Kirill Serebrennikov, einer der prägenden europäischen Regisseure, eröffnet mit einem in Wortsinn fantastischen Text von Vladimir Sorokin die Spielzeit 2025/2026.
Sorokin gilt als einer der bedeutendsten russischen Prosaautoren und als einer der schärfsten Kritiker des russischen Staates. Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine lebt er wie Serebrennikov im Exil in Berlin. Im Juli gibt es die Möglichkeit schon einen ersten Blick auf Koproduktion zu werfen, die ihre Premiere am 16. August bei den Salzburger Festspielen feiern wird und mit der wir am 12. September die neue Spielzeit im Großen Haus eröffnen.
In dem russisch-deutschen Ensemble übernimmt August Diehl die Rolle des Landarztes Dr. Garin, der sich mit seinem Kutscher auf dem Weg in das abgelegene Dorf Dolgoje befindet, um die Menschen dort gegen eine rätselhafte Krankheit zu impfen, die die Infizierten in Zombies verwandelt. Doch mit ihrem von winzigen Pferdchen gezogenen Schneemobil geraten sie in den titelgebenden Sturm und einen existenziellen Überlebenskampf. Wie bei Puschkin und Tolstoi trägt er den Titel »Метель« und erscheint auf den ersten Blick als Kondensat oder Intertext der russischen Schneesturm-Tradition. Die Geschichte mit Landarzt und Kutscher, draller Müllerin, Zwergpferden und Riesen spielt jedoch in einer imaginären Zukunft, die sich aus der russischen Vergangenheit speist und im Grunde unsere Gegenwart meint. Serebrennikov interessiert sich vor allem für die dritte Hauptfigur des Romans: den Schneesturm, den er mit Schauspieler:innen, Tänzern und Musikern besetzt. In diesem Whiteout, einer absoluten Orientierungslosigkeit verortet Kirill Serebrennikov seine Inszenierung. Ein existenzielles Cabaret führt auch das Publikum in einen spektakulären Kontrollverlust. (Quelle: Düsseldorfer Schauspielhaus)