In Gegenwart anhaltender Verschiebungen werden Handlungen unsicher. Rituale treten an die Stelle von Bedeutung.
Wo Ordnungen instabil werden, verschiebt sich die Funktion von Handlung. Wiederholungen treten an die Stelle von Erklärung, Abläufe stabilisieren sich, ohne dass ihr Sinn gesichert ist. Rituale entstehen in diesem Moment nicht als Setzungen, sondern als Verfahren: sie stellen Wiederholung her, bündeln Bedeutung oder setzen sie aus.
Zwischen alltäglichen Routinen, spielbasierten Systemen und kulturell codierten Praktiken entstehen so Formen, die weniger interpretieren als strukturieren. Handlung erscheint als Sequenz, als Regel, als Schleife, also als zeitliche Ordnung, die sich erst im Vollzug formiert, wie in den Partituren von William Engelen, in denen Wiederholung, Variation und Abweichung ineinandergreifen.
Diese Struktur bleibt jedoch nicht stabil. Perspektiven verschieben sich, Horizonte verlagern sich, Bedeutung entsteht situativ und ist gebunden an den Moment ihrer Ausführung. Dies wird sichtbar in den Arbeiten von Hanae Utamura: Erinnerung, Ort und Körper werden hier als verschränkte Praxis lesbar.
Die Ausstellung bei boa-basedonart versammelt Arbeiten, in denen sich diese Ambivalenz zeigt: Rituale erscheinen als präzise Ordnungen, die Bedeutung tragen und sie entziehen.
Arbeiten u. a. von William Engelen, Shigeko Kubota, Nam June Paik, Ben Patterson, Takako Saito, Hanae Utamura, sowie unter Einbezug kulturell codierter Praxisformen wie der Teezeremonie. (Quelle: Evers & Mass GbR)
Ausstellungslaufzeit: 11. Mai bis 27. Juni 2026.