Man sieht Bettina Heinze (links) und Klaus Wählen in ihrer OBK Weinbar in Oberkassel an einem Stehtisch mit Wein vor sich.

OBK Weinbar – Auf ein Glas Oberkassel

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„Wir möchten mit der OBK Weinbar ein Ort sein, an dem es unkompliziert ist.“ (Bettina Heinze)

Die OBK Weinbar hat Klaus Wählen gemeinsam mit Dorina Sill und Bettina Heinze erst in diesem Jahr eröffnet. OBK, das ist für viele Oberkasseler*innen ein Spitzname, ja fast ein Kosename für ihr Viertel. Und obwohl Klaus Wählen und Dorina Sill mit der Eiskeller Weinbar bereits eine der bekanntesten Weinadressen Düsseldorfs betreiben, begann alles in OBK. Seit 1999 betreibt Klaus Wählen an der Oberkasseler Straße seinen Weinhandel. Gleich gegenüber hat er die OBK Weinbar eröffnet – gemeinsam mit Dorina Sill und Bettina Heinze. Im Gespräch erzählen Klaus Wählen und Bettina Heinze, warum Oberkassel für sie mehr ist als ein neuer Standort, was das Viertel jenseits seiner Klischees ausmacht und warum eine gute Weinbar vor allem eines sein sollte: persönlich, entspannt und niedrigschwellig.

Man sieht ein Regal mit Weingläsern und Weinflaschen und in orange die drei Buchstaben: OBK.

Ihr betreibt mit dem Eiskeller bereits ein bekanntes Weinlokal in der Altstadt. Was hat euch daran gereizt, ausgerechnet in Oberkassel eine Weinbar zu eröffnen?
Bettina Heinze: Klaus betreibt den Weinhandel gegenüber schon seit 1999. Oberkassel war für uns also bereits eine Heimat. Als direkt gegenüber die Location frei wurde, war klar: Diese Gelegenheit nutzen wir. Zumal viele Gäste aus dem Viertel schon lange gesagt haben: ‚Ihr müsstet auch hier in Oberkassel eine Weinbar eröffnen.‘ Für uns ist das ein schöner Full-Circle-Moment. Früher kamen viele Oberkasseler*innen über die Brücke in den Eiskeller – jetzt kommen wir gewissermaßen zu ihnen zurück.
Klaus Wählen: Und wir haben kurze Wege. Wenn jemand in der Bar ein Weingut entdeckt oder einen Wein besonders mag, kann er im Weinladen gleich eine Flasche mitnehmen. Diese Verbindung aus Bar und Weinhandel ist spannend.

Bettina Heinze (links) und Klaus Wähen stehen an einem Stehtisch und Bettina schenkt aus einer Flasche Wein in Gläser ein, während Klaus zufrieden lächelnd dabei zuschaut.

Was fehlt in Oberkassel, das eure OBK Weinbar bietet?
Bettina Heinze: Die Idee ist, dass man gezielt kommt, aber nicht unbedingt geplant. Nach dem Wochenendeinkauf auf einen Aperitivo, mit der Nachbarin auf ein Glas, auf eine Kleinigkeit gegen den Hunger. Es soll unkompliziert sein mit weniger Bargewusel. Es soll eher ein Stadtteiltreffpunkt sein mit ein bisschen Wohnzimmeratmosphäre.
Klaus Wählen: Man kann in Oberkassel sehr gut essen, keine Frage. Aber eine echte Weinbar, in die man einfach auf ein Glas kommt, gab es in dieser Form noch nicht. Der Fokus bleibt klar auf Wein, aber wir haben das Konzept um warme Küche und kleine Gerichte erweitert.

Wie sieht das Zusammenspiel aus Küche und Wein aus? Was steht auf der Karte und wie groß ist die Weinauswahl?
Bettina Heinze: Wir nennen es gerne Barfood bestehend aus ligurischen Oliven, gutem Brot mit frisch aufgeschlagener Butter, wechselnden Tagesgerichte und warmen Speisen. Ein kleiner Renner sind unsere Rindfleischkroketten. Herzhaft, ein bisschen deftig, bodenständig, aber mit einem Twist.

Man sieht ein hohes, bis zur Decke reichendes Regal voller Weinflaschen. Das Foto ist von schräg unten aufgenommen.


Klaus Wählen: Beim Wein ist die Auswahl breit gefächert, ähnlich wie im Eiskeller. Offen haben wir ungefähr 40 Weine, insgesamt stehen mehr als 300 Flaschen auf der Karte. Wir bieten vom klassischen Grauburgunder bis zu Burgund, Naturwein oder ungewöhnlicheren Rebsorten eine breite Auswahl.
Bettina Heinze: Wir wollen niedrigschwellig bleiben. Niemand soll das Gefühl haben, erst ein Weinseminar besuchen zu müssen. Wer sein Glas Grauburgunder trinken möchte, ist genauso willkommen wie jemand, der etwas Neues entdecken will.

Die Terrasse der OBK Weinbar liegt am Bürgersteig und in zwei Parkbuchten.

Viele Menschen trinken gerne Wein, haben aber Respekt vor umfangreichen Karten oder davor, das Falsche zu bestellen. Wie nehmt ihr in der OBK Weinbar euren Gästen diese Schwellenangst?
Bettina Heinze: Wir fragen erstmal: ‚Worauf hast du heute Lust? Weiß, Rosé, Rot? Leicht oder kräftig? Eher fruchtig, mineralisch, säurebetont, weich?‘ Und dann gibt es einen Probierschluck. So entscheidet am Ende der persönliche Geschmack.
Klaus Wählen: Das ist bei uns wirklich wichtig. Wir kommen mit der Flasche an den Tisch, zeigen den Wein, lassen probieren. Niemand muss aus einer langen Karte blind bestellen und dann mit einem Glas dasitzen, das ihm gar nicht schmeckt. Das ist seit Jahren ein kleines Erfolgsrezept im Eiskeller und gehört auch in der OBK Weinbar dazu.

Detailansicht: Man sieht drei Flaschen Wein im Anschnitt und das orangefarbene O aus OBK.


Bettina Heinze: Und wenn jemand zum zweiten, dritten Mal kommt, erinnern wir uns im besten Fall. Vielleicht an den gelben Muskateller vom letzten Besuch oder an eine Flasche, die besonders gut gefallen hat. Wenn jemand reinkommt und merkt, dass er bei der Auswahl nicht wieder bei null anfängt und sich dadurch wertgeschätzt fühlt, entsteht eine Verbindung.

Wie würdet ihr Oberkassel beschreiben, jenseits der üblichen Klischees?
Bettina Heinze: Ich komme selbst nicht aus Oberkassel, aber ich spüre ein anderes Tempo. Im Vergleich zur Altstadt ist es ruhiger, gemütlicher und auch ein bisschen traditioneller. Wenn man in diese kleine Bubble kommt, fühlt es sich fast wie ein geschützter Raum an. Und ich finde Oberkassel bunter, als das Klischee vermuten lässt.




Klaus Wählen: Oberkassel hat außerhalb des Stadtteils manchmal einen Ruf, der so nicht immer stimmt. Natürlich gibt es das Klischee, es sei reich und versnobt. Aber das Stadtviertel ist vielschichtiger. Es gibt alteingesessene Läden, kleine Geschäfte, Menschen, die schon lange hier leben, und zugleich viele neue, jüngere Familien. Was Oberkassel sehr lebenswert macht, ist die Mischung: Man ist schnell in der Stadt, schnell am Rhein, hat Grünflächen und eine gute Anbindung. Gleichzeitig hat man das Gefühl eines eigenen Viertels.

Welche Rolle kann eine Weinbar in einem Viertel spielen?
Klaus Wählen: Wir sehen uns als Stadtteilweinbar. Das Publikum spiegelt Oberkassel im Kleinen wider. Es sitzen ältere Herrschaften in der Bar, die in Ruhe ein Glas trinken, genauso wie Weinfreaks, die sich durch die Karte probieren wollen. Es ist sehr gemischt. Und genau so soll es sein.
Bettina Heinze: Wir möchten ein Ort sein, an dem es unkompliziert ist. Man kommt nach dem Einkauf vorbei, vor dem Spaziergang am Rhein, auf einen Espresso oder ein Glas Schaumwein. Wer lieber zu Hause oder am Rhein etwas trinken möchte, kann bei uns auch gekühlten Wein zum Mitnehmen bekommen: für den Balkon, fürs Rheinufer, für den spontanen Genuss.

Man sieht das Schaufenster und den Eingang des Weinhandels Eiskeller, der gegenüber der OBK Weinbar liegt.

Was unterscheidet einen Abend in Oberkassel von einem Abend in der Altstadt?
Bettina Heinze: In der Altstadt ist kein Abend wie der andere. In die Eiskeller Weinbar kommen Konzertbesucherinnen von der Tonhalle, Messegäste, Touristinnen, Leute vom Shopping-Bummel, aber natürlich auch viele Stammgäste aus dem Viertel. Das bringt Energie, aber auch Fluktuation. In Oberkassel kommen die Menschen gezielter. Sie wohnen oft um die Ecke, der Abend beginnt früher. Man kommt auf einen Sundowner, vielleicht noch auf eine Kleinigkeit zu essen, später auf einen Absacker. Alles ist entschleunigter.
Klaus Wählen: Den Eiskeller kann man ohnehin nicht kopieren. Das Backsteinambiente dort ist einzigartig, die Lage auch. Außerdem ist der Eiskeller über viele Jahre gewachsen. Die OBK Weinbar ist noch jung.

Wenn ihr selbst in Oberkassel unterwegs seid: Welche Orte mögt ihr besonders, für einen Kaffee oder ein nettes Dinner?
Klaus Wählen: Man muss Oberkassel eigentlich nicht verlassen, um sich kulinarisch wohlzufühlen. Man ist schnell irgendwo auf einen Kaffee, zum Beispiel bei Greentrees. Und wenn es ums Essen geht, gibt es viele gute Möglichkeiten: Stappen, Fratelli oder das Saitta. Diese Vielfalt macht für mich auch den Wohlfühlcharakter des Stadtteils aus.
Bettina Heinze: Bahners Früchtehaus mit seinem Mittagstisch ist so ein Geheimtipp. Gerade in der Entstehungsphase der OBK Weinbar, als noch alles Baustelle war, haben wir uns dort mit Vitaminen, Suppe und etwas Warmem versorgen konnten.

Zum Schluss noch einmal zurück zum Thema Wein. Ihr beschäftigt euch jeden Tag damit, beratet Gäste, entdeckt neue Flaschen, neue Jahrgänge, neue Regionen. Was bedeutet Wein für euch persönlich?
Bettina Heinze: Für mich ist Wein eine Never-Ending-Lovestory. Es gibt immer wieder einen Wein, der mich begeistert, eine Nuance, die ich noch nicht kannte, ein neues Aha-Erlebnis. Man ist nie fertig. Das ist das Schöne daran.
Klaus Wählen: Für mich gehört ein guter Wein zu Geselligkeit und gutem Essen. Und Wein ist Handwerk. Wenn man qualitätsorientiert trinken möchte, lohnt es sich eine Beratung bei Fachhändler*innen, in der Weinbar, bei Menschen, die sich damit beschäftigen. Wein wird nie langweilig. Anbaugebiete und Rebsorten verändern sich, neue Jahrgänge kommen. Es bleibt abwechslungsreich, spannend und faszinierend. Und genau diese Begeisterung möchten wir in der OBK Weinbar teilen.

Weitere Informationen bei Instagram unter obk_weinbar.

Was zeichnet die Eiskeller Weinbar aus?

Die Eiskeller Bar liegt gleich um die Ecke der Ratinger Straße, schräg gegenüber der Kunstakademie. Es ist eine ebenso charmante wie geschichtsträchtige Weinbar. Das historische Backsteingewölbe war einst Teil des alten Eiskellers, der den Düsseldorfer Fürstenhof mit Eis versorgte. Heute lagern über 300 Weine aus ganz Europa in dem Gewölbe. Vis-à-vis der Kunstakademie haben sich die Weinexpert*innen Dorina Sill und Klaus Wählen vor zehn Jahren niedergelassen. Die Tische tragen die Patina alter Güterwaggons, das warme Licht alter Fabriklampen taucht alles in weichen Glanz. Rund 45 Weine sind aus der Karte mit über 350 Positionen stets offen zu probieren. Die Weine stammen vor allem von kleinen, biodynamisch arbeitenden Winzerbetrieben. Auf der Karte finden sich beispielsweise Pinot und Chardonnay, kühle portugiesische Rotweine im Sommer und Raritäten aus den Dolomiten. Dazu gibt es feine Charcuterie aus der französischen Region Comté, Südtiroler Schinken, Eifeler Bauernkäse und das legendäre Käsegebäck von Gregor Buschmann. Französische Chansons und das warme Kerzenlicht schaffen eine Atmosphäre aus Bistro und Katakomben.

eiskellerbar.de

Text: Karolina Landowski
Fotos: Eugen Shkolnikov
Foto Eiskeller Weinbar: Kristina Fendesack

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