Katrin Sikora: Schwarze Häuser mit Gast Detlef Lichtrauter
Zwischen den 1950er und 1980er Jahren wurden in Deutschland Millionen von Kindern in sogenannte Kurheime verschickt. Das Ziel war Heilung und Erholung. Doch stattdessen erlebten viele Zwangsmedikation, Demütigung und systemische Gewalt.
Zahlreiche Verschickungskinder kehrten traumatisiert zurück.
Was als Erholungskur angelegt ist, wird zum Albtraum: Im Nachkriegsdeutschland erleben Millionen Kinder, die in Ferienheime „verschickt“ werden, eine systemische Gewalt, die sie ein Leben lang prägt. Von diesen Kinderverschickungen erfährt die Filmemacherin aus Erinnerungen ihrer Mutter und begibt sich auf eine Reise, um das Phänomen tiefer zu ergründen. Sie spricht mit Betroffenen und beleuchtet die lange verdrängten Erfahrungen durch intime Zeitzeugenberichte und Archivmaterial. Parallel dazu bringt das Jugendensemble des Jungen Deutschen Theaters Berlin ein Stück auf die Bühne, das auf Originaldokumenten und Erinnerungen basiert.
Die künstlerische Auseinandersetzung der Regisseurin eröffnet einen generationsübergreifenden Dialog über Schweigen, Macht und institutionalisierte Gewalt – Themen, die erschreckend relevant sind. Über die Gräueltaten in den Heimen hinaus zeigt der Film die emotionale Sprachlosigkeit in den Familien, in denen das Erlebte oftmals gar nicht thematisiert wurde. Er stellt die Frage, wie sich vermeiden lässt, dass das Trauma an die nächste Generation weitergegeben wird.
Zur Düsseldorfer Premiere von "Schwarze Häuser" am Dienstag, den 14.7. um 19 Uhr im Metropol besucht uns Protagonist Detlef Lichtrauter, Vorsitzender Verein Aufarbeitung Kinderverschickung NRW. (Quelle: Metropol Düsseldorfer Filmkunstkino GmbH)