a beautiful place nearby - Lesung mit Prof. Dr. Robert Fleck
Lesung von Prof. Dr. Robert Fleck im Rahmen der Gruppenausstellung mit Marie Althöfer, Daniela Baumann, Ulrike Mörschel und Beatrice Richter, kuratiert von der Kunsthistorikerin Nicole Oversohl-Heusinger.
Die Ausstellung mit dem Titel "A Beautiful Place Nearby" widmet sich der Frage, ob Kunst in Zeiten des Klimawandels sein Potential als Kommunikationsmedium einsetzen und somit als Reflexionsraum wirken kann. Dabei soll jedoch keine aktivistische Ambition im Vordergrund stehen, sondern der Einfluss klimatischer Veränderungen und Nachhaltigkeits-Strategien auf künstlerische Prozesse, Materialien und Ausdrucksformen. Das kann sich in einer motivischen Bezugnahme auf oder aber in einer prozessualen Analogie zur Natur widerspiegeln. Ebenso gut kann sich die Kunst explizit auf das Thema „Nachhaltigkeit“ beziehen: Geringer Materialaufwand, niedriger CO2-Verbrauch bei der Herstellung, Wiederverwendbarkeit der Materialien oder der Gebrauch von bereits recycelten Produkten.
Dementsprechend arbeitet Marie Althöfer mit nicht mehr verwerteten Materialien. Ihre filigrane, aus Ausschussware gefertigte und an die mythische Figur Ikarus gemahnende Skulptur thematisiert Wiederverwertung und Kreislaufprozesse, während ihre konservierten Pflanzenobjekte an das Schützenswerte und die Fragilität der Natur erinnern.
Daniela Baumann nutzt bewusst das uralte Verfahren des Köhlerns: Aus gefundenem Holz stellt sie in aufwendigem Prozess Zeichenkohle her, mit der sie großformatige, energiegeladene Zeichnungen schafft. Hierbei interessiert sie besonders das Prozessuale des organischen Wachstums. Ihre Zeichnung wird sich im Laufe der Ausstellungzeit den Raum immer weiter erobern. So verbindet sie handwerkliche Transformation mit Reflexion über Ressourcennutzung und Vergänglichkeit.
Ulrike Möschel interveniert direkt im Raum, indem sie in Spalten und Ritzen der Architektur Pflanzen sät. Ihre Arbeit thematisiert das Rückerobern von Lebensraum durch die Natur und zeigt Wachstum als subversiven Prozess – ein wirkungsvolles Sinnbild für ökologische Kreisläufe und natürliche Transformationen zum einen, zum anderen aber auch das dystopische Bild einer kollabierenden Welt. Am Ende könnte das langsame Verdorren der Vegetation stehen.
Beatrice Richter schafft Collagen und malerische Kompositionen aus Fragmenten eigener, verworfener Arbeiten. Die so entstehenden Formen erinnern an wirbelnde Samen, Blätter oder Knospen. Ihr ressourcenschonender Umgang mit Material verbindet sich mit dem Motiv zyklischer Erneuerung – ein künstlerisches Sinnbild für die regenerative Kraft der Natur.
Allen vier in die Ausstellung involvierten Künstlerinnen ist gemeinsam, dass sie Naturprozesse nicht nur abbilden, sondern vor allem in ihre Arbeitsweisen integrieren – als Haltung zwischen Achtsamkeit, Nachhaltigkeit und ästhetischer Reduktion. In einer Zeit zunehmender „Klimamüdigkeit“ und Desensibilisierung gegenüber ökologischen Themen setzt "A Beautiful Place Nearby" auf leise, aber nachhaltige Impulse. Das Ausstellungsprojekt versteht sich dabei als lokaler Beitrag zu einem globalen Diskurs des Vernetzens und Mitdenkens im Sinne von Donna Haraways „Making Kin“, der den Schwerpunkt auf den Gedanken der Kooperation legt. Es handelt sich um ein „in situ“-Projekt: Die Werke entstehen in direkter Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsort. Dieser ist im Besonderen geprägt von der infrastrukturellen Umgebung der Kaiserswerther Straße und Theodor-Heuss-Brücke, aber auch vom nahegelegenen Grüngürtel des Rheinparks. Unser Ziel ist es, hier eine experimentelle Situation entstehen zu lassen, in der eine beziehungsreiche Kommunikation zwischen den Werken der Künstlerinnen, dem Ort, der Zeit, aber auch zwischen den Besucher*innen stattfinden wird, sozusagen die Schaffung eines offenen Laboratoriums – eines „beautiful place nearby“ – inmitten des urbanen Kontextes. (Quelle: Fünfzehnwochen)
Ausstellungslaufzeit: 14. Juni bis 6. September 2026.