bravo
bravo verlässt den konventionellen Rahmen einer Ausstellung und öffnet sich Inszenierungsformen, die eher aus dem Unterhaltungsfernsehen bekannt sind. Im Zentrum steht die Frage, welche künstlerischen Potenziale entstehen können, wenn etablierte Präsentationsweisen Probe und Verzögerung weichen, und Erwartung und Projektion allmählich Gestalt annehmen. Dies ist Garçons erste institutionelle Präsentation außerhalb Großbritanniens.
Das Projekt greift auf US-amerikanisches Reality-Fernsehen als kulturelles und formales Bezugssystem zurück. Garçon interessiert sich für die spezifischen Inszenierungslogiken dieser Formate, für die Bewegung zwischen Bühne und vermeintlich „realem“ Raum sowie für die episodische Struktur, mit der solche Sendungen Zeit, Aufmerksamkeit und Dramaturgie organisieren. Fragen von Sichtbarkeit, Narration und Enthüllung (von Information) durchziehen Garçons Praxis. In bravo erscheinen sie als räumliche Choreografie, die den Ausstellungsraum als Set behandelt, das während der Eröffnung zusätzlich aktiviert wird. Der Abend ähnelt einer Art „Watch Party“ und versetzt Besucher:innen in einen gemeinsamen Zustand des Wartens, Zuhörens, Schauens und Beobachtet-Werdens.
Neben einer Performance von Garçon umfasst die Eröffnung Sound- und Videobeiträge des Künstlers Paride Maria Calvia sowie der experimentellen Pianistin Precious Renee Tucker. Calvias vorab konzipierter Mix vertont den Abend. Tuckers Beitrag erscheint in Form einer eigens produzierten Komposition und Videoaufzeichnung, die jenes Kurzvideo-Format mobilisiert, durch das sie in den sozialen Medien viral ging, und es in die visuelle und akustische Ordnung des Abends einbindet. Während der fünfwöchigen Laufzeit des Projekts finden zweimal wöchentlich performative Interventionen statt. Garçon hat hierfür eine Mitarbeiterin des Kunstvereins gecastet und bringt so institutionsinterne Abläufe subtil auf die Bühne. Das Kostüm, entwickelt von der Stylistin Taylor Thoroski, bedient sich an den Looks der Frauen, die in Reality-TV-Formaten im Mittelpunkt stehen.
Zum Abschluss von bravo findet am Samstag, den 14.3.2026, um 16 Uhr eine dialogische Führung durch die Installation mit Solomon Garçon und Gloria Hasnay, Direktorin des Kunstvereins, statt. (Quelle: Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen)
Ausstellungslaufzeit: 7. Februar bis 15. März 2026