auf der Karte. Wie kam es dazu?
Der Pavillon am Graf-Adolf-Platz war für mich schon als Kind ein besonderer Ort. So ein cooles Gebäude mitten in der City – das ist unique. Nachdem ich das D’Vine verkauft habe, war ich viel online unterwegs, habe Social Media und Tastings gemacht und Pop-ups in ganz Düsseldorf organisiert. Aber nur ins Gerät zu sprechen, war mir zu wenig. Ich wollte sozusagen wieder Menschen anfassen. Also brauchten wir eine Homebase. Die Idee, Imbiss und Weinbar zu kombinieren, kam auch von meiner Frau. Und weil meine Eltern Imbissbuden hatten, waren die Rezepte schon da.
Was macht die Energie dieses Ortes aus – warum fühlt es sich bei Pommes und Wein eher nach Blockparty als nach Weinverkostung an?
Das Wichtigste bei Pommes und Wein ist Realness. Keine Barrieren. Du kannst reinkommen, Pommes essen, ein Glas Wein trinken – oder aber Bier. Niemand muss performen. Ich stehe hinter jedem Wein auf der Karte, die von 26 bis zu 2.500 Euro die Flasche kosten. Wir haben uns den Laden gebaut, in dem wir selbst gerne rumhängen würden. Die Leute kommen für den Vibe. Wir machen regelmäßig Daydrinking-Events mit Hip-Hop, DJs und Gastwinzer*innen. Künstler wie Steffen Mumm oder Holger Kurt Jäger gestalten unsere Fassade regelmäßig mit Graffitis um. Das wird dann selbst zum Event – Kunst, Musik, Wein, alles fließt zusammen.




Welche Weine empfiehlst du denn zu Pommes?
Wir arbeiten viel mit offenen Weinen, die bewusst kuratiert sind. Es geht nicht um Mainstream, sondern um Charakter, der funktioniert. Das kann ein karger Riesling sein, etwas Burgundisches oder ein Wein mit feiner Restsüße. Und wir haben immer einen gereiften Riesling im offenen Ausschank – mindestens 30 Jahre alt. Ich erzähle so viel darüber, da wäre es absurd, ihn nicht zugänglich zu machen. Wein muss erlebbar sein.
Warum erlebt Wein gerade so einen Hype?
Weil er demokratischer wird. Die Leute trauen sich. Früher hatte man Angst, sich zu blamieren. Heute sagen viele: Ich probiere das jetzt. Und wenn Menschen merken, wie gut Wein mit Essen funktioniert, wie vielfältig er durch seine Komplexität ist, dann macht der Genuss wahnsinnig Spaß.

Was gibst du Menschen mit, die sich an Wein herantasten?
Nehmt zuerst die Hürde zum handwerklich gemachten, nachhaltigen Wein! Diese Hürde sollte man auf jeden Fall einmal bewusst nehmen. Und erst dann gilt: Schmeckt es euch oder nicht? Am Ende ist das euer Maßstab. Aber gebt gut gemachtem Wein zuerst eine echte Chance – und entscheidet dann selbst.

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Gibt es Weine, die dich persönlich besonders geprägt haben, die du immer wieder trinkst oder empfiehlst?
Ja, auf jeden Fall. Pinot Noir aus Burgund zum Beispiel – das ist für mich einfach crazy, diese Tiefe und Eleganz. Dann Xinomavro aus Griechenland. Und das nicht nur wegen meiner Herkunft, sondern weil diese Rebsorte wirklich großartig ist. Und gereifte Moselrieslinge mit Restsüße haben mich auch stark geprägt. Aber gleichzeitig darf sich das auch verändern. Genau das liebe ich an meinem Beruf: Die Weinwelt ist so vielfältig, die Reise ist nie zu Ende. Es gibt immer neue Regionen, neue Jahrgänge, neue Handschriften. Und genau das macht es spannend.

Auf der ProWein trifft sich die internationale Weinwelt in Düsseldorf. Welche Rolle spielt die Messe für dich – und was machst du dort konkret?
Die ProWein ist eine internationale Leitmesse auf heimischem Boden. Für Düsseldorf bedeutet sie volle Hotels, volle Restaurants, echte Energie in der Stadt. International spielen wir bei vielen Weinmessen eher eine Nebenrolle – hier sind wir Nummer eins. Das ist unsere Bühne. Früher bin ich einfach zum Trinken hingegangen, heute kuratieren wir die Urban Gastronomy Lounge mit Workshops für Einsteiger*innen und Profis. Wir zeigen, vor allem Food- und Wine-Pairings – und streamen alles live, damit auch Menschen ohne Messeticket teilnehmen können. Wein ist Kultur. Und Kultur sollte zugänglich sein.

Und wo genießt du Düsseldorf am liebsten?
Meistens da, wo gutes Essen ist. Ich liebe japanische Küche, koreanische Aromen oder chinesische Gerichte. Spots wie das Olio, Em Brass, Nagomi oder das Hutong Bistro geben mir genau diese Mischung aus Qualität und Entspanntheit. Privat genieße ich die Kompaktheit der Stadt: viel Fahrradfahren, den Rhein und Zoopark mit meinen Kids. Wenn Winzer*innen oder Gastrofreund*innen aus anderen Städten da sind, setze ich sie aufs Rad und fahre mit ihnen zu den besten Düsseldorfer Gastrospots. Düsseldorf ist Heimat – so wie Griechenland auf eine andere Art auch Heimat ist. Man spürt im Herzen, wo man zu Hause ist.
Weitere Informationen bei Instagram unter pommesundwein.
Was ist die ProWein? Und kann ich die Messe auch besuchen?
Die ProWein ist eine internationale Fachmesse für Weine und Spirituosen. Sie findet jährlich im Frühjahr in Düsseldorf statt. Die Messe gibt es seit 30 Jahren und gilt als internationale Leitmesse. Mittlerweile kommen Produzenten, Händler*innen, Sommeliers, Journalist*innen und Importeure aus mehr als 140 Ländern zur ProWein. Es handelt sich um eine Fachmesse.
Parallel zur Messe findet die ProWein City Vibes statt. In ganz Düsseldorf veranstaltet die Gastroszene Tastings, Bottle Partys, Kneipenquiz und weitere Events. In diesem Jahr sind die ProWein City Vibes vom 12. bis 17. März 2026.
Weitere Informationen bei Instagram unter prowein_city-vibes.
Text: Karolina Landowski
Fotos: Eugen Shkolnikov



