Veza Fernández: Chantal, the body is a text longing for perspective
Eine lebendige Anatomiepuppe seziert sich selbst mit Worten, um Körpergrenzen immer wieder aufs Neue zu verhandeln: die unwahrscheinliche Schnittstelle zwischen lesbischen* Wortintimitäten, kolonial-patriarchaler Medizingeschichte und Performancekunst.
Die Wiener Tanz-, Stimm- und Performancekünstlerin Veza Fernández zeigt mit „Chantal, the body is a text longing for perspective“ ein intimes anatomisches Spektakel, das den Körper als überbordenden Text offenlegt. Chantal ist eine prismatische Figur, die aus den verschiedenen Stimmen auf der Bühne entsteht. Sie ist eine lebendige Anatomiepuppe, wie man sie im Museum La Specola in Florenz oder im Josephinum in Wien findet, die das Publikum auffordert, gemeinsam mit ihr zu erforschen, wie man ein Theater von den Grenzen der Haut aus erlebt. Zwischen Augen und Ohren blinzelt sie und seufzt tief in ihr Inneres, um zuzuhören. Inmitten von Vogelschreien, Flüstern und Hüsteln, samtigen Stimmen, Flöten und pastellfarbenen Satin-Landschaften verwischen die Grenzen zwischen dem Innen und Außen, zwischen dem Körper und der Welt, dem eigenen und dem fremden Körper. Chantal ist eine lesbische Venus, aus deren Eingeweiden eine rastlose Dichterin, eine sinnliche Schauspielerin, eine prominente Wachsfigur, eine verliebte Bildhauerin, eine heisere Tänzerin und eine wandelnde Lehrerin schlüpfen. Chantal öffnet und seziert ihren Körper mit Worten und Bewegungen. In beeindruckenden Textwelten und fließenden Choreografien, zwischen Sinnlichkeit, Theorie und Witz, gestalten die drei Performer*innen das anatomische Theater radikal neu, in einer Inszenierung des Inneren jenseits patriarchaler Normen. (Quelle: FFT)