Einfach, mitreißend und zweifelsohne eines der lustigsten zeitgenössischen Tanzstücke der letzten Jahre: In »Simple« beraubt sich die argentinische, seit 20 Jahren in Belgien lebende Choreografin Ayelen Parolin eines ihrer wichtigsten Tanzpartner – der Musik.
Und doch ist das Stück alles andere als still. Ohne Musik liegt es an den drei Tänzer*innen in ihren bunt gesprenkelten, enganliegenden Overalls, für den Rhythmus zu sorgen. Sie nutzen ihre Körper als Perkussionsinstrumente, geben Puls und Takt vor und reißen das Publikum mit. »Simple« ist eine Hommage an »Summerspace« (1958) von Merce Cunningham, eines der bekanntesten Werke des modernen Tanzes, das radikal mit traditionellen Vorstellungen von Choreografie brach. Ayelen Parolin vereinfacht die Vorlage zu einem dadaistischen Spaß: Unermüdlich wiederholen die Performer dieselben Bewegungsfolgen und führen diese mit ungewöhnlichen Gesten, schrägen Hüpfern und verblüfftem Gesichtsausdruck aus. Das Unvollendete und die Rückkehr zum Anfang sind der rote Faden des Stücks, einer faszinierenden Übung in der Konstruktion und Dekonstruktion des zeitgenössischen Tanzes. Noch nie war Scheitern so schön wie in dieser als Tanzstück getarnten Bühnenkatastrophe: Die drei Darsteller*innen beweisen eine gehörige Portion Selbstironie und lassen sich ganz von der puren, kindlichen Freude an Tanz und Bewegung leiten. (Quelle: asphalt Festival gGmbH)