Brahms 2: Menschenrechtskonzert
Adam Fischer war nie ein Künstler im Elfenbeinturm. Politisches Engagement und der Einsatz für Menschenrechte sind ein wesentlicher
Bestandteil seines Lebens.
Der Erste Konzertdirigent der Düsseldorfer Symphoniker engagiert sich leidenschaftlich für Freiheit und Bürgerrechte, ist Mitglied des Helsinki-Komitees und hat bei seinem Amtsantritt in Düsseldorf die Etablierung eines Menschenrechtspreises zur Bedingung gemacht. Seit 2016 verleiht Fischer die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung der Tonhalle jedes Jahr an eine Person oder Organisation, die sich im besonderen Maße für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte einsetzt. Die feierliche Verleihung im Rahmen des Menschenrechtskonzerts ist stets ein Höhepunkt des Konzertjahres.
Der Menschenrechtspreis der Tonhalle Düsseldorf 2026 geht an die sudanesische Frauenrechtlerin Salwa Elsadik. Die Wissenschaftlerin ist Gründerin und Direktorin der von Frauen geführten Women Advocacy and Development Iniative (WADI), die im Sudan humanitäre Hilfe leistet. Das nordostafrikanische Land leidet seit Jahren unter einem verheerenden Bürgerkrieg, viele Millionen Menschen sind auf der Flucht und von Hunger bedroht. WADI setzt sich an vorderster Front für Krisenhilfe, Friedensförderung und den Schutz insbesondere von Frauen und Mädchen ein. Nach dem Zusammenbruch staatlicher Institutionen und angesichts schwindender internationaler Entwicklungshilfe tragen Initiativen wie WADI heute maßgeblich die Verantwortung für humanitäre Versorgung, darunter Zugang zu Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und Notunterkünften.
Zur Auswahl der Preisträgerin erklärt Adam Fischer: „Viele Krisen und Kriege weltweit werden von der westlichen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Was im Sudan seit Jahren geschieht, dürfen wir nicht vergessen. Ich habe großen Respekt vor Salwa Elsadik, die trotz Gewalt und politischer Instabilität weiterhin für Gleichberechtigung und Menschenrechte kämpft und sich dafür einsetzt, dass Frauen am Friedensprozess und am gesellschaftlichen Wiederaufbau ihres Landes beteiligt werden.“
Der erstmals vergebene undotierte Solidaritätspreis geht an Jacques Tilly. Der Bildhauer gestaltet seit den 1980er-Jahren die politisch-satirischen Mottowagen des Düsseldorfer Rosenmontagszugs, die regelmäßig international für Aufmerksamkeit sorgen. Gegen Tilly wurde in Russland ein Strafverfahren eröffnet, in dem ihm vorgeworfen wird, „Falschinformationen über die russische Armee“ verbreitet sowie russische Staatsorgane verunglimpft zu haben. Nach russischem Recht drohen dafür eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.
Die Verleihung des Menschenrechtspreises und des Sonderpreises findet im Rahmen eines Menschenrechtskonzerts in der Tonhalle Düsseldorf statt. Die Auszeichnung wird von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Tonhalle Düsseldorf e. V. aus zweckgebundenen Spenden u. a. der Stadtsparkasse Düsseldorf gestiftet. Salwa Elsadik und Jacques Tilly werden die Preise persönlich entgegennehmen.
Auf dem Konzertprogramm steht die 2. Symphonie von Johannes Brahms. Es musizieren die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Adam Fischer.
Düsseldorfer Symphoniker; Adam Fischer, Dirigent
Johannes Brahms: Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 73 (Quelle: Tonhalle Düsseldorf)