Seit Beginn seiner künstlerischen Arbeit verfolgt Gerold Miller eine radikal elegante Strategie, mit der er sich vom Bild verabschiedet, ohne es tatsächlich zu verlassen. Sein Werk dehnt das traditionelle Format „Bild“ bis ins Äußerste.
Seine Malerei-Objekte entstehen aus einem nicht weiter reduzierbaren Einsatz von Form und Farbe. Dennoch formulieren sie ein neues Konzept von Bildhaftigkeit, das konventionelle Definitionen überschreitet und bereits die Anlage des Bildes als Raum begreift.
Sie erfüllen damit die Kriterien von Bildhaftigkeit in einem konzeptuellen Sinn, der die Idee selbst bereits als Werk versteht. Abgesehen von den „Grundbedingungen“ erhält der Betrachter vom Künstler nichts Greifbares, das ihm dabei helfen könnte, das Bild zu finden. Durch den Prozess der Wahrnehmung versucht Gerold Miller, den Rezipienten in seine Untersuchungen einzubeziehen.
Er bietet dem Betrachter nicht länger „Malerei“ oder „Skulptur“ im traditionellen Sinne an, sondern vielmehr die Voraussetzungen künstlerischer Arbeit: zu formenden skulpturalen Raum und Projektionsflächen für Bilder. Dadurch erfahren seine Werke eine konzeptuell-prozessuale Erweiterung, bei der der eigentliche Prozess des Findens des Bildes vom Rezipienten selbst vollzogen werden muss.
Dieser „Handlungsaspekt“ widerspricht den konventionellen Bildtheorien, die das Bild als statisches Objekt definieren. (Quelle: Van Horn)