Schroeder geht ins Konzert
»Wer Visionen hat, solle zum Arzt gehen«, meinte Helmut Schmidt. Florian Schroeder empfiehlt stattdessen: Kommen Sie ins Konzert!
Hier trifft seine pointierte Aufklärung auf musikalische Visionäre – allen voran das namensgebende Vision String Quartet (garantiert kerngesund!) und die Düsseldorfer Symphoniker. Erleben Sie Louis Spohrs mutige Idee eines Konzerts für Quartett und Orchester – eine Vision, die erst lange nach ihm wieder aufgegriffen wurde (etwa von Søren Nils Eichberg mit seinem »Endorphin«). Spohr hatte übrigens auch die Vision des Taktstocks, damit Dirigenten nicht mehr wie Lully enden (der sich den Taktpfahl in den Fuß rammte – fatal!). Während das Orchester und das Quartett musikalische Visionen von Spohr bis zur Gegenwart (inklusive VSQ-Nummern aus »Spectrum«) entfalten, bohrt Schroeder gewohnt scharfsinnig Löcher in die Vierte Wand. Was wie eine humoristische Lockerungsübung wirkt, entpuppt sich schnell als gezuckerte Einstiegsluke in die Welt der kühnen Ideen.
Ein Abend voller Presto und Prusten, der Ihren Gefühlsapparat zwischen den Wogen der Rührung über visionäre Klänge und den Stürmen der Heiterkeit über Schroeders Analysen hin- und herpendeln lässt. Fazit: Gute Laune garantiert, Arztbesuch überflüssig!
Düsseldorfer Symphoniker; vision string quartet; Alena Hron, Dirigentin; Florian Schroeder, Moderation
Antonín Dvořák: Slawischer Tanz C-Dur op. 46/1; Antonín Dvořák: Slawischer Tanz c-Moll op. 46/7; Louis Spohr: Quartettkonzert op. 131 für zwei Violinen, Viola, Violoncello und Orchester (1. Satz); Søren Nils Eichberg: Endorphin für Streichquartett und Streichorchester;
Werke aus dem Programm »Spektrum« des Vision String Quartet; Antonín Dvořák: Slawischer Tanz c-Moll op. 72/2; Antonín Dvořák: Slawischer Tanz C-Dur op. 72/7 (Quelle: Tonhalle Düsseldorf)